Serie: Leben im Baudenkmal Familie Igel rekonstruiert altes Bauerhaus in Engter

Von Ilona Ebenthal

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ieb Engter. Traum und Lebensziel für die einen, teurer Horror für die anderen: Am Leben in einem denkmalgeschützten Haus scheiden sich die Geister. Was macht den Reiz alter Häuser aus? In der Serie „Leben im Denkmal“ wollen wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Heute besuchen wir Karsten Igel und Michaela Jansen in Engter.

Ein eingetragenes Denkmal ist der Hof Igel nicht, wohl aber eine „historische Bauquelle“. Dr. Karsten Igel und Ehefrau Dr. Michaela Jansen-Igel haben im Rahmen der Renovierung mithilfe einer Reihe von Experten Bauforschung betrieben und viel Interessantes über die Hofstelle der Igel-Vorfahren zutage gefördert.

Mindestens seit Mitte des 16. Jahrhunderts ist die Familie Igel hier ansässig. Urkundlich 1416 zum ersten Mal erwähnt, hat der Hof mitsamt der vielen Nebengebäude im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Veränderungen mitgemacht. Als eines der ältesten Gebäude der Gegend sei das Bauernhaus „ständig den landwirtschaftlichen Bedürfnissen und dem Wohnkomfort angepasst“ worden, erklärt Karsten Igel. Anders als heute üblich wurde das vorhandene Material immer wieder für die Umbauten eingesetzt. Wir begeben uns auf Spurensuche im Inneren des Hauses.

Holztür in der Decke

Eine Wand weist Holzständer auf, die offensichtlich umgedreht eingesetzt wurden, so dass das von Kühen „angenagte“ untere Ende jetzt unter der Decke sitzt. Neben langen Eichenbohlen wurde bei der Dielenverlängerung auch die alte Holztür als Deckenteil eingesetzt, dank der verbliebenen Scharniere noch gut erkennbar. Viele Zimmer zeigen Versprünge im Balken und Ständerwerk. So wurden für den Wohnkomfort in früherer Zeit auch einmal die niedrigen Decken höher gesetzt. Für den Einbau eines Hinterladerofens versetzten die Vorfahren die Küchentür.

Dezente Anpassungen

Familie Igel hat im Laufe der vergangenen Jahre viele Renovierungsarbeiten durchgeführt und dabei versucht, den Originalzustand wiederherzustellen. Nicht jedoch ohne Anpassungen an heutige Ansprüche, die jedoch sehr dezent ausfallen. Der vorher fensterlose große Flur erhält zum Beispiel Licht durch große Glasausschnitte unter der Decke in der Wand zur Küche. Im Esszimmer leuchten die Wände in einem strahlenden Blau, das im 19. Jahrhundert sehr viel verwendet worden sei, erklärt Karsten Igel. Bereits die Generation vor ihm haben behutsam renoviert. Die Holztüren aus Abbruchhäusern habe ein Experte sogar für originale Bestandteile gehalten, erzählt Michaela Jansen-Igel. Die Archäologin, die im städtischen Bereich tätig war, hat auf dieser Baustelle „viele Überraschungsmomente“ erlebt. So war ein schwerer Wandschrank an einer nur 11 Zentimeter dünnen, aber dick verputzten, Klinkerwand befestigt, die sich schon deutlich durchbog. Oder als beim Freilegen der Wände „mehr Putz runterfiel als geplant“.

Bohrkerne gezogen

Die Fenster ließen im Jahr 2000 schon Wilma und Volker Igel nach Bildbefunden und entdeckten Resten rekonstruieren. Ebenso die Seite und den rückwärtige Giebel. Der vordere Giebel stammt aus dem Jahr 1875 wie die Balken-Inschrift der damaligen Bauherren Johann Gerhard Friedrich Igel und Maria Luise Igel, geborene Menkhaus zeigt. Ein Teil des Daches und der tragenden Strukturen stammen aus dem Jahr 1684. Das habe die dendrochronolgische Datierung ergeben, bei der Bohrkerne mit den Jahresringen aus dem Holz gezogen wurden. Zwei Mal sei das Haus verlängert worden, was auf der Diele sehr gut erkennbar ist. Platz zum Spielen und Toben für die Kinder ist reichlich vorhanden.

Auch die Nebengebäude strahlen Historie aus. Die Scheune wurde aus den Bruchsteinen der vielen langen Grundstücksmauern gebaut, von denen noch einige bestehen. Harmonisch ins Gefüge passt auch der Tabakschuppen, denn Familie Igel hat bis Anfang der Siebziger-Jahre Tabak angebaut. Doch das ist eine andere Geschichte.


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