Serie „Die Kunden und ich“ Tanzlehrer Michael Knaul: „Ich bringe jedem das Tanzen bei“

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Michael Knaul ist Tanzlehrer aus Leidenschaft. Seit mehr als 40 Jahren gibt er Tanzkurse in Bramsche. Die Schülertanzkurse finden in der Aula der IGS Bramsche statt. Foto: Eva VoßMichael Knaul ist Tanzlehrer aus Leidenschaft. Seit mehr als 40 Jahren gibt er Tanzkurse in Bramsche. Die Schülertanzkurse finden in der Aula der IGS Bramsche statt. Foto: Eva Voß

Bramsche. Bedienungen, Ärzte, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 18: Michael Knaul, Tanzlehrer.

Michael Knaul ist gemeinsam mit seiner Schwester Martina Knaul Inhaber der Tanzschule Knaul in Osnabrück und Tanzlehrer aus Leidenschaft. Seit mehr als 40 Jahren gibt er auch Tanzkurse in Bramsche. Im Interview verrät er einen Geheimtipp, wie es mit dem Tanzenlernen schneller klappt und warum Frauen eigentlich nicht tanzen können müssen.

Herr Knaul, seit wann sind Sie Tanzlehrer?

Ich habe 1972 Abitur gemacht. Danach habe ich zwei Jahre die Ausbildung zum Tanzlehrer gemacht und dann ging es los. Ich wollte früher auch mal Journalist oder Sozialpsychologe werden, aber mein Vater hat mich überredet, den Beruf des Tanzlehrers zumindest auszuprobieren. Das habe ich gemacht und es bis heute nicht bereut.

Was mögen Sie so an Ihrem Beruf?

Es ist einfach schön, den Menschen Freude zu vermitteln. Tanzen ist nämlich Freude. Außerdem hat man ein Erfolgserlebnis, wenn jemandem etwas beibringt und der kann es am Ende auch. Hinzukommt noch, dass ich das Glück habe, eigentlich immer mit freundlichen, gut gelaunten Menschen zu tun zu haben. Auch der Kontakt zu jungen Leuten ist schön, die bringen nochmal eine ganz andere Energie rein.

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Ihre Tanzschule ist eigentlich in Osnabrück. Wie kommt es, dass Sie auch Stunden in Bramsche anbieten?

Los ging es damit, dass der TUS Bramsche vor mehr als 40 Jahren bei uns angefragt hat, ob wir nicht Tanzkurse in Bramsche geben können. Daraufhin haben wir angefangen mit Kursen für Erwachsene in der Gaststätte Renzenbrink. Daraus entstanden ist dann auch die Tanzschule für die Schüler. Damit sind wir in der Gaststätte Schulte angefangen. Später haben wie die Kurse in die Aula der Realschule verlegt und da ist es ja auch heute noch.

Gibt es Menschen, die so wenig Talent haben, dass man ihnen das Tanzen einfach nicht beibringen kann?

Ich habe den Ehrgeiz, jedem das Tanzen beibringen zu können. Ich glaube auch, dass es jeder grundsätzlich lernen kann. Meistens sind es Ängste, die einen hindern, es zu lernen. Man muss aber Geduld haben. Viele glauben, sie würden über ein paar Wochen einen Tanzkurs machen und dann könnten sie es. Aber so geht das nicht. Ein oder zwei Jahre muss jemand schon investieren, wenn er es richtig lernen will.

Wer hat es schneller drauf, jüngere oder ältere Tanzschüler?

Da muss ich ehrlicherweise sagen, dass die Jüngeren es meist schneller lernen. Es gibt aber auch Jugendliche, die mal länger brauchen. Wer erst mit 50 oder 60 Jahren anfängt, muss meist ein bisschen mehr Geduld mitbringen. Wer die aber hat, kann es auf jeden Fall lernen.

Hat es einen Vorteil, auch in höherem Alter noch tanzen zu lernen?

Oh ja. Verschiedenen Studien haben gezeigt, dass Menschen, die tanzen, gesünder und fitter sind. Außerdem sind Tänzer weniger von Demenz betroffen. Die Kombination aus Körperbewegung, Gedächtnisaktivität und die Ausschüttung von Glückshormonen scheint eine positive Wirkung zu haben. Das gibt es nirgendwo anders. Davon von profitieren aber nicht nur ältere, sondern auch jüngere Menschen.

Haben Sie einen Geheimtipp für Ihre Tanzschüler, damit es ihnen leichter fällt, sich die Schritte zu merken?

Mein Geheimtipp ist, verstärkt auf den Körperschwerpunkt zu achten. Ich habe festgestellt, dass die meisten Tanzschüler glauben, es wäre am wichtigsten, die Füße richtig zu bewegen. Das stimmt aber nicht. Deshalb bringe ich meinen Schülern bei, den Körper zu bewegen. Das ist eine gute Methode.

