Klärwerk und Symbiofilter besucht SPD-Abgeordnete erkunden Bramscher Pilotprojekte

Von Andreas Wenk

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Bramsche. Besucher aus dem Landtag haben am Dienstag das Klärwerk der Stadtwerke Bramsche besucht. Der Arbeitskreis Umwelt der SPD-Fraktion hatte sich angemeldet, um sich die neue Belüftungsanlage anzusehen. Das erste von zwei Belegungsbecken ist in diesem Sommer auf die neue Technik umgerüstet worden. Die verspricht eine erhebliche Energieersparnis.

Um die Bakterien, die das Abwasser reinigen sollen, mit Sauerstoff zu versorgen, wurde das Wasser bislang mit riesigen Schaufeln an der Oberfläche umgewälzt. Jetzt sorgen starke Gebläse dafür, die Luft vom Boden her in das Schmutzwasser einzuleiten. Der Wallenhorster Landtagsabgeordnete Guido Pott hatte davon gehört und deshalb seine Kollegen eingeladen, um sich ein Bild davon zu machen.

Trübe Brühe

Als Anlagenleiter Frank Möller das Gebläse einschaltet, steigen unzählig viele Luftblasen auf als ob die trübe Brühe kochen würde. Offensichtlich der Vergleich zum alten Becken nebenan. Dort erzeugen die konventionellen Schaufeln einen starken Strom. Das alte System kostet viel Energie, setzt dem Wasser aber weitaus weniger Luft zu und belüftet es nur an der Oberfläche.

Auch wenn Betriebsleiter Thomas Schulte einräumen musste, dass sich das Konzept nicht überall 1:1 umsetzen lasse, zeigten sich die Abgeordneten tief beeindruckt. Nach Umrüstung des zweiten Beckens im kommenden Jahr soll sich die Energieersparnis auf zusammen 60 Prozent summieren. Stadtwerke-Chef Jürgen Brüggemann hofft, damit zumindest die Verdopplung der Kosten für die Klärschlammverbrennung auffangen zu können. Insgesamt werde die Anlage in vier bis fünf Jahren ihre Investitionskosten für die Stadtwerke wieder eingespielt haben. Den kurzen Amortisationszeitraum verdankt Bramsche nicht zuletzt EU-Fördergeldern durch die N-Bank. Die machen rund die Hälfte der millionenschweren Investitionen aus.

Symbiofilter

Einen Vorgeschmack auf die nächste Station ihrer Reise bot der Symbiofilter auf dem Gelände des Klärwerks. Helgo Feige von der Firma Aqualight erläuterte das Funktionsprinzip. Schlechte Luft wird im Klärwerk über einem Becken abgesaugt und durch eine mehrstufige Dusche in einem Glaszylinder geleitet. Das verschmutze Wasser läuft anschließend kaskadenartig durch mehrere gläserne Wannen. Dort erledigen umgangssprachlich Entengrütze genannte Teichlinsen sowie Algen und Bakterien den Rest und produzieren phosphathaltige Biomasse.

Neue Wege

Das Unternehmen Aqualight ist eigentlich auf Aquarienzubehör spezialisiert. Deshalb dankte der Biologe Feige Bürgermeister Heiner Pahlmann und Stadtwerke-Chef Brügemann für ihre Bereitschaft, neue Wege zu gehen und das Prinzip auszutesten. Dass die gemeinsam mit der Universität Osnabrück entwickelte Idee nicht von der Hand zu weisen ist, zeigen der zweite Platz beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis sowie die Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium.

Mehr Mut

Als Feige den Abgeordneten auf dem firmeneigenen Werksgelände in Lappenstuhl eine containergroße Anlage mit Guppy-Fischen in den Reinigungsbecken zeigt, ist die Begeisterung groß. Doch, so Pott, die Abgeordneten seien ja nicht nur gekommen, um sich etwas anzusehen, sondern wollten auch wissen, wo der Schuh drückt. Feige wünschte sich daraufhin mehr Mut von der Politik, unkonventionelle Wege zu gehen. „Habt den Mut, ein wenig Geld in die Hand zu nehmen und solche Projekte an einem oder mehreren der unzähligen Kreisverkehre auszuprobieren um zu sehen, was das für die Luftqualität bedeutet“, gab er den Abgeordneten mit auf den Weg zu ihrer nächsten Station Richtung Wallenhorst. Versuche mit den Abgasen aus einem Dieselmotor hätten gezeigt, dass sich 60 Prozent der CO2-Belastung, 40 Prozent der Stickoxide und der gesamte Feinstaub aus der Luft herausfiltern lasse. Die Guppys hätten das im übrigen bestens überstanden.


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