Serie: Leben im Baudenkmal Beim Tierarzt in Engter steht der Fernseher im Kuhstall

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Bramsche. Traum und Lebensziel für die einen, teurer Horror für die anderen: Am Leben in einem denkmalgeschützten Haus scheiden sich die Geister. Was macht den Reiz alter Häuser aus? In der Serie „Leben im Denkmal“ wollen wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Heute besuchen wir Marion und Wilhelm Bergmann in Engter.

Draußen brennt die Sonne, aber auf der Diele ist es angenehm kühl. „Ja, hier kann man es aushalten“, sagt der Hausherr und freut sich über die gute Isolierung und die traditionelle Bauweise des Fachwerkhauses mit wenigen, relativ kleinen Fenstern. Dadurch gebe es allerdings auch recht wenig Tageslicht, räumt Marion Bergmann ein. Aber das Paar hat einen guten Kompromiss gefunden: Das alte Dielentor im Eingang ist geblieben, aber es steht sommers wie winters offen. Den Raum begrenzt eine Glaswand, die Ausblick verschafft und Licht hineinlässt. Hier kann man es wahrlich aushalten.

Elternhaus

Wilhelm Bergmann hält es hier sogar schon sein Leben lang aus. Denn während viele Liebhaber alter Fachwerkhäuser verzweifelt nach einem Schätzchen suchen, dass sie sich wieder herrichten können, ist Wilhelm Bergmann in seinem aufgewachsen. Im Giebel sind Hermann Hinrich Bergmann und Anna Maria in Sande als Bauherren verewigt. „Meine Altvorderen,“ erklärt der Tierarzt mit Familienstolz.

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Nicht verewigt ist die Jahreszahl. Wilhelm Bergmann geht davon aus, dass das Haus zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebaut worden ist. Früher lautete die Hausnummer „Engter 60“, als die Häuser im Ort einfach der Reihe nach durchgezählt wurden. Es habe sich nicht um ein Heuerhaus gehandelt, hat Wilhelm Bergmann herausgefunden. Seine Vorfahren waren aber schon in der Landwirtschaft zu Hause.

Geschichte

Von der Geschichte, die das Haus atmet, hat Wilhelm Bergmann einiges miterlebt. „Ich weiß noch, wie das hier eine echte Diele war. Da hinten in der Ecke standen fünf Kühe, dort neben der Tür war die Pumpe, mit der ich Wasser für die Tiere geschöpft habe,“ erzählt der 61-Jährige. Die Pumpe steht heute noch in der Ecke, allerdings nur zur Zierde. Wer alte Bauerndielen kennt, kann den alten Kuhstall noch erahnen in der kleinen Sitzecke an der Seite mit dem Schrank, in dem der Fernseher steht. „Wir gehen zum Fernsehen in den Kuhstall“, sagt Marion Bergmann und lacht.

Dorferneuerung

Das Paar ist froh, dass ihr Haus nicht schon in den 60er Jahren von Wilhelms Eltern saniert worden ist. „Damals wurde doch so einiges kaputtrenoviert“, meint Wilhelm Bergmann. Er entschied sich mit seiner Frau Mitte der 90er Jahre zum großen Umbau, als es Zuschüsse aus Mitteln der Dorferneuerung gab. 1998 wurde die Renovierung abgeschlossen. Bis dahin hatte das Ehepaar kräftig mit angepackt. 3000 alte Steine wurden von Hand gesäubert, ebenso alte Hohlziegel und anderes mehr. Beim Umbau wurde deutlich, dass offenbar schon beim Bau das Material alter Häuser recycelt worden ist. „Das stammte wohl aus einem Abbruch“, vermutet Wilhelm Bergmann. Heute sind diese Teile auf der Diele schön sichtbar.

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Mondholz

Was an Holz neu benötigt wurde für Türen oder Fenster, wurde aus Mondholz gefertigt. Das wird unter Berücksichtigung des forstwirtschaftlichen Mondkalenders gefällt und gilt als besonders widerstandsfähig. „Ich bin der Grüne bei uns in der Familie“, erklärt der leidenschaftliche Jäger und Jagdhornbläser augenzwinkernd. Es habe sich gelohnt, bis heute gebe es keinerlei Probleme. Auch nicht mit der Wandheizung, für die sich Bergmanns damals entschieden haben. „Da war ich erst skeptisch. Die war damals ganz neu auf dem Markt und kaum jemand hatte die,“ erzählt Marion Bergmann. Doch sie ließ sich überzeugen. „Ich wollte das freigelegte Fachwerk doch nicht mit Heizkörpern verdecken“, erläutert ihr Mann.

Nie bereut

Die Vorfahren von Wilhelm Bergmann haben das Haus an der Spitzburg erbaut.

Nicht nur diese Investition hat sich gelohnt. „Für das Geld hätte man sicher einen deutlich größeren Neubau haben können, aber wir wollten das so“, meint Wilhelm Bergmann. „Und wir haben es nicht bereut“, ergänzt seine Frau. „Wir wollten das immer so haben, auch wenn ich in der Bauphase zwischendurch mal gedacht habe, wir sollten einen Bagger kommen lassen und alles platt machen“. Darüber können die beiden heute nur lachen, wenn sie an ihrer zweiteiligen „Klöntür“ stehen und in den großen Garten hinaus sehen.


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