Römischer Speer in einem Erdblock? Varusschlacht-Forscher lassen Kalkrieser Funde am FMO röntgen

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Greven/Kalkriese. Die Varusschlacht GmbH hat am Flughafen Münster/Osnabrück größere Erdblöcke mit Fundstücken ihrer jüngsten Ausgrabungen durchleuchten lassen. Der einstündige Einsatz eines massiven Röntgengerätes für Luftfrachtkontrollen brachte dabei zumindest einen Teilerfolg und ermöglichte so einen ersten Blick auf ein – wahrscheinlich – römisches Pilum.

„Wir hatten noch nie so große Sachen“, hatte Varusschlacht-Restauratorin Christiane Matz gesagt, bevor das erste Paket mit einem der Funde in den Hallen der Wisag FMO Cargo Service GmbH in den 1,80 Meter langen und 1,45 Meter hohen Röntgenschacht gefahren wurde. Ihr Kollege, Grabungsleiter Marc Rappe, freute sich unterdessen auf „ein Eisenobjekt“, das ein Block mit einem Durchmesser „von etwa 40 Centimetern“ sei und durchleuchtet werden solle. Doch eine halbe Stunde später waren beide nur noch bedingt zufrieden. Ein Paket konnten die 160-kV-Strahlen relativ gut durchdringen, ein zweites weniger, ein drittes kaum noch. Immerhin, die Umrisse der Metallblöcke im Erdreich der sogenannten Blockbergungen zeichneten sich überaus deutlich ab.

In den Hallen der Wisag FMO Cargo Service GmbH in Greven fand das Röntgen statt. Foto: Marcus Alwes

Auf der Habenseite können die Varusschlachtforscher mitnehmen, dass sich bei einem der drei Fundstücke wahrscheinlich eher um einen römischen Wurfspieß als um eine massive Kettengeflecht handelt. Bei den beiden anderen Metallklumpen wird es wohl noch eine ganze Zeit dauern, bis sich eine verlässliche und fundierte Aussage treffen lässt, was hier tatsächlich vor den Wissenschaftlern liegt. Es gilt, in den kommenden Monaten im Rahmen einer Freipräparierung ganz vorsichtig das Erdreich zu entfernen und mögliche Korrosionsschichten um die rund 2000 Jahre alten Gegenstände herum Millimeter für Millimeter abzutragen. Erst dann wird das neue Geheimnis aus Kalkriese gelüftet sein.

Ob sie enttäuscht sei, wollte unsere Redaktion noch vor Ort in Greven von Christiane Matz wissen. Die Restauratorin zögerte. „Vielleicht“, sagte sie und zögerte noch einmal. „Irgendwie doch“, fügte sie hinzu, um wenige Sekunden später mit Blick auf die Funde festzustellen, „es bleibt Raum für Phantasie“. Ähnlich sieht es auch Dr. Joseph Rottmann, der Geschäftsführer der Varusschlacht GmbH, der den Kopf ausdrücklich nicht in den Sand stecken wollte. „Enttäuscht? Nein. Die Neugier wird jetzt eher noch größer“, erklärte er: „Die Spannung ist geblieben. “ Und wenigstens wisse man nun etwas mehr über die Umrisse und die Ausmaße der Fundstücke in den Blockbergungen. Auch das sei ein wichtiger Erkenntnisgewinn.

Spannend fanden den Besuch der Kalkrieser Delegation übrigens auch die Verantwortlichen der Wisag Cargo Service GmbH in Greven am FMO. Geschäftsführerin Margot Kriege blickte während der Röntgenvorgänge ebenso interessiert und positiv neugierig auf die Bildschirme wie Betriebsleiter Michael Werning und die Mitarbeiterin der Luftsicherheitskontrolle, Tina Ruhnow. „Das hat mit unserem Standardgeschäft Luftfracht nichts zu tun, aber als die telefonische Anfrage kam, haben wir sofort gesagt, dass wir dabeisind “, erinnerte sich Werning: „Das ist eben mal etwas ganz anderes.“

Interessierte Bürger können sich über die bisherigen Funde zur Varusschlacht in Kalkriese übrigens auch am Sonntag, 9. September 2018, informieren. Im Rahmen des „Tag des offenen Denkmals“ gibt es Museums- und Parkführungen um 12.30 und 16 Uhr. Besucher lernen zum einen die im Museum ausgestellten Funde im Hinblick auf den historischen und archäologischen Kontext näher kennen. Zum anderen erfahren sie in einem Rundgang durch den Park Hintergründe zur Varusschlacht und zum Fundareal.


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