Schulstart am Montag Freie Hofschule Pente hat Betrieb aufