Sozialhilfeempfänger befreit Stadtbücherei Bramsche hebt Gebühren an

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Die Stadtbücherei bekommt nach der Renovierung auch eine neue Gebührenordnung. Foto: Heiner BeinkeDie Stadtbücherei bekommt nach der Renovierung auch eine neue Gebührenordnung. Foto: Heiner Beinke

Bramsche. Erstmals seit 2002 hebt die Bramscher Stadtbücherei die Gebühren für ihren Benutzerausausweis an. Die neue Gebührenordnung mit der ebenfalls überarbeiteten Nutzungssatzung stellte Büchereileiter Günter Nannen am Dienstag, 11. September 2018 im Ratsausschuss für Schule und Kultur vor.

Nach der neuen Satzung zahlen Erwachsene demnächst 15 statt 10 Euro jährlich für den Benutzerausweis, eine Partnerkarte (gültig für zwei Erwachsene) kostet dann 20 statt bisher 15 Euro. Schüler, Berufsschüler, Studenten und Schwerbehinderte kostet die Bibliotheksnutzung dann acht statt bisher 5 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Inhaber von Jugendleiterkarten sowie Freiwilligendienstleistende sind ebenso von den Gebühren befreit wie Bezieher von Leistungen nach SGB IIund SGB XII. Der Benutzerausweis gilt jeweils für ein Jahr.

„Wohin gehen die Dinge?“

In seiner Begründung wies Nannen zunächst auf das grundlegend veränderte Freizeitverhalten weiter Bevölkerungskreise hin, das auch bei einem Treffen der Büchereileiter aus dem Landkreis Osnabrück thematisiert worden sei. Studien hätten ergeben, dass das Lesen von Büchern ebenso wie beispielsweise die Gartenarbeit zu den Verlierern in diesem Bereich gehöre, während die Beschäftigung mit digitalen Angeboten einen absoluten Spitzenplatz einnehme. „Gerade wir kleineren Büchereien müssen uns fragen ‚wohin gehen die Dinge und wohin wollen wir‘“, so Nannen. „Unser Aufgabenspektrum geht mittlerweile weit über die reine Ausleihe hinaus“. Ein Schwerpunkt liege beispielsweise in der Sprachförderungund Alphabetisierung. Nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen seien im Bereich Sprache zunehmende Defizite zu beobachten. Bei kleinen Kindern versuchen die Büchereien im Landkreis unter anderem durch das Projekt „LosLesen“ gegenzusteuern. Aber auch bei den Erwachsenen wachse die Zahl funktionaler Analphabeten. Wichtig sei auch die Sprachförderung für Zuwanderer. „In all diesen Bereichen müssen wir uns mit anderen Trägern vernetzen, um gemeinsame Projekte anzuschieben“, unterstrich Nannen weiter. In Anbetracht dieser gestiegenen Anforderungen „müssen wir sehen, dass wir die Einnahmeseite etwas verbessern. Bei gleichbleibenden Nutzerzahlen würden wir etwas über 4580 Euro zusätzlich generieren“, schloss der Büchereileiter.

Sprachförderung und Alphabetisierung

Dieter Sieksmeyer (Bündnis 90/ Die Grünen) zeigte Verständnis für die geplante Anhebung:: „Eine Stadtbibliothek kann nicht kostendeckend arbeiten. Als Angebot der öffentlichen Daseinsvorsorge hat sie allerdings einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen, besonders im Bereich Sprachförderung und Alphabetisierung“. Sieksmeyer regte allerdings an, angesichts die Kosten für Sozialhilfeempfänger bei 5 Euro zu belassen. „Die Betroffenen müssen ohnehin jeden Cent dreimal umdrehen“.

Josef Riepe (Die Linke) ging noch weiter und schlug vor, Hilfeempfänger und Freiwilligendienstleistende ganz von den Gebühren zu befreien. „Es wäre ein Signal an die, die sich freiwillig einbringen“. Lehrervertreterin Anke Wittemann hoffte, eine Gebührenbefreiung könne Familien im SGB-Bezug ermutigen, mit ihren Kindern die Bücherei zu besuchen. „Die trauen sich sonst einfach nicht“.

Da sich alle Fraktionen der Argumentation anschlossen, verabschiedete der Ausschuss einstimmig die geänderte Satzung unter Einarbeitung des Vorschlags von Riepe.


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