Selbstbestimmte Frauengemeinschaft 61 Beginen bei Bundestreffen im Kloster Malgarten

Von Sigrid Schüler-Juckenack

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Malgarten. Am vergangenen Wochenende fand im Kloster Malgarten das Bundesbeginentreffen statt. Einmal jährlich kommen Frauen, die als Beginen organisiert sind, aus ganz Deutschland zusammen. In Malgarten waren sie zum ersten Mal zu Gast.

Die Gemeinschaft der Beginen geht auf das Mittelalter zurück. Damals waren es Frauen, die gemeinsam lebten, wirtschafteten und sich selbst organisierten. Das Modell der selbstbestimmten Frauengemeinschaft ist auch heute noch aktuell, wie das Beginentreffen in Malgarten deutlich machte. Vertreterinnen verschiedener Beginengruppen aus ganz Deutschland stellten ihre Initiativen und Gemeinschaften vor.

Wohnprojekte

So gibt es Gebäudekomplexe mit Wohnungen, die von den Beginen als Mehrgenerationenhäuser geführt werden, oder aber Projekte, in denen Wohnraum zu Verfügung steht, der für alleinstehende Frauen mit Kindern geeignet und bezahlbar ist. Auch ein Projekt für betreutes Wohnen ist dabei. Immer finden sich dabei auch Räume, die für gemeinsame Aktivitäten genutzt werden, damit die Gemeinschaft auch wirklich eine Gemeinschaft sein kann.

Die Finanzierungsmodelle der Beginenprojekte sind verschieden. Zum Teil sind sie mit öffentlichen Mitteln gefördert, oder aber es wurde ein Investor gefunden, der den Wohnungsbau finanziert hat. Eine Gruppe aus Köln hat nach vielen Jahren der Planung eine Genossenschaft gegründet und vor fünf Jahren das Gebäude fertigstellen und beziehen können. Eine Förderung mit öffentlichen Mitteln sei schwer zu bekommen, aber allmählich entwickelten Kommunen Interesse an der Organisationsform, erklärte Delia von Pflug vom Dachverband der Beginen.

Interesse an Feminismus und Spiritualität

Warum wird man eine Begine? Waltraud von Pohlen, ebenfalls Vorstandsfrau im Dachverband, sagt dazu: „Uns vereint das Interesse an Feminismus und Spiritualität.“ Kathrin Pläcking, die neu in den Vorstand gewählt wurde, erklärt ihr Motiv für die Mitgliedschaft: „Es ist ein Gefühl von Gemeinschaft und Solidarität von Frauen. Das ist einfach da und muss nicht erst ausgesprochen werden.“

Die Arbeit und das Leben in einer Gemeinschaft hat aber auch politische Aspekte, macht Delia von Pflug deutlich. Sie betont, dass die Beginen eine Gemeinschaft sind, in der nicht geredet, sondern gehandelt wird. Die bislang realisierten Wohnprojekte in ganz Deutschland sprechen in dieser Hinsicht für sich.

61 Teilnehmerinnen

Von Freitag bis Sonntag nutzten die 61 Teilnehmerinnen die Gelegenheit, sich über ihre Projekte auszutauschen. Ein wichtiger Teil der Zusammenkunft war die jährliche Versammlung, die im Übrigen nicht eine Mitgliederversammlung, sondern eine Mitfrauenversammlung ist. Der Vorstand wurde gewählt und um zwei Frauen erweitert. Dazu gab es ein Programm, das als zentrales Thema Irland und das keltische Erbe hatte: Gemeinsame Morgentänze im Freien, Vorträge zur Bedeutung des keltischen Jahreskreisfestes und dem Begriff des Göttlich-Weiblichen sowie Workshops zum Thema Frauen-Kraft und Spiritualität. Zwei Referentinnen aus Irland waren dazu eingeladen.

Organisiert und inhaltlich ausgerichtet hatten das Treffen die beiden Malgartener Beginen Barbara Brosch und Claudia Lohmann. Das Fazit von Barbara Brosch: „Ich hatte nicht mit so einem starken Interesse gerechnet.“ Die Atmosphäre sei sehr wohlwollend und offen gewesen, und es habe sich gezeigt, dass die Frauen Lust darauf haben, sich in der Bewegung zu engagieren. Das werde aber nicht nur durch die hohe Teilnehmerzahl deutlich, sondern zeige sich auch dadurch, dass der Bundesvorstand der Beginen sich von drei auf fünf Frauen vergrößert habe.


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