Blaualgen als mögliche Ursache Vogel- und Fischsterben nun auch am Alfsee

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Alfhausen. Zahlreiche kranke und verendete Vögel und Fische sorgten jetzt für den bereits dritten Einsatz der Wildtierhilfe Osnabrück am Alfsee. Als Auslöser des Tiersterbens vermuten die Tierschützer eine Kombination aus Blaualgen, zu wenig Sauerstoff und Bakterien, die bei den Tieren zu Vergiftungen führen.

Nach der langandauernden Hitzeperiode sind viele Gewässer, insbesondere flache und stehende Seen, von Algenbefall und Wildtiersterben betroffen. Nach ihren Hilfsprojekten auf dem Sonnensee in Bissendorf, dem Aasee in Münster oder auch in den Bonner Rheinauen, waren Christian Adam vom Verein „tierretter.de“ aus Münster und Melissa Tomanek, Leiterin der Wildtierhilfe Osnabrück, deswegen nicht erstaunt, als sie von einer Anwohnerin des Alfsees benachrichtigt wurden. „Kaum am Ufer angekommen, fanden wir schon die ersten toten Enten, und ein starker Verwesungsgeruch schlug uns entgegen“ berichtet Melissa Tomanek. Am schlimmsten betroffen sei der Seeabschnitt an der Insel des großen Alfsees. Dort zogen die ehrenamtlichen Tierfreunde bis jetzt über 60 tote Vögel aus dem See, darunter auch seltene Arten wie den Gänsesäger. Doch nicht nur Wasservögel und Fische, sondern auch andere Tiere wie Nutria oder Ratten wurden dort durch trinken des Seewassers oder durch die Kadaver der bereits verendeten Vögel vergiftet.

Kranke Vögel entdeckt

Anwohner, die seit 46 Jahren im Gebiet leben, also noch bevor der Alfsee 1972 angelegt wurde, zeigen sich enttäuscht: „Wir beobachten das Wachstum von Algenteppichen immer wieder nach heißen Sommern seit ungefähr 1983. Als der See noch zum Segeln frei gegeben war, war die Situation nicht so schlimm, denn Boote bringen Bewegung und somit Sauerstoff in das Wasser“. Immer wieder würden sie beim Gassigehen mit ihren Hunden kranke Vögel entdecken, vor ein paar Tagen einen Schwan. „Eigentlich möchte man da ja helfen, aber dann riskiert man Ärger aufgrund des Betretungsverbots“, berichtet das Anwohner-Paar. Seit 2001 gilt der Alfsee mit seinen rund 94 verschiedenen Wasser- und Wattvogelarten als EU- Vogelschutzgebiet. Aus Rücksicht zu den Vögeln müssen Spaziergänger auf den vorgesehenen Wegen bleiben.

Veterinäramt informiert

Mit einem Schlauchboot bargen die Tierfreunde jetzt weitere Kadaver aus dem Wasser und retteten bisher sechs Vögel, die nun bei der Wildtierhilfe Osnabrück gepäppelt werden. „Falls Sie gesund werden, setzen wir die Vögel später wieder in die freie Wildbahn“, sagt Melissa Tomanek. Sie und ihre Mitstreiter sind empört darüber, dass der für den Alfsee zuständige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nichts gegen den Wasserqualitätsverfall und das Vogelsterben unternimmt. „Es müssten auch Warnschilder aufgestellt werden, denn das kranke Gewässer und die Tierkadaver können auch für Spaziergänger und deren Hunde gefährlich sein“, betont die Leiterin der Wildtierhilfe. Sie selbst und auch Christian Adam leiden nach den mehrmaligen Hilfseinsätzen an Magen-Darm-Problemen, sowie Hautausschlag. Sie informierten das Veterinäramt, dass einige tote Tiere zur wissenschaftlichen Untersuchung an das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nach Hannover eingeschickt hat.

Frischwasser einpumpen

Ergebnisse gibt es noch nicht, aber die Wildtierhelfer vermuten, aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen an anderen Gewässern, Blaualgen als „Übeltäter“. Hinzu käme „Botulismus“, eine durch ein Bakterium hervorgerufene Vergiftung der Tiere. „Die Bakterien entstehen durch Müll, Brot-Fütterung und zu wenig Sauerstoff im Wasser“, erklärt Melissa Tomanek. Tatsächlich könne man die Situation am Alfsee verbessern, indem man Frischwasser einpumpt und die toten Tiere entfernt, so wie es zum Beispiel am Sonnensee gemacht wurde. Allerdings sei der zeitliche und finanzielle Aufwand am deutlich größeren Alfsee höher.


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