Eine absolute Rarität Malgartener baut Kontrabässe aus Kalkrieser Holz

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Der erste Bass (links) aus dem Kalkrieser Walnussholz ist schon fertig, der zweite noch in Arbeit. Instrumentenbauer Heiner Windelband zeigt sie zum Vergleich. Fotos: Hildegard Wekenborg-PlackeDer erste Bass (links) aus dem Kalkrieser Walnussholz ist schon fertig, der zweite noch in Arbeit. Instrumentenbauer Heiner Windelband zeigt sie zum Vergleich. Fotos: Hildegard Wekenborg-Placke

Malgarten. Aus dem Holz eines 2012 gefällten riesigen Walnussbaums, der früher in Kalkriese stand, fertigt der Malgartener Kontrabassbauer Heiner Windelband zurzeit eine absolute „limited edition“ – vier Bässe, die ersten ihrer Art aus einem Baum der Region. Der erste ist gerade fertiggestellt, der zweite in Arbeit.

Seit einigen Jahren hat der Klangkünstler und Instrumentenbauer seine Werkstatt auf dem Gelände des ehemaligen Benediktinerinnenklosters Malgarten. Fertige Instrumente, Fragmente, antike, neue, manche beschädigt, manche nur noch als Korpus vorhanden, füllen den ehemaligen Stall. Schleifgeräusche dringen aus einem Nebenraum, wo Windelbands Mitarbeiter an einem weiteren Stück arbeitet. Windelband selbst ist Musiker und Handwerker, ein bisschen Physiker, ein bisschen Akustiker, wenn er kenntnisreich erklärt, welche Einflussfaktoren aus einem Stück Holz ein wohltönendes Instrument machen. Nicht zwei sind gleich, sie unterscheiden sich in Klangfarbe, Ansprechbarkeit für den Strich des Bogens oder das gezupfte Pizzikato. Es liegt an der Bauweise, dem Holz, an Ansatz und Ausrichtung von Griffbrett, Steg, Seitenhalter… Windelband kann stundenlang erzählen über historische und moderne, verloren geglaubte und wieder entdeckte Instrumentenbaukunst.

Klare Maserung

Die Bässe aus dem Kalkrieser Holz sind eine Rarität und werden es wohl auch bleiben. Weltweit sind nur etwa zwölf Bässe aus dem Holz mit der klaren Maserung bekannt. Und es sind nicht die schlechtesten, versichert Windelband, der für Auftritte ebenso wie für Wettbewerbe und Messen international unterwegs ist.

Der „Kalkrieser Bass“ hat seine erste Bewährungsprobe bereits bestanden. Beim Internationalen Sperger-Wettbewerb in Ludwigslust, der regelmäßig in Erinnerung an Johann Matthias Sperger , einen bekannten Kontrabassisten und Komponisten des 18. Jahrhunderts, habe das Instrument große Anerkennung gefunden, freut sich Windelband, der das Instrument in der ehemaligen Residenzstadt vorstellte. Für seine Bässe hat der „Sünnenblink“-Chef eigens ein Balkensystem ertüftelt, dass die Schwingungen im Inneren des Instruments besser aufnimmt und gleichzeitig für seine Stabilität sorgt. Trotz guter Qualität müsse ein relativ neuer Bass noch reifen, erklärt er. Durch das Spiel, sogar durch die Musik anderer Instrumente verändert sich der mannshohe Bass immer weiter. Tonschwingungen übertragen sich von einem Instrument auf das andere, sagt Windelband und demonstriert das gleich mit einem kleinen Solo auf einem anderen Bass. Die Hand auf dem neuen Instrument fühlt deutliche Vibration. Holz arbeitet und reift, sagt der Bassbauer und fügt hinzu: „Schön, dass es diese paar Prozent Magie gibt“.

Der Zufall half

Dass Windelband an das seltene und offenbar doch sehr geeignete Holz aus Kalkriese kam, verdankt er einem bloßen Zufall. „Mein damaliger Vermieter musste den Baum fällen und bot mir ein Stück Stamm an. Ich habe sofort zugeschlagen“. Noch vor Ort wurde das Holz gespalten. Dann durchlief es mehrere Trockenphasen, bis es nach gut fünf Jahren endlich reif für die Endbearbeitung war. Aus dem Kalkrieser Stamm entstehen Korpus und Zarge des Instruments. Die Decke mit Steg, Seitenhalter und F-Löchern besteht wie bei allen Bässen aus Fichtenholz, das Windelband aus Rumänien bezieht. Es hat mit den optimalen Schallleitungseigenschaften dieses Holzes zu tun, erklärt er.

Bei den „Kalkrieser Bässen“ lässt eine durchsichtige, farblose Lackierung die Maserung besonders zur Geltung kommen. Die Rückseite der Schnecke wurde mit Russ abgerieben, abgewischt und erst dann weiter bearbeitet. Jetzt scheint aus dem Holz ein Eulenkopf den Betrachter anzublicken. Die feinen Einlegestreifen, die die Silhouette des Instruments nachbilden, haben dagegen nicht nur optische Gründe, sondern auch eine Wirkung auf den Weg der Schallwellen.

Der Kontrabass findet seinen Einsatz als rhythmusgebender Basso Continuo in der Klassik. Hier wird er gestrichen. Auch Jazzer lieben den Bass, hier allerdings eher gezupft. Dann weist Windelband noch auf eine Besonderheit des Instruments mit dem sonoren, tiefen Klang hin. „Der Musiker kann sich selbst eigentlich nie hören“. Durch die langen Wellen der tiefen Töne entsteht der Klang erst in einigem Abstand. Und das ganz gleich, wo der Bass gebaut wurde und woher sein Holz stammt.


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