Fotos, Adresse, Geburtsdaten Wie der Datenschutz den Kita-Alltag in Bramsche verändert

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In Kitas muss seit Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung im Mai noch genauer auf den Datenschutz geachtet werden als vorher. Foto: dpaIn Kitas muss seit Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung im Mai noch genauer auf den Datenschutz geachtet werden als vorher. Foto: dpa

Bramsche. Verschwundene Namensschilder, entfernte Geburtsjahre: Datenschutz hat in Kitas schon länger einen hohen Stellenwert. Ganz besonders jedoch, seit Ende Mai 2018 die neue EU-Datenschutzverordnung in Kraft getreten ist. Wir haben in drei Bramscher Kitas nachgefragt, wie sich der Alltag seitdem verändert hat.

Fotos mit lachenden Kindern, versehen mit Namen und Geburtsdaten der jeweiligen Kinder: Früher war das auch im Eingangsbereich von Kindertagesstätten keine Seltenheit – zu sehen für jeden, der die Einrichtung betritt. Warum auch nicht? Die Kinder, die die Einrichtung besuchen, können doch auch die Wände schmücken. Doch spätestens mit Einführung der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung Ende Mai dieses Jahres ist das vorbei. Sensible Daten wie Namen, Geburtsdaten und Adressen, insbesondere in Zusammenhang mit Fotos, sollen besser geschützt werden. Manche Eltern begrüßen das, andere halten es für übertrieben. Für Kindertagesstätten bedeutet das, sich selbst zu hinterfragen und den eigenen Umgang mit Daten zu prüfen. Einige müssen nun neue Regeln aufstellen oder neue Einverständniserklärungen von Eltern unterschreiben lassen. Wir haben in drei Bramscher Kitas nachgefragt, was sich für sie verändert hat.

Gesonderte Einverständniserklärungen

Schon vor Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung sei die Kindertagesstätte in Ueffeln sehr vorsichtig mit den Daten der betreuten Kinder umgegangen, sagt Leiterin Irina Wilhelm. Doch nun werde noch einmal verstärkt auf den richtigen Umgang mit Fotos, Geburtsdaten und Adressen geachtet. 

Zu Beginn des neuen Kita-Jahres im August hat die Einrichtung ein Schreiben an die Eltern herausgegeben, dass sie weiterhin Fotos vom Kita-Alltag für die Erinnerungsordner der Kinder machen wollen. Dafür brauchen sie allerdings das Einverständnis aller Eltern, dass es vorkommen kann, dass das eigene Kind im Erinnerungsordner eines anderen Kindes abgebildet ist. "Die Einverständniserklärung ist notwendig, weil wir keine Gesichter schwärzen wollen, wie andere Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen das gemacht haben", sagt Wilhelm. Bislang seien aber alle Eltern damit einverstanden gewesen. "Manche finden den Aufwand auch übertrieben", so Wilhelm. Insgesamt habe sich der Kita-Alltag mit den neuen Datenschutzregeln nicht sehr stark verändert, die Erzieherinnen seien jedoch vorsichtiger geworden. "Es ist nicht unbedingt mehr Arbeit geworden, aber wir müssen mehr aufpassen und können nicht immer alles sofort umsetzen, wenn wir Ideen haben", sagt die Kita-Leiterin. Vor einigen Jahren hätten sie etwa einen Kita-Film gedreht, um den Eltern zu zeigen, was in ihrer Abwesenheit passiert. Schon damals hätten sich die Eltern mit einer Unterschrift verpflichten müssen, den Film nicht zu verbreiten und nur zu Hause anzusehen. Solche Projekte seien nun zu heikel. Ein neuer Kita-Film sei erst einmal nicht mehr geplant.

Nachnamen an der Garderobe verschwunden

Auch die AWO-Kita in der Bramscher Gartenstadt hat zum Beginn des Kita-Jahres einen Elternbrief zum Thema Datenschutz sowie eine Einverständniserklärung herausgegeben, wie Leiterin Martina Wübker im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt. "Der Bereich Fotos wird darin sehr sensibel abgefragt. So wissen wir genau, mit welchen Fotos die Eltern einverstanden sind und womit nicht", sagt die Erzieherin. Außerdem sei der Geburtstagskalender der Kinder dahingehend verändert worden, dass das jeweilige Geburtsjahr eines Kindes nicht mehr auftaucht. An der Garderobe sei zudem inzwischen die Nachnamen der Kinder verschwunden. Wie Irina Wilhelm findet auch Martina Wübker, dass die Arbeitsbelastung durch den neuen Datenschutz nicht unbedingt mehr geworden sei, sie müsse nur auf mehr Dinge achten. Demnächst soll die ganze Einrichtung einer internen Überprüfung unterzogen werden, um mögliche Datenschutzverstöße zu beseitigen.

"Normales Leben muss möglich sein"

"Wir haben erst einmal alle Bilder von unserer Homepage gelöscht und durch Fotos ersetzt, auf denen die Kinder nicht eindeutig zu identifizieren sind", sagt Sabine Stein, Leiterin der Kita in Hesepe. Für sie ist die Sache klar: "Alles, was im Foyer der Kita zu sehen ist, ist öffentlich und entsprechend sehr vorsichtig zu behandeln. Der Gruppenraum wiederum ist nicht öffentlich und deshalb müssen wir dort mit dem Datenschutz nicht ganz so streng sein." In den Gruppen müsse ein normales Leben möglich sein, betont Sabine Stein. Auch sie stellt fest, dass manche Eltern genervt sind, wenn sie gehäuft Einverständniserklärungen unterzeichnen müssen. Zwischenzeitlich hätte die Kita Hesepe auch den Messengerdienst Whatsapp genutzt, um Eltern gerade bei der Eingewöhnung auf dem Laufenden zu halten. "Das hat die Kommunikation sehr erleichtert", sagt die Kita-Leiterin. Inzwischen sei das jedoch wieder abgeschafft worden, weil es gegen den Datenschutz verstoße. "Die Eltern finden das sehr schade", so Sabine Stein, denn nun könnten sie den Eltern keine Fotos mehr schicken. Die Kommunikation zwischen Eltern und Kita beschränke sich während der Betreuungszeit nun auf Anrufe in Notfällen, etwa wenn die Kinder plötzlich krank sind und abgeholt werden müssen.


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