Serie: Leben im Denkmal Auf Hof Richtering in Rieste einen Traum erfüllt

Von Ilona Ebenthal

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Bramsche/Rieste. Traum und Lebensziel für die einen, teurer Horror für die anderen: Am Leben in einem denkmalgeschützten Haus scheiden sich die Geister. Was macht den Reiz alter Häuser aus? In der Serie „Leben im Denkmal“ wollen wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Heute besuchen wir den Hof Richtering in Rieste.

Vor dem alten Hof Richtering in Rieste-Süd hängt ein großes Banner. Es verkündet „10 Jahre Clubhaus – MC Alfsee“. Die Motorradfahrergemeinschaft Rieste-Alfsee, so der offizielle Name des Vereins, hat in zehn Jahren mit viel ehrenamtlicher Arbeit den denkmalgeschützen Hof vor dem Verfall gerettet.

Als Verwalter des Gebäudes, das der Walter-Richtering-Stiftung gehört, kennt sich MC-Mitglied Torsten Wendt hier gut aus. Den Vorsitz hat er inzwischen an Josef Droppelmann aus Alfhausen abgegeben, der von Thorsten Hermes als zweitem Vorsitzenden unterstützt wird. Zusammen mit Johann-Dirk Evers-Westendorf führen sie durch die Räumlichkeiten. Der rückwärtige Giebel ist neu verputzt worden, das Fachwerk gestrichen. Hier befindet sich der Eingang zum renovierten Clubraum, in dem die wöchentlichen Treffen stattfinden, ein Bad im Originalzustand und eine Küche. Die Küchenmöbel haben sie von Anton Harms im Zuge des Umbaus des jetzigen Piazza-Hotels bekommen. „Er hat uns damals immer ganz viel geholfen“, sagt Johann-Dirk Evers-Westendorf. Damals - im Jahr 2008 – als das Gebäude nach längerem Leerstand und in sehr schlechtem Zustand an die Motorradfahrer übergeben wurde. Komplett eingewachsen, von Efeu überwuchert, mit brüchigem Boden und zugigen Fenstern. „Uns fiel alles entgegen“, berichtet Evers-Westendorf und zeigt auf einen Stützbalken: „Hier konnte man so durchgreifen“.

Ein Dornröschenschloss

Seither ist viel ehrenamtliche Arbeit in das Gebäude gesteckt worden. Allein der Garten sei „ein Dschungel“ gewesen. „Das war richtig ein Dornröschenschloss“, schmunzelt Evers-Westendorf. Das Holz aus der „Durchforstung“ – in den großen Bäumen mit dem Steiger - lagert klein gehackt im Holzschuppen für den Einsatz in den beiden Holzöfen. Damals wurde zuerst entrümpelt und das alte Stroh vom Dachboden entfernt. Der kleine Partyraum in der Mitte des Gebäudes hat einen neuen Boden bekommen. Aus den vorhandenen Bruchsteinen verlegt, die mit alten Klinkern durchsetzt sind. Wenn aus der Not eine Tugend gemacht wird, kann das so wie hier richtig gut aussehen. Etliche Wände waren gesackt und mussten verstärkt werden. So wurde auf der vorderen Giebelseite ein Stützmauerwerk eingezogen. Das Fachwerk zur Straßenseite hin wurde erneuert und verklinkert. Das sei zwar nicht geplant gewesen, musste aber wie vieles sofort gemacht werden, um weitere Feuchteschäden zu vermeiden. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir so viele Handwerker dabei haben“, sagt der Vorsitzende, der sich sehr über die Bereitschaft seiner Mitglieder freut, hier immer wieder Freizeit zu investieren.

Fachwissen ist beim Renovieren gefragt. Beim Aufmauern des Schornsteins zum Beispiel oder beim Unterfangen der abgesackten Ständer. Auch auf der großen Diele musste sehr viel erneuert werden. Hier war zum Teil nur Sandboden vorhanden. Wo früher die Kühe standen, gibt es jetzt eine lange Fachwerktheke. Im Raum gegenüber waren damals Flüchtlinge untergekommen, weiß Torsten Wendt. Hier hat der MC großzügige helle Sanitärräume neu eingerichtet. Die Holzböden wurden komplett gefliest. Hier finden die großen Veranstaltungen statt und die Geburtstage der Mitglieder können ausgerichtet werden.

Viel Material gespendet

Von vielen Riester Bürgern haben sie reichlich Materialspenden bekommen, betonen alle einmütig. Das habe natürlich sehr geholfen. Viele Ständer und Balken im Haus stammen von einem Fachwerkkotten aus Wissingen, der damals abgerissen wurde, berichtet Wendt. Diese Balken seien sogar noch älter als der Hof Richtering selbst, der immerhin das Jahr 1751 im Spruchbalken als Baujahr ausweist. Das Dielentor wirkt sehr stabil. Die MC-Mitglieder haben es von einem Kumpel bekommen, der sich einen Kotten gekauft hatte und stattdessen eine Glastür einbaute, erzählt Josef Droppelmann. „Wir haben versucht, möglichst alles im Original zu lassen“, sagt er.

Während sie drinnen weitgehend freie Hand haben, entscheide über „große Sachen“ die Stiftung und das Denkmalamt werde dann eingeschaltet, berichtet der Vorsitzende. Hier hoffen sie auf Mittel im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms. Die seitlichen Fenster müssen erneuert und der vordere Giebel restauriert werden, was allerdings auch dringend geboten ist. Hier haben sich Klinker gelockert, die Schwellhölzer sind verrottet und die rechte Wand ist deutlich abgesackt. Auch das Fachwerk muss erneuert werden. Das übernehme eine Fachfirma, heißt es. Beim Ausmauern der Gefache sind die Motorradfreunde dann wieder gefragt. „Dann sind wir einmal drum zu“, freut sich Droppelmann schon auf die Fertigstellung. Man habe hier „Arbeit satt, aber es macht ja auch Spaß“, erklärt er. Als die gegenüberliegende damalige Gaststätte „Zur Eule“ noch der Treffpunkt der Motorradfreunde war, „haben wir immer auf diesen Hof geschaut und gesagt, das wäre ein tolles Clubhaus“, erzählt der Vorsitzende. Dass es einmal tatsächlich so kommt, habe damals niemand geahnt.

Am Giebel stehen noch dringende Sanierungsarbeiten an.

Der MC Alfsee, den es seit 1981 gibt, während der Verein 2006 eigens für die Übernahme des Hofes gegründet wurde, feiert am 22. September 2018 „10 Jahre Clubhaus“. Dann liegt die Einweihung des Hofes Richtering genau ein Jahrzehnt zurück. Ab 19 Uhr ist die Bevölkerung, eingeladen mit den Motorradfreunden, der Live-Band „Rocksport“ und DJ Uwe Müller eine Party zu feiern. Der Eintritt ist frei.


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