Serie: Leben im Baudenkmal Bramscher Museumsgebäude wichtigstes Ausstellungsstück

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Bramsche. Traum und Lebensziel für die einen, teurer Horror für die anderen: Am Leben in einem denkmalgeschützten Haus scheiden sich die Geister. Was macht den Reiz alter Häuser aus? In der Serie „Leben im Denkmal“ wollen wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Heute besuchen wir das Tuchmacher-Museum.

Das Gebäude an sich ist schon das wichtigste Ausstellungsstück. Dieser Gedanke stand ganz am Anfang aller Überlegungen, die Geschichte der Bramscher Tuchmacher in einem Museum zu erzählen. Die Geschichte der Bramscher Tuchmachergilde, später Innung, beginnt im Jahr 1586 am Mühlenort, wo die Wasserkraft der Hase für die Walkmühle genutzt werden konnte. Ringsum standen die Häuser der Tuchmacher, die die gemeinsamen Produktionseinrichtungen nutzten, die im Laufe der Jahre entstanden.

Betrieb 1972 eingestellt

Im Jahr 1849 erwirbt die Tuchmachergilde den Mühlenkomplex und errichtet 20 Jahre später ein weiteres, dreigeschossiges Fabrikgebäude. Dies ermöglichte den Betrieb von industriellen Textilmaschinen, mit denen schneller und effektiver produziert werden konnte. Die zwischen 1756 und 1920 auf den Fundamenten älterer Vorgängerbauten errichteten Gebäude wurden bis zur Aufgabe des Betriebes 1972 als Produktionsstätte genutzt.

Danach drohte den Gebäuden der stolzen Innung der langsame Verfall, was Bramscher Heimatfreunde auf den Plan rief. Unter Führung von Konrad Hartong gründeten sie zunächst den Verein Industriemuseum Tuchmacherinnung und starteten mühselige Überzeugungsarbeit in der Kommunalpolitik. Im Jahr 1985 fasste der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss zur Einrichtung eines Museums, drei Jahre später verband die Beschäftigungsinitiative Tuchmacherinnung (BiTu) sozialpolitisches Engagement mit dem Aufbau des Museums durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Zum 900-jährigen Bestehen der Stadt im Jahr 1997 wurde das Museum eingeweiht.

Reges Leben

Seitdem herrscht wieder reges Leben in den ehrwürdigen Mauern, nicht nur durch die Besucher. Auch das Personal lebt und arbeitet in dem Denkmal, allen voran die beiden hauptamtlichen Museumstechniker Volker Leismann und Antonio Torres. Beide landeten eher zufällig im Museum: Leismann war bei Dallmann tätig und kam über seinen Bekannten Karl-Heinz Krams mit der Aufgabe in Berührung. Als der krankheitsbedingt die Arbeit im Museum ruhen lassen musste, sprang Leismann zunächst ehrenamtlich mit ein. Seine Ausbildung zum Maschinenmechaniker kam ihm dabei zu gute.

Typischer Geruch

20 Jahre Berufserfahrung in der Weberei hat Antonio Torres, der vorher in der Tapetenfabrik Rasch gearbeitet hatte. Bei einer Museumsführung fiel er nach eigenen Angaben durch „ein paar dumme Fragen“ auf und wurde gezielt angesprochen, ob er sich die Aufgabe eines Museumstechnikers nicht vorstellen könne. Torres konnte, nicht zuletzt weil ihn vieles an seine Jahre in einer Weberei erinnerte: „Dieser Geruch war genau wie früher“, eine unverwechselbare Mischung aus Metall, Öl und Tuch. An seiner jetzigen Aufgabe reizt ihm vor allem, dass sie noch den kompletten Prozess von der Wolle bis zum fertigen Tuch umfasst. „Heute ist jeder nur für einen kleinen Teil des Prozesses zuständig, und es spielt eine Menge Elektronik eine Rolle“.

Im Museum geht alles mechanisch, wie früher. Die Techniker mühen sich mit Krempelsatz und Selfaktor, um möglichst gleichmäßiges Garn herzustellen. Ihre Hauptaufgabe sehen sie allerdings darin, ihre Kenntnisse an die Besucher weiterzugeben. Da sei er „Akkorderzähler“, verrät Leismann, während Torres betont, es sei ihr Ziel, möglichst jeden Besucher „an die Hand zu nehmen“. Wenn in den alten Fabrikhallen der Jaquardwebstul rattert, fühlten sich viele Besucher in alte Zeiten zurückversetzt, weil Maschinen und Gebäude eine perfekte Einheit bilden.

Besondere Atmosphäre

Das erlebt auch Ilka Thörner als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums jeden Tag so. Die verschiedenen Gebäudeteile aus den unterschiedlichsten Epochen bildeten zusammen eine Einheit mit einer ganz besonderen Atmosphäre, sagt sie. Da fallen auch Dinge, die den Museumsalltag eigentlich erschweren, gar nicht ins Gewicht: „Wir haben keine glatten Wände, keinen rechten Winkel und einen unebenen Boden, aber das empfindet man überhaupt nicht als Beeinträchtigung.“ Das Gebäude ist immer noch das schönste Ausstellungsstück.


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