Entscheidung im Herbst Was die Freibadschließung für die Ueffelner bedeuten würde

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Ueffeln ohne Freibad können und wollen sie sich nicht vorstellen: Heide Wichmann mit ihren Kindern Clemens, Carla und Hinrich sowie Andreas und Hermann Bettenbrock. Foto: Eva VoßUeffeln ohne Freibad können und wollen sie sich nicht vorstellen: Heide Wichmann mit ihren Kindern Clemens, Carla und Hinrich sowie Andreas und Hermann Bettenbrock. Foto: Eva Voß

Ueffeln. Für viele Ueffelner gehört ihr Freibad zum Dorf wie die Kirche oder die Feuerwehr. Wir haben bei einigen besonders treuen Besuchern nachgefragt, was eine Schließung für sie bedeuten würde.

In den vergangenen Jahren hing das Damoklesschwert der Schließung immer mal wieder über dem Freibad Ueffeln. Zuletzt vor acht Jahren: Damals konnte die Schließung durch die Unterstützung der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) Bramsche und die Gründung des Freundeskreises Freibad abgewendet werden. Die DLRG übernahm Teile der Wasseraufsicht und der Freundeskreis half bei der Pflege und Instandhaltung des Bades. Auch die Beheizung des Wassers auf konstant 25 Grad Celsius durch eine Biogasanlage in der Nähe trug dazu bei, das Bad attraktiver zu machen und vorerst zu erhalten. Dieses Mal wird die Entscheidung jedoch endgültig sein: Wenn saniert wird, ist das Bad für die kommenden Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte gesichert. Wird es geschlossen, wird es ebenfalls dabei bleiben. Ob die Ueffelner auch dieses Mal wieder den Kopf aus der Schlinge ziehen können, wird im Herbst entschieden.

Sommer im Freibad verbracht

Wer im Freibad mit den Besuchern spricht, merkt schnell, wie wenig sich die Ueffelner ihr Dorf ohne ein Freibad vorstellen können. Nach 45-jährigem Bestehen übt inzwischen die dritte Generation Schwimmen, Tauchen und den Sprung vom Ein-Meter-Brett. Dazu gehören etwa die Zwillinge Carla und Hinrich sowie ihr jüngerer Bruder Clemens oder Silvan und sein jüngerer Bruder Linus. Ihre Mütter Heide Wichmann und Katja Maier sind sich einig: "Ohne Freibad fehlt etwas." Heide Wichmann stammt aus Bottum und lebt inzwischen im Neuenkirchener Ortsteil Lintern. Das Freibad hat für sie eine besondere Bedeutung: "Meine Eltern haben Landwirtschaft, deshalb sind wir nie in den Urlaub gefahren. Meine gesamten Sommerferien habe ich hier im Freibad verbracht", sagt sie. "Ich kann mir Ueffeln ohne das Freibad gar nicht vorstellen." Eine ähnliche Bindung hat auch Katja Maier zum Freibad. "Wir haben zwischenzeitlich in Rieste gewohnt, sind aber wieder zurück nach Ueffeln gezogen. Ein wichtiger Grund war auch das Freibad, damit unsere Kinder hier ihren Sommer verbringen können, so wie ich das in meiner Kindheit konnte." 


Die Brüder Silvan und Linus Maier kommen im Sommer fast täglich ins Freibad. Foto: Eva Voß

Die beiden Mütter schätzen am Freibad vor allem, dass es übersichtlich ist. "Man hat die Kinder immer Blick, dadurch ist es natürlich entspannter", sagt Heide Wichmann. Ein weiterer Vorteil sei, dass man viele der anderen Besucher im Freibad kenne und sich die Aufsicht auch mal aufteilen könne. "Im Sommer ist das hier ein richtiger Dorftreffpunkt", fügt sie hinzu. Für Familien, die sich keinen Urlaub leisten könnten, sei das Freibad zudem eine gute Alternative. "Die Familienjahreskarte kann sich jeder leisten", findet Katja Maier. 

Freibad als Mini-Urlaub 

"Während der Saison komme ich täglich ins Freibad, und zwar, seit dem ich laufen kann", erinnert sich Andreas Bettenbrock, der zum Freundeskreis Freibad gehört. Für ihn sei das Freibad eine Art "Mini-Urlaub". "Wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag hier meine Bahnen ziehe, ist der Stress vergessen", sagt Bettenbrock, der im Außendienst arbeitet. Zu verdanken hat er die Liebe zum Freibad seinem Vater Hermann, der sich schon seit Gründung des Freibads 1973 ehrenamtlich engagiert. Selbstverständlich gehört auch er zum Freundeskreis. "In den 70er-Jahren habe ich den Kindern aus der Nachbarschaft das Schwimmen beigebracht", sagt Hermann Bettenbrock. Auch für den Rentner steht ein Freibadbesuch während der Saison täglich auf dem Programm. "Ich bleibe nur zu Hause, wenn ich krank bin", sagt er. Gedankt haben die Stadtwerke Bramsche Hermann Bettenbrock dieses außergewöhnliche und langjährige Engagement zum 30-jährigen Bestehen des Bades mit dem Status als Ehrengast und lebenslangem freien Eintritt. Auf die Urkunde ist er sichtlich stolz.


Diese Urkunde hat Hermann Bettenbrock für sein langjähriges Engagement im Freibad Ueffeln erhalten. Damit hat er lebenslang freien Eintritt. Foto: Eva Voß

Seit Jahren trifft sich außerdem eine Gruppe von etwa 15 meist etwas älteren Schwimmern jeden Tag bei Wind und Wetter pünktlich zur Öffnung um 12 Uhr im Freibad. "Wenn da mal zwei Tage jemand nicht kommt, wird direkt hinterhertelefoniert. Das ist eine ganz eingeschworene Gemeinschaft", weißt Andreas Bettenbrock, der zum Schluss auf den Punkt bringt, was viele Ueffelner denken: "Vom Kleinkind bis zum Rentner würde für viele Menschen in der Region ein großes Stück Lebensqualität fehlen, wenn das Freibad geschlossen würde."



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