Auftritt auf dem Biohof Jürgen Becker begeistert in Penter Scheune

Von Holger Schulze

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In der Scheune auf dem Penter Biolandhof Kruse ist Jürgen Becker am Wochenende aufgetreten.. Foto: Holger SchulzeIn der Scheune auf dem Penter Biolandhof Kruse ist Jürgen Becker am Wochenende aufgetreten.. Foto: Holger Schulze

Pente. In einem rustikalen Ambiente wie dem einer Scheune spielt ein über das Fernsehen prominent gewordener Kabarettist sicher auch nicht alle Tage. Jürgen Becker tat dies am Samstagabend im Biolandhof Kruse in Pente dem Hausherrn zuliebe.

Eine mit Michael Kruse geteilte Vorliebe für Oldtimer-Motorräder hatte die beiden zusammengebracht. „Volksbegehren“ hieß das Programm, das Jürgen Becker im ausverkauften landwirtschaftlichem Gebäude zum Besten gab. Es sollten zwei Stunden rund um den Sex werden, ohne dass dabei die Gürtellinie jemals in jugendgefährdender Weise unterschritten wurde.

Dank an Chemitz

Zu Beginn jedoch richtete Jürgen Becker tagesaktuell einen Dank an Chemnitz. „Danke Chemnitz, jetzt kann man wenigstens einen Ort von der Liste möglicher Urlaubsorte streichen. Warum bekommen Nazis hin, was Polizisten nicht hinbekommen, obwohl es doch manchmal dieselben Leute sind“, schoss er scharf unter dem Beifall des Publikums gegen die schnell organisierte Zusammenrottung von Rechtsradikalen und besorgten Wutbürgern und bezog Stellung gegenüber der hierdurch ausgelösten Hilflosigkeit der zahlenmäßig stark unterlegenen Polizei.

Auch wollte sich Jürgen Becker nicht ausmalen, was geschehen könnte, wenn die AfD bei den nächsten Landtagswahlen zweitstärkste politische Kraft in Sachsen werden würde. „Muss dann die Sachsen CDU mit den Linken koalieren und passt Angela Merkel überhaupt noch in die alte NVA-Uniform und sieht das dann noch sexy aus“, fragte Becker ins Publikum hinein.

Das Liebesleben der Götter

Nach diesem Ausflug in die Tagespolitik wurde es in der Scheune dann sexy. Mit dem gar nicht so prüden Liebesleben der Götter und der ungeheuer potenten Vermehrung der Blattläuse rein durch Jungfernzeugung, also ganz ohne Zutun der „Lausbuben“, eröffnete Jürgen Becker seinen Rundgang durch die Geschichte der Sexualität im Tier- wie im Menschenreich.

Bezüglich der Begehrlichkeiten im deutschen Männervolk wusste er von Statistiken zu berichten, nach denen 60 Prozent der Männer täglich an Sex denken, die restlichen 40 Prozent an Fußball. Auch erfuhr das Publikum, dass über ein Drittel des gesamten Datenverkehrs im Netz pornografischen Inhalts ist. „70 Prozent davon wird an Werktagen zwischen 9 und 17 Uhr heruntergeladen, wodurch der Begriff Gleitzeit eine völlig neue Bedeutung erhält.“

Derartiger Wortwitz, der erst durch das Kopfkino der Zuschauer seine Pointe erhält, ist eine der Stärken von Jürgen Becker. Anderes Beispiel: „Papa geht kicken. Wenn Sie hier einen anderen Buchstaben einfügen erhalten Sie? Papa geht, richtig, kurze Pause, kiffen, .“

Kölscher Zungenschlag

Neben den, öfters auch im Kölschen Zungenschlag munter drauflos geplauderten Details über die Besamungsmechanik bei Salamandern, dem Ärger mit der Sexualität aufgrund der Notwendigkeit einer balzenden Partnersuche, („Frauen wollen erst reden, verstanden und massiert werden, die Tiere tun es einfach so“), oder dem Ersetzen der Sexualität nach 30-jähriger Ehe durch Nordic Walking, enthielt der Beckersche Aufklärungsunterricht eingeblendetes Bildmaterial, unter anderem klassische Gemälde von fülligen Frauen und vögelnden Göttern, und darf somit als audio-visueller Vortrag mit pointierten Aufforderungen zur Aktivierung der eigenen Fantasie verstanden werden.

Sachfragen

Allerdings klärte Jürgen Becker auch so manche Sachfrage ganz sachlich auf. Die nach dem Phänomen, dass unverheiratete Frauen im Durchschnitt schlanker sind als verheiratete zum Beispiel. „Eine unverheiratete Frau kommt abends nach Hause, schaut nach, was sich noch im Kühlschrank befindet und geht danach ins Bett. Eine verheiratete Frau hingegen sieht nach, was sich im Bett befindet und geht anschließend an den Kühlschrank.“

Natürlich fehlte am Abend in der Scheune ein Blick auf die Größe des männlichen Anhangorganes nicht. Hier wusste Jürgen Becker zu berichten, dass nur zehn Prozent der Männer glauben, ihr Johannes sei zu klein. Der Rest geht davon aus, dass etwas mit dem Lineal nicht stimmt.

Aber die Größe des männlichen Fortpflanzungsorgans sei ja nicht so wichtig, repetierte Jürgen Becker zum Ende seiner Vorstellung kommend, die von den Frauen gnädig versuchte Beruhigung von männlichen Versagensgefühlen. „Glück ist, wenn man für andere wichtig ist“, erklärte Jürgen Becker und ließ ein paar Kästen Kölsch zur Bühne bringen.


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