Kalkriese: Scanner und Chip wichtig Digitalisierung prägt auch die Taubenzucht

Von Holger Schulze

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Kalkriese. Dass selbst die Taubenzucht heutzutage durch die Digitalisierung geprägt ist, wurde jetzt im Domizil der Reisevereinigung Wittekind neben der Varus-Deele in Kalkriese deutlich. 34 Züchter brachten ihre Jungtauben vorbei, um sie für deren ersten Wettflug zu verladen - und mit einem Scanner zu erfassen.

Rund 1000 Jungvögel beiderlei Geschlechts der in diesem Jahr geschlüpften Brut wurden in Kalkriese in 48 Boxen, jeweils gefüllt mit 22 Tauben, untergebracht. Weitere 500 Jungtauben folgten später in Vörden. Das rund 100 Kilometer entfernte Haren war das Ziel der gegen vier Uhr am Samstagmorgen begonnenen Reise per Lkw.

Aus Neuenkirchen-Vörden, Bramsche, Engter, Rulle, Bad Essen oder Bohmte kommen die der Reisevereinigung angehörenden Züchter. Zwischen 20 und 80 Tiere brachte ein jeder von ihnen mit. „Einmal waren es auch 150 Tauben von nur einem Züchter“ wusste Wilhelm Maßmann, der Vorsitzende der Reisevereinigung, zu berichten. Doch auch für solche Zuchterfolge sind die Taubenfreunde gerüstet. Ein Anhänger für den vereinseigenen Lkw ist bereits anschafft.

Chip am Fuß

Wer nun denkt, so ein Wettflug besteht aus dem Verladen der Tauben, zum Ziel fahren, die Boxen öffnen und auf die Ankunft der Vögel im heimischen Garten warten liegt nur teilweise richtig. Inzwischen hat die Digitalisierung bei diesem eigentlich naturnahen Hobby Einzug gehalten. Jeder Jung- oder Altvogel, der an Wettbewerben teilnimmt, wird zuerst über einen in Fachkreisen „Antenne“ genannten Scanner gezogen. Ein Ring mit Chip am Fuß der Tiere registriert hierdurch jeden Teilnehmer für den aktuellen Wettflug. Fünf Flüge für Jungtauben und 13 für Altvögel sind es, die die Reisevereinigung Wittekind zwischen Ende Juli und Mitte September veranstaltet. Hinzu kommen noch mehrere Trainingsflüge. Bei den Jungtauben waren es in diesem Sommer drei. Einer über 30, die beiden anderen über jeweils 60 Kilometer.

Keine der Tauben darf außerdem einfach so den heimischen Schlag verlassen und viele Kilometer in der Gegend herumfliegen. Vorgeschrieben sind Impfungen und der Nachweis der Parasitenfreiheit mittels einer Kotprobe aus dem Schlag. Doch nicht nur die Tauben müssen gewisse Voraussetzungen für einen Wettflug erfüllen. Auch für die an der Durchführung dieser Wettbewerbe beteiligten Menschen gibt es Auflagen und Erfordernisse. Zu den Auflagen, die die Veranstalter beachten müssen, gehört ein Flugverbot bei Außentemperaturen über 30 Grad. Die Transportfahrzeuge für die Tauben müssen eine Belüftungsmöglichkeit der Boxen sowie ein jederzeitiges Wasserangebot für die Vögel gewährleisten. Futter hingegen ist nicht nötig, da die Tiere schon allein wegen der Verbringung in eine fremde Umgebung die Nahrungsaufnahme verweigern und auch so mal mehrere Tage ohne feste Nahrung auskommen, wie Wilhelm Maßmann deutlich macht.

Auflassleiterin mit Ausbildung

Eine Schlüsselrolle bei den Wettflügen der Reisevereinigung hat Sabine Stagge inne. Sie steht nicht nur beim Einsetzen am Grill und fördert damit die Geselligkeit unter den Taubenzüchtern. Hauptsächlich ist sie als Auflassleiterin für den Start der Tauben zuständig. Eine extra Ausbildung muss für diese Aufgaben absolviert werden. Zu diesem Amt gehört es dann, sich beim vom Verband Deutscher Taubenzüchter speziell vorgehaltenen Wetterdienst sowie bei Flughäfen über die aktuelle Wetterlage am Auflassort auf dem Laufenden zu halten. Und schließlich im ständigen Kontakt mit dem Fahrer des Transportfahrzeuges den günstigsten Zeitpunkt für den Start zu kommunizieren und diesen schlussendlich freizugeben. Hierbei kommt dann ein weiteres Mal die Digitalisierung ins Spiel, denn Stagge kann all dies von zuhause aus erledigen.

Neben großer Hitze sind Regen und Nebel die Feinde der Taubenheimflüge. Auch freut sich unterwegs ab und zu ein Raubvogel, wenn ein Schwarm von 1500 potenziellen Beutetieren an ihm vorbei fliegt. So erreichen nicht immer alle Starter wieder den heimischen Schlag. Sechzig, bei günstigen Winden bis zu 100 Stundenkilometer schnell sind die „Rennpferde des kleinen Mannes“ in der Luft. Zuhause angekommen, geht es erneut über die „Antenne“, um die Zeiterfassung in Gang zu setzen, mit der die Sieger und Platzierten ermittelt werden. Und dabei ist dann der Züchter auf das Wohlverhalten seiner Tauben angewiesen. Denn was nützt der schnellste Flieger, wenn er am Ziel nicht vom Dach herunter kommen mag.

Über eine gut gefüllte Rinne erhalten die Tauben im Transportfahrzeug jederzeit das vorgeschriebene Frischwasser.

Früher wurde bei den Wettflügen noch um Geld gewettet, erinnert sich Wilhelm Maßmann. Doch heute geht es nur noch um den Erfolg, die Ehre und die Pokale zum Abschluss der Saison.


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