Am Landgericht Osnabrück Nach Pkw-Aufbrüchen: Bramscher zieht Berufung zurück

Von Andreas Wenk

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Seine Berufung gegen eine Verurteilung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe hat ein 27-jähriger Bramscher vor dem Landgericht Osnabrück zurückgezogen. Foto: Volker Hartmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++Seine Berufung gegen eine Verurteilung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe hat ein 27-jähriger Bramscher vor dem Landgericht Osnabrück zurückgezogen. Foto: Volker Hartmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bramsche/Osnabrück. Wegen mehr als 30 Autoaufbrüchen, Computerkriminalität und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz war ein 27-jähriger Bramscher in erster Instanz zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Berufung vor dem Landgericht Osnabrück zog er jetzt selbst zurück.

„Sie können sich wunderbar ausdrücken, das ist nicht jedem gegeben“, attestierte der Vorsitzende Richter der 7. Kammer des Landgerichts Osnabrück dem 27-jährigen Angeklagten aus Bramsche: „Viel Glück und alles Gute. Sie packen das“, gab ihm der Richter mit auf den Weg, nachdem der Angeklagte offenbar auf Anraten seines Anwalts die Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Bersenbrück zurückgezogen.

Zuvor hatte der Richter deutlich gemacht, dass er von dem Angeklagten mehr erwartet hätte als ein dünnes Schreiben, mit dem er sich von der Diakonie hatte bestätigen lassen, dass er sich dort um eine Therapie bemüht habe. In der Verhandlung hatte der drogenabhängige Angeklagte versucht, sich als Opfer des Justizapparates darzustellen. Das habe ihn während vorheriger Arrest- und Haftstrafen nicht auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. Nun habe er endlich Fuß gefasst, habe eine Lebensgefährtin, um deren Kind er sich kümmere, und endlich berechtigte Hoffnung auf einen Job.

Mehrfach bat er darum, nicht allein aufgrund seiner Vergangenheit beurteilt zu werden: Seit 2003 war er in dichter Folge und zuletzt 2018 immer wieder wegen verschiedener Delikte verurteilt worden: überwiegend Eigentumsdelikte, aber auch Körperverletzung und Computerkriminalität. Als er nach seiner letzten Haft 2017 aus dem Gefängnis kam, wurde er nur zwei Monate später erneut straffällig: Mehr als 30 Autoaufbrüche, Computerkriminalität und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Dafür hatte das Amtsgericht Bersenbrück ihn im April zu zwei Jahren Haft verurteilt, ohne Bewährung. Die aber wollte er erreichen. Schließlich habe er vor dem Amtsgericht vollumfänglich gestanden, auch Taten, die ihm sonst nicht nachzuweisen gewesen wären.

Richter und Angeklagter diskutieren

Nachdem der Angeklagte sich zuvor über die schlechten Bedingungen im Knast eingelassen hatte, hielt ihm der Richter entgegen: „Wenn das alles so scheiße ist, dann würde ich doch alles daran setzen, nicht wieder einzufahren.“ Richter und Angeklagter lieferten sich im Verlauf der Verhandlung eine durchaus hörenswerte Diskussion über Sinn und Zweck von Haftstrafen und Urteilen im Namen des Volkes. Dabei baten sie sich gegenseitig betont höflich, ausreden zu dürfen. Am Ende zog der Verteidiger die Reißleine und bat um eine Auszeit, um sich mit seinem Mandanten zu besprechen. Letztlich winkte der Rechtsvertreter auch die Lebensgefährtin mit auf den Flur.

Bis in den Gerichtssaal war zu hören, wie er seinem Mandanten ins Gewissen redete und ihm offenbar klarmachte, was ihm zuvor schon der Richter mehr oder minder unverblümt angedeutet hatte, nämlich dass er auf verlorenem Posten kämpfe. Er habe nichts in der Hand, was es glaubhaft erscheinen lasse, ausgerechnet jetzt nicht wieder straffällig zu werden.

„Die Therapie ist Ihre Chance“, hatte der Richter dem Angeklagten ins Gewissen geredet. Ihm dränge sich der Eindruck auf, dass sich der Angeklagte damit nicht ernsthaft auseinandergesetzt habe und das Thema ausblende. Eine Therapie biete jedoch die Möglichkeit, nicht erneut ins Gefängnis zu müssen, da nach erfolgreichem Ende der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werde.

Nach kurzer Unterbrechung dann das schnelle Ende: Die Beteiligten verzichteten auf ein Urteil, der Angeklagte zog seine Berufung zurück und folgte seiner Lebensgefährtin auf den Gang, um sie zu trösten. Die war schluchzend hinausgelaufen.


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