2000 Besucher bei Hoffest Großer Andrang bei Gemüsegärtnern in Kalkriese

Von Andreas Wenk

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Landidylle pur.  Kinder ernten Kartoffeln zwischen Blumenfeldern. Foto: Andreas WenkLandidylle pur. Kinder ernten Kartoffeln zwischen Blumenfeldern. Foto: Andreas Wenk 

Bramsche. Bio boomt. Diesen Eindruck vermittelte zumindest das Hoffest im Bramscher Ortsteil Kalkriese bei den Gemüsegärtnern.

Die neuen Geschäftsführer René Belker und Udo Engelke hatten die Hallen ausgeräumt, Stände aufgebaut und Lieferanten am Sonntag zu einem Tag der Offenen Tür geladen, um Betrieb und Lieferanten kennenzulernen. Bereits eine Stunde nach Öffnung waren knapp 180 Kunden gekommen. Knapp zwei Stunden später ging die Zahl der Besucher auf die 1000er Marke zu und Auszubildende Lena Weber zeigte sich am Eingang zuversichtlich, dass 2000 Besucher zusammenkommen würden, da erreichte gerade eine große Radfahrergruppe den Hof. Im Gespräch erzählt die junge Frau, dass sie begeistert ist von der Mischung Ökolandbau einerseits und ihrem Arbeitsfeld Finanzbuchhaltung andererseits. Der Sonntagsdienst, Begrüßen und Zählen der Besucher macht ihr offenbar nichts aus. „Ich habe einen tollen Ausbildungsplatz“ erzählt sie und berichtet von anderen Betrieben, in denen die Auszubildenden längst das Handtuch geschmissen hätten. „Die sind hier alle locker drauf“, fügt sie noch hinzu und beweist damit, eine gute Botschafterin des Gemüsegärtner-Teams zu sein.

Auf dem Hof schieben sich derweil die Besucher durch die Hallen oder nehmen mit ihren Kindern an der Kartoffelernte teil. Jan Schawe ist aus Wallenhorst gekommen. Sein Sohn Jona läuft hinter einer Erntemaschine her und liest die jungen Kartoffeln auf. Ganz stolz zeigt er seinem Vater ein Exemplar, das gerade mal so groß ist wie dessen Daumenkuppe. Auch wenn der Papa für gewöhnlich nicht unbedingt ein typischer Biokunde ist, wie er sagt. Das Angebot, Kindern zu zeigen, wo Lebensmittel herkommen, findet er gut.

Udo Engelke geleitet derweil eine Besuchergruppe durch die Hallen und stellt dort das Gemüsegärtner-Prinzip vor: „Bio aus der Region für die Region.“ Dabei ist der Begriff Region mittlerweile auf einen Umkreis von 70 Kilometern ausgedehnt. Beliefert werden auch Orte wie Rheine oder Cloppenburg. Was einige Besucher nicht wussten, dass man sich seine Lieferung im Internet selbst zusammenstellen kann. Viele hatten mit Gemüsegärtner noch das Abonnement im Kopf, bei dem jede Woche eine Kiste vor der Tür steht, die einer Wundertüte gleicht. Bio, Frische und Individualität stehen heute im Mittelpunkt. Engelke hat früher in der IT-Branche gearbeitet. Er erläutert den Gästen, dass mittlerweile eine ausgeklügelte IT-Infrastruktur notwendig ist, damit die Gemüsegärtner die Ansprüche erfüllen können. 

Jede Kiste wird mit Scanner registriert, einem Kunden zugeordnet und dann an Laufstraßen entsprechend den Angaben auf dem Bildschirm zusammengestellt. Kartoffeln und andere schwere Sachen nach unten, Salat obenauf. Die Kisten wiegen schonmal 15 Kilogramm, sagt Engelke und gibt zu, „das ist manchmal ganz schön belastend.“ Man sei auch deshalb bemüht, die Arbeitszeiten gering zun halten und setze auch viele Teilzeitkräfte ein. Insgesamt sorget ein Team von 50 Mitarbeitern dafür, dass die Ware frisch bei den Kunden oder auf den Wochenmärkten ankommt. Kerstin Kramme aus Westerkappeln schätzt das System. Sie bekommt sonntags per Mail einen Vorschlag, modifiziert die Bestellung nach ihren Wünschen und bekommt am Dienstag ihre Ware. Auch Lars und Beate Piechocki aus Huxelort in der Nachbarschaft überlegen nun, den Service auszuprobieren, obwohl sie selbst Gemüse anbauen und sogar über ein Gewächshaus verfügen. Als Ergänzung in Übergangszeiten, wenn die eigene Ernte auf sich warten lässt, können sie sich das gut vorstellen.

Bio-Internetshopping mag sich widersprüchlich anhören, doch für Johann Schreiber vom Meyerhof ist das kein Widerspruch, sondern eine Ergänzung. Er beliefert die Gemüsegärtner merhmals die Woche mit Eiern. „Das ist für viele Biobauern eine gute Gelegenheit, sich einen größeren Absatzmarkt zu erschließen.“

Dennoch ist Firmen-Urgestein Burkhard Preckel sich bewusst, die Gemüsegärtner bedienen Premium-Bio-Ansprüche und dabei soll es bleiben. Discounteranfragen über 80 Tonnen Kartoffeln täglich wollen und können sie nicht bedienen. E hat sich seit Jahresbeginn etwas aus dem Geschäft zurückgezogen. Engelke und Belker sind nun die geschäftsführenden Gesellschafter. Er selbst sei kein Facebookfreund, sagt er, aber das Marketing gehe in die Richtung und deshalb sei es an der Zeit gewesen, das Unternehmen in jüngere Hände zu geben. Zum Jahresende soll ein dreiköpfiges Marketing-Team stehen. Auch wenn die Gemüsegärtner weiterhin eine Nische bedienen wollen, die ist mittlerweile recht breit geworden und soll weiter wachsen. Schon jetzt beliefert das Unternehmen jede Woche rund 1.500 Kunden.

Auch wenn der Rentierpulli längst ausgedient hat, ein bisschen heile Welt verlangt das Öko-Image immer noch. Das kommt bei Kindern und Eltern an. Am Stand der Feldschmiede steht Christian Wilken mit seine Söhnen. Hanno bestätigt, Treckerfahren und Eisenschmieden sei für ihn das beste an diesem Tag der offenen Tür.


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