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175-jähriges Jubiläum Große Feier nach kleiner Schrecksekunde bei der Bramscher Firma Sostmann

Von Heiner Beinke

<em>Fast 300 Jahre bei Sostmann</em> beschäftigt sind die langjährigen Mitarbeiter, die Jürgen (Mitte) und Christian Sostmann (rechts) im Rahmen der Jubiläumsfeier würdigten. Waltraud Buss (2. v. l.) hält den Rekord mit 55 Jahren. Foto: Heiner BeinkeFast 300 Jahre bei Sostmann beschäftigt sind die langjährigen Mitarbeiter, die Jürgen (Mitte) und Christian Sostmann (rechts) im Rahmen der Jubiläumsfeier würdigten. Waltraud Buss (2. v. l.) hält den Rekord mit 55 Jahren. Foto: Heiner Beinke

Bramsche. Der Feiertag für Familie Sostmann begann am Feiertag mit einer Schrecksekunde und der Erkenntnis, dass auch ein Fleischer nicht in jeder Situation Blut sehen kann. Doch darauf folgte eine Feierstunde mit vielen geladenen Gästen, die eines 175-jährigen Betriebsjubiläums würdig war.

Weil ihn ohnehin fast jeder der Gäste im Festzelt auf dem Betriebsgelände auf das kleine Pflaster auf der Stirn angesprochen hatte, erzählte Jürgen Sostmann freimütig die Geschichte dazu. Er sei am Morgen mit einem Stapel Papiere in der Hand gedankenverloren über den neuen Parkplatz und gegen eines der neuen Schilder gelaufen, die die Parkzeit begrenzen, berichtete der Seniorchef. Unglücklicherweise habe die Wunde stark geblutet. Als sein Sohn Christian ihn im Büro „blutüberströmt“ antraf, habe der „abgebaut“. Ein Arzt aus der Nachbarschaft habe schließlich die Wunde versorgt.

Die Firma Sostmann wäre keine 175 Jahre alt geworden, wenn solche Kleinigkeiten sie vom Kurs abgebracht hätten. Und so führte der Seniorchef souverän in freier Rede durch das Programm, zu dem Sohn Christian eine bebilderte Zeitreise durch die Firmenchronik beitrug. Schon da wurde deutlich, dass ungewöhnlich viele Mitarbeiter ungewöhlich lange bei Sostmann arbeiten. Denn er zeigte ein Bild aus dem Jahr 1968, auf dem mit Erika Schleef und Helmut Millich zwei Mitarbeiter zu sehen waren, die heute noch im Unternehmen sind.

Zum Ende des offiziellen Teils holte Jürgen Sostmann sechs Mitarbeiter auf die Bühne, die zusammen fast 300 Jahre im Betrieb sind. „Das ist gelebter Familienbetrieb“, kommentierte er diese enge Verbindung. Da war Eckhard Schleef noch nicht einmal mit dabei. Der hatte als Geselle der Fleischerei Rosin in Osnabrück dem „Stift Jürgen Sostmann“ die ersten Tricks und Kniffe beigebracht, bevor er dann später über Jahrzehnte in dessen Unternehmen arbeitete.

„Zu hervorragenden Firmen gehören ebensolche Mitarbeiter“, lobte der stellvertretende Landesinnungsmeister der Fleischerinnung, Herbert Dormann aus Bremen, der wie andere Vertreter des Handwerks gratulierte. Bei den Gratulanten reihte sich auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland , Marco Graf, ein. Sostmann sei zwar ein Handwerks-, aber auch ein Handelsbetrieb. Da die IHK über „Sitte und Anstand des ehrbaren Kaufmanns“ zu wachen habe, sei Sostmann auch für diese Kammer ein Vorzeigebetrieb.

Sostmann sei „eine typische Bramscher Marke und ein Imageträger“, sagte Bürgermeisterin Liesel Höltermann. Sie erinnerte an die Schinkenwurst, die weit über Bramsche hinaus „ein Renner“ sei. Ihre Tochter habe zur Studentenzeit in Göttingen gerne die ganze Wohngemeinschaft damit vorsorgt. „Kind, weißt du nicht, wie teuer die ist“, habe sie da gesagt, meinte die Bürgermeisterin augenzwinkernd. „Klasse statt Masse“ sei stets der Weg des Unternehmens gewesen.

Als Kollege vom Fach gratulierte der stellvertretende Landrat Werner Lager, der selbst Fleischermeister ist. „Auch meine Kinder haben zuerst Sostmann-Wurst kennengelernt“, betonte er.