Serie: Leben im Baudenkmal Bramscher Bücherei macht, „was das Haus will“

Von Heiner Beinke, 12.09.2018, 19:08 Uhr
Büchereileiter Günter Nannen vor dem markanten Gebäude. Fotos: Heiner Beinke

Bramsche. Traum und Lebensziel für die einen, teurer Horror für die anderen: Am Leben in einem denkmalgeschützten Haus scheiden sich die Geister. Was macht den Reiz alter Häuser aus? In der Serie „Leben im Denkmal“ wollen wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Heute besuchen wir die Stadtbücherei in Bramsche.

Das Haus Mühlenstraße 7 ist ein Schmuckstück. Spätestens seit der gründlichen Fassadenrenovierung im Jahr 2010 bildet es an der Ecke zur Hemker Straße eine schöne Einheit mit anderen, ebenfalls liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern an der Mühlenstraße. Innen aber ist alles topmodern. Ein reizvoller Kontrast, der mit der grundlegenden Renovierung der Stadtbücherei im letzten Jahr geschaffen worden ist.

Grenzen gesetzt

„Bei allem, was man tut, muss man gucken, was das Haus will“. Mit diesen Worten beschreibt Hausherr Günter Nannen die Herausforderung, ein denkmalgeschütztes Dielenhaus als Bibliothek zu nutzen. Der Leiter der Bramscher Stadtbücherei wäre vom Mobiliar her gern so flexibel wie möglich, um viele Veranstaltungen im Haus zu ermöglichen. Doch die Fachwerkständer mit dem Treppenhaus im Mittelpunkt setzen da Grenzen. Immerhin ist aber durch Regale auf Rollen ein deutlich größeres Maß an Flexibilität erreicht als vor dem Umbau möglich war.

Die Kompromisse bei der Nutzung werden durch den besonderen Charme eines Altbaus ausgeglichen, der durch moderne Möbel und Beleuchtung noch betont wird. Sichtachsen durch das ganze Haus, gemütliche Leseecken für die kleinen wie die großen Leseratten erhöhen die Aufenthaltsqualität und machen die Mühlenstraße 7 nun auch von innen zum Schmuckstück. Konsequent ist jetzt auch die Aufteilung des Angebotes: Kleinste und kleine Kunden finden ihre Lektüre und Spiele nun im Erdgeschoss, das erste Geschoss ist für die Erwachsenen. Wer nicht gut zu Fuß ist und die Treppe nicht schafft, kann dazu jetzt den Aufzug nutzen.

Trendwende

Der Aufwand hat sich gelohnt: Die Bücherei schaffte die Trendwende nach zuletzt sinkenden Besucherzahlen. Und auch für das fünfköpfige Büchereiteam haben sich die Bedingungen verbessert. Das Haus Mühlenstraße 7 ist für kleine und große Kulturfreunde wieder ein zentraler Anlaufpunkt und für die Kommunalpolitik eine Vorzeigeadresse geworden. Das war nicht immer so, wie ein Blick in die lange Geschichte des Gebäudes zeigt.

Haus 1628 erstmals erwähnt

Erstmals erwähnt wird das Haus 1628. Die bei der Fassadensanierung 2010 freigelegte Balkeninschrift verweist auf das Jahr 1782, das Jahr nach einem verheerenden Großbrand in Bramsche. Eigentümer war da die Familie Hagenau. Im Jahr 1821 kaufte der Tuchmacher Bernhard Heinrich Thöle das Gebäude. Auf ihn gehe vermutlich die Bezeichnung „Thölen Ohms Eck“ für die Ecke Mühlenstraße/Hemker Straße zurück, heißt es in einem Beitrag der Bücherei zur Geschichte des Hauses.

Dora Detering, eine Urenkelin von Bernhard Heinrich Thöle, war letzte Privateigentümerin des Gebäudes. Nach ihrem Tod verkauften die Erben das Haus im Jahr 1974 an die Stadt Bramsche, 1976 zogen die letzten Bewohner aus. Das Haus befand sich in einem schlechten Zustand, die Stadt habe es „ohne Idee für eine konkrete Nutzung“ gekauft, so der Bericht. Eine Zeit lang ist ein Abriss im Gespräch, doch dann kommt die Mühlenstraße 7 als Adresse für die Stadtbücherei ins Spiel, die damals im Untergeschoss des heutigen Hauses der Kirche in drangvoller Enge untergebracht war. Dank der Zuschüsse verschiedener Stellen wird diese Lösung schließlich umgesetzt, am 1. Dezember 1980 wird die neue Bücherei eröffnet.

Ein Wunsch bleibt

Die Treppe ins Obergeschoss prägt das Gebäude.

Dank der Sanierung im letzten Jahr ist die Bramscher Bibliothek nun für die Zukunft gerüstet. Ein Wunsch ist dem Hausherren Günter Nannen geblieben. Dessen Verwirklichung steht allerdings in den Sternen, wie der Büchereileiter weiß: der Ausbau des Dachbodens als Veranstaltungsraum. Es ist zwar nicht abzusehen, dass es dafür einmal das erforderliche Geld gibt, aber damit wären die Wünsche des Bewohners und der von Nannen beschworene „Wille“ des Hauses wohl endgültig vereint.

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