Eiche bis zu 400 Jahre alt Bramsches wohl ältester Baum muss gefällt werden

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Bramsche. Der wahrscheinlich älteste Baum in Bramsche muss gefällt werden. Die Eiche ist zum größten Teil abgestorben.

Mächtig steht er da, der Baum: Fünf Meter Stammumfang, knapp 20 Meter hoch. Hunderte Menschen werden ihn vermutlich täglich sehen – aber womöglich kaum wahrnehmen. Denn er steht am Rande der Wallenhorster Straße (Landesstraße 78) zwischen Engter und Wallenhorst.

„Diese Eiche war früher sicherlich noch höher als heute. Bestimmt 25 Meter. Im Laufe der Zeit muss aber immer mal die Krone gestutzt werden“, sagt Marc Wilde. Er ist ein von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Baumpflege, Verkehrssicherheit von Bäumen und Gehölzwertermittlung.

Baum nicht zu retten

Wilde hat die Eiche an der Wallenhorster Straße untersucht. Sein Urteil ist eindeutig: „Der Baum ist nicht zu retten.“ Vor vier Jahren schon, so erinnert er sich, sei überlegt worden, ihn zu fällen. „Damals war bereits eine Hälfte abgestorben“, sagt Wilde. Sichtbar ist das auch heute noch: Wer auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus den riesigen Baum betrachtet, sieht auf der linken Seite in der Krone keinerlei Blätter mehr, die Eiche ist dort kahl.

Rechts allerdings sieht der Baum noch durchaus vital aus. Doch das täuscht, macht Wilde klar: „Bastschicht und Borke des Stammes sind nahezu komplett abgestorben.“ Der Bast ist die Schicht, die in Wasser gelöste Nährstoffe transportiert. Ist sie zerstört, wird der Baum nicht mehr versorgt. Die Borke schützt den Stamm vor Umwelteinflüssen. Wilde hat zwei gelbe Punkte auf dem Stamm markiert. „Das ist der einzige Bereich, der noch als intakt angesehen werden kann“, erklärt er. Doch die Markierungen sind maximal nur einen halben Meter voneinander entfernt. Das ist zu wenig.

Pilzbefall

Ein Pilz hat den Baum befallen, die Borke ist brüchig. „Wenn die Eiche in einem Wald stehen würde, könnte sie stehenbleiben. Aber hier an einer viel befahrenen Landesstraße wird das leider nicht gehen“, sagt Wolfgang Tangemann, Mitarbeiter im Fachbereich Stadtentwicklung, Bau und Umwelt der Stadt Bramsche. Er glaubt, dass die Eiche der älteste Baum in ganz Bramsche sei. „Wir vermuten, dass sie im 30-jährigen Krieg gepflanzt worden sein könnte.“ Also zwischen 1618 und 1648, vor 370 bis 400 Jahren. Genaueren Aufschluss darüber wird es geben, wenn der Baum gefällt worden ist. Der Zeitpunkt dafür steht noch nicht fest. „Das wird einen größeren Aufwand mit sich bringen, allein schon, weil die Straße dafür gesperrt werden muss“, so Tangemann. In die andere Richtung steht noch Mais auf dem Feld, der erst geerntet werden muss.

Nachnutzung

Brüchig ist die Rinde des Stammes, stellen Wolfgang Tangemann und Marc Wilde fest. Foto: Björn Dieckmann

Wie genau der Baum gefällt wird, steht noch nicht fest. Das hängt auch davon ab, was danach mit ihm geschehen soll. „Ihn einfach zu Brennholz zu machen, wäre jammerschade“, findet Tangemann genauso wie Engters Ortsrats-Mitglied Ernst-August Rothert und Schleptrups Ortsbürgermeister Karl-Georg Görtemöller. Beim Ortstermin haben sie aber gleich eine Idee: Zumindest ein Teil des Stammes könnte nach einer nötigen Aufarbeitung und Präparierung im neuen Kreisel an der Bramscher Allee seinen Platz finden. Wie genau das – oder eine andere Lösung – funktionieren kann, muss allerdings noch beraten werden.


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