Hilfe im warmen Wasser Mit der Rheumaliga in Bramsche Kampf gegen die Schmerzen

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Das Leitungsteam der Bramscher Arbeitsgruppe der Deutschen Rheumaliga: (von links) Anneliese Hatke, Herbert und Brunhilde Böckmann. Es fehlt Kassenwartin Gisela Berlekamp. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeDas Leitungsteam der Bramscher Arbeitsgruppe der Deutschen Rheumaliga: (von links) Anneliese Hatke, Herbert und Brunhilde Böckmann. Es fehlt Kassenwartin Gisela Berlekamp. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Hesepe. Rheuma ist ein Sammelbegriff für viele Erkrankungen des Muskel-, Gelenk- und Skelettsystem und meist mit starken Schmerzen verbunden. Ebenso vielfältig sind die Probleme der Frauen und Männer, die sich in der Bramscher AG der Deutschen Rheumaliga zusammengefunden haben, um gemeinsam etwas gegen ihre Schmerzen zu tun.

1970 gründete sich die Deutsche Rheumaliga, die sich Hilfe und Selbsthilfe für die Betroffenen, Aufklärung der Öffentlichkeit und Vertretung der Interessen Rheumakranker auf die Fahnen geschrieben hat. Seit 1985 gibt es auch in Bramsche eine Arbeitsgruppe. Probleme mit dem Bewegungsapparat sind weit verbreitet. Schon vor 1985 bestand eine Gruppe im Altkreis Bersenbrück, aber die Nachfrage war extrem groß. Die Bramscher machten sich selbstständig, Brunhilde Böckmann wurde zur Vorsitzenden gewählt und blieb es bis heute. Über ihre Mutter war sie damals zur Rheumaliga gekommen. Schon seit früher Jugend plagten sie schwere Wirbelsäulenprobleme. Einmal verbrachte sie Monate in einem Gipsbrett, etwas, was man heute nie mehr machen würde, meint sie. Bewegung ist unverzichtbar, um die Gelenke beweglich zu halten. Immer wieder plagen sie seither wandernde Schmerzen in den Gelenken, mal im Knie, mal in der Schulter, mal an der Wirbelsäule. Mit ihrem Mann zog sie mehrfach um, konsultierte immer neue Ärzte. Laboruntersuchungen blieben ohne Ergebnis. Irgendwann sagte eine Ärztin: „Sie haben kein Rheuma“. Die Schmerzen blieben. Brunhilde Böckmann fühlte sich mit ihren Problemen allein gelassen. Fortan versuchte sie sich, wenn irgend möglich, selbst zu helfen, unter anderem mit der Wassergymnastik bei der Rheumaliga

Nicht nur für alte Menschen

Anneliese Hatke, die ebenfalls dem Leitungsteam der Bramscher AG angehört, nickt bestätigend. Anders als Brunhilde Böckmann leidet sie an schwerem entzündlichem Rheuma, das in ihrem 42. Lebensjahr plötzlich auftrat. Anders als sich der Laie Rheuma vorstellt, machte sich das Leiden bei ihr mit hochgradig entzündeter Haut und schwerem Krankheitsgefühl bemerkbar. Der Hautarzt, den sie konsultierte, schickte sie umgehend zum Internisten, der einen akuten Rheumaschub feststellte. Seitdem hatte sie mehrfach Schübe, verbrachte immer wieder Wochen in verschiedenen Kliniken. Man schlug ihr vor, mit der Rheuma-Liga Kontakt aufzunehmen. Zunächst habe sie gedacht: „Rheuma. Das haben doch nur alte Leute“. Aber sie wurde „sehr gut aufgenommen“ und erfuhr, dass die Krankheit längst nicht nur Senioren betrifft. „Die regelmäßige Bewegung im Wasser tut mir gut“. sagt sie.

Brunhildes Mann Herbert gehört dem Leitungsteam ebenfalls an. Er macht die Buchführung und gehört ebenfalls zu den Betroffenen. Die Fingergelenke sind knotig, aber „es tut nicht weh“. Glück gehabt, freut er sich.

Drei Betroffene, drei Krankheitsbilder - und es gibt noch unendlich viele mehr. „Zum rheumatischen Formenkreis gehören fast 400 Krankheitsbilder“, berichtet Böckmann. Das chronisch entzündliche Rheuma ist eine Autoimmunerkrankung, das heißt, Körpereigene Abwehrzellen greifen die Gelenkschleimhaut an. Diese schwillt an und setzt Stoffe frei, die wiederum den Knorpel schädigen. Die Gelenke schmerzen, schwellen an, werden steif.

Auch Anneliese Hatke hat einen Ärztemarathon hinter sich, als sie Monate nach der Diagnose beschließt, einen eigenen Weg zu finden. Sie absolviert eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin und beschließt, ihre Ernährung umzustellen. Viel Gemüse, viel Obst, Getreide, Milchprodukte, gute Öle wie das Leinöl, wenig Fleisch, wenig Kohlehydrate. Gern würde sie ihre Kenntnisse in Kursen weitergeben, aber Versuche erwiesen sich als wenig planbar und extrem zeitintensiv.

21 Gruppen im Therapiebad

So bleibt es in Bramsche bei der Gymnastik im warmen Wasser. Das Wasser lockert die Muskulatur und trägt einen Teil des Körpergewichtes. Nur während akuter Schübe ist Wärme nicht angebracht, dann helfen eher Kälteanwendungen. In Bramsche gibt es mittlerweile 21 Gruppen, die sich im Therapiebad des Bramscher Krankenhauses wöchentlich jeweils für 40 Minuten treffen - montags und dienstags sechs Gruppen, mittwochs vier und freitags fünf. Böckmann und Hatke haben sich selbst zu Übungsleiterinnen ausbilden lassen und betreuen selbst einige Gruppen. Kommen Kranke mit einer Verordnung für Funktionstraining nehmen sie an von ausgebildeten Physiotherapeuten betreuten Trainingseinheiten teil. Diese Fachkräfte zu finden, gestalte sich zunehmend schwierig, berichtet die Vorsitzende. Zusätzliche Gruppenstunden gibt es bei der Rheumaliga inzwischen nicht mehr. „Diagnosen oder Probleme besprechen wir bei der Gymnmastik“, sagt Böckmann. Den Mitgliedern reicht das. „Es geht einem besser, wenn man die Krankheit annimmt“, fasst Hatke zusammen.


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