Können Sie in der ersten oder zweiten Stunde schon sehen, ob ein Schüler Talent hat oder nicht?

Ja, das sehe ich sofort. Manchmal schon an den ersten Bewegungen. Ich mache etwas vor und bei manchen dauert es einfach, bis sie es nachmachen können. Dann weiß ich, der braucht ein bisschen. Das ist aber völlig in Ordnung. Insgesamt würde ich sagen, ist die Körperbeherrschung besser geworden als früher. Manchmal gibt es aber ein paar Ausreißer nach unten.

Früher gehörte es zum guten Ton zur Tanzschule zu gehen. Wie ist das heute? Ist Tanzschule bei Jugendlichen uncool geworden?

Wir stellen fest, dass die Tanzschule in ländlichen Regionen immer noch stark zum Erwachsenenwerden dazu gehört. Es gibt aber manchmal Klassen, die nicht mitmachen. Jugendliche orientieren sich ja sehr stark an Gleichaltrigen und wenn der Meinungsführer in der Klasse tanzen uncool findet, machen sie alle nicht mit. Meistens kommen diese dann später nochmal in die Tanzschule. Insgesamt stellen wir aber fest, dass die Nachfrage in den Schulen immer noch hoch ist. Am größten ist sie am Gymnasium. Wir merken aber auch, dass Schüler mit Migrationshintergrund die Tradition der Tanzschulen in Deutschland nicht so kennen. Die erreichen wir häufig nicht.

Gibt es Unterschiede zwischen den Tanzkursen in Bramsche und in Osnabrück? Sind das unterschiedliche Menschen?

Vor 30 oder 40 Jahren hätte ich das bestätigt. Aber heute gibt es da eigentlich keinen Unterschied mehr.

Gibt es Schüler, die bei Ihnen in der Tanzstunde ihre Leidenschaft fürs Tanzen entdecken?

Das gibt es bestimmt, aber ich merke auch, dass die Schüler heute viel mehr um die Ohren haben als früher. Sie haben oft schon ihre Hobbys wie Fußball, Basketball, Reiten und so weiter. Da haben sie oft gar keine Zeit mehr für ein weiteres Hobby. Die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre haben wir zum Beispiel sehr stark gemerkt. Die Grundkurse haben zwar fast alle noch gemacht, aber die weiterführenden Kurse haben dann viel weniger Schüler besucht, als es früher der Fall war.

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Gibt es Paare, die tanztechnisch einfach nicht zusammen passen?

Das würde ich so nicht sagen. Wenn ich aber als Mann nicht richtig führen kann, funktioniert es nicht. Ich darf nicht an der Partnerin herumreißen, sondern muss sie mit der Körperbewegung mitnehmen. Andersherum gibt es aber auch Frauen, die sich nicht führen lassen. Dann funktioniert es genauso wenig. Kann der Mann aber richtig führen, muss die Frau im Grunde gar nicht richtig tanzen können, sie muss sich nur führen lassen. Damit kann ich ihr alles beibringen.

Können Sie mit jeder Frau tanzen?

(lacht) Mit den meisten Frauen schon. Einmal hatte ich eine Tanzschülerin, die einen Kurs zusammen mit ihrem Mann gebucht hat. Beim Abschlussball hat sie mich gefragt, ob ich mir ihr tanzen könnte. Als es losging, hat sie aber derart herumgezappelt - da ging nichts mehr. Mit der Dame konnte ich gar nicht tanzen. Die war es von ihrem Mann nicht gewohnt, dass er führt und hat sich deshalb auch von mir nicht führen lassen.

Welcher Tanz ist aus Ihrer Sicht am leichtesten zu lernen?

Das ist schwer zu sagen. Eigentlich ist fast alles gleich schwierig oder einfach. Beim Jive oder Wiener Walzer die Herausforderung die höhere Geschwindigkeit. Das dauert dann etwas, bis man es kann. Langsamer Walzer ist in dieser Hinsicht ein bisschen einfacher. Auch der Disco-Fox oder Chachacha ist leicht zu erlernen. Wahrscheinlich sind das die etwas einfacheren Tänze.

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Wie lange wollen Sie noch weiter Tanzschüler unterrichten?

So lange wie ich kann. Ich liebe es, tanzen zu unterrichten. Ich würde es sogar umsonst machen, so sehr liebe ich es. Der Vorteil an dem Beruf ist, dass man tagsüber relativ viel Freizeit hat. Der Nachteil ist, dass man häufig abends unterwegs ist. Die Tanzschule wird irgendwann mein Neffe Julius Knaul weiterführen. Er macht gerade die Ausbildung zum Tanzlehrer.


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