Festakt im Festzelt Bramscher Firma Tschörtner feiert 150. Geburtstag mit vielen Gästen

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Bramsche. Die Bramscher Firma Tschörtner Grabmale feiert ihren 150. Geburtstag so groß, wie es sich bei so einem besonderen Jubiläum gehört. Beim offiziellen Festakt am Samstagvormittag wurde der besondere Charakter eines erfolgreichen Familienbetriebes deutlich, bei dem inzwischen schon die siebte Generation mitmischt.

Die Begrüßung der vielen geladenen Gäste im Festzelt auf der dafür gesperrten Alten Engter Straße oblag den aktuellen Geschäftsführern Marcus und Frank Tschörtner. Mit Paul Tschörtner feierte nicht nur die siebte Generation mit, sondern mit Günter und Horst auch die fünfte. Diese Kontinuität und nun schon 150 Jahre währende Verpflichtung für ein gemeinsames Erbe hob Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann in seinem Grußwort als eine Besonderheit hervor. Häufig sei es in Familienbetrieben nämlich so, dass die erste Generation etwas aufbaut, das die zweite dann weiterführt. „Und die dritte studiert dann Kunstgeschichte“.

Humor gehört zur DNA

Der kleine Scherz gab durchaus den Ton für die Feierstunde vor, schließlich gehört Humor zur DNA der Familie Tschörtner. Von daher würde es prima ins Bild passen, wenn im Jahre 1868 Ernst Gottfried Tschörtner im schlesischen Raspenau ein Berggrundstück samt Steinbruch tatsächlich bei einem Kartenspiel in der eigenen Gastwirtschaft gewonnen hätte, wie erzählt wird. Das ist allerdings nicht belegt, anders als der Kauf des Grundstücks, mit dem die Firmengeschichte begann.

Die vierte Generation habe dann „den Weg nach Bramsche gefunden“, freute sich Pahlmann. Er zollte Respekt dafür, dass die nachfolgenden Generationen stets das Erbe des Firmengründers im Blick behielten.

Das schönste Handwerk

„Überwältigt“ von dem besonderen Jubiläum zeigte sich Thomas Lindner als Landesinnungsmeister des Bildhauer- und Steinmetzhandwerkes. Nicht von ungefähr verglich er die Firmengeschichte mit der Entwicklung des Telefons, schließlich wurde im Jahr 1868 in Deutschland der erste Sprechapparat entwickelt. So wie das Telefon immer weiter bis zu den heutigen Smartphones entwickelt wurde, habe die Firma Tschörtner auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit reagiert. Die flächenmäßige Auswirkung über Filialen bis hoch nach Papenburg sei eine Reaktion auf die veränderte Bestattungskultur. Das Steinmetzhandwerk, für Lindner „das schönste überhaupt“, bleibe aber nach wie vor die Grundlage.

Hentschel wünscht „Hals- und Steinbruch“

Ungewöhnlich war das Jubiläum auch für den evangelischen Superintendenten Hans Hentschel. Als Pastor sei er 80. oder auch 100. Geburtstage gewöhnt, einen 150. aber „habe ich noch nicht gefeiert“. Die Schwere des Steins, der bearbeitet wird, entspreche der Schwere des Anlasses, für den er gemacht werde. Dieser Stein schaffe „am Ort einer endgültigen Trennung immer wieder einen Ort der Begegnung“. Dem Betrieb wünschte er „Hals und Steinbruch“.

Urkunde übergeben

„Fair, familiär, freundschaftlich“,so sei der Umgang in einem Familien-Handwerksbetrieb wie dem der Tschörtners, meinte Reiner Möhle, erst im Juni gewählter Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland. Er vollzog den offiziellen Höhepunkt des Festaktes mit der Übergabe des Goldenen Meisterbriefes an Günter Tschörtner und der offiziellen Urkunde zum 150-jährigen Bestehen. Möhle freute sich, dass sich das Image des Handwerks in den letzten Jahren wieder bessert und vor allem, dass die deutsche Ausbildung durch einen Meister wieder mehr Anerkennung erfahre.

Festvortrag

In einem launigen Festvortrag befasste sich schließlich Volker Neumann als Freund der Familien Tschörtner unter anderem mit dem Wandel der Bestattungskultur und dem Start in Bramsche „mit einer Holzbude und ein aar Steinen“. Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete erinnerte daran, dass die vielen Flüchtlinge aus Schlesien damals nicht überall willkommen waren, so wie es den heutigen auch ergeht. „Humanität ist immer eine Frage der Zahl“, meinte Neumann. , Er leitete mit einem Wort von Erich Maria Remarque, wonach der Steinmetz verloren ist, er sich nicht seinen Humor bewahrt, zum Familienmotto weiter, das Horst Tschörtner geprägt hat: „Gestorben wird immer, man muss nur warten können.“ Die Tschörtners können nicht nur das seit 150 Jahren.


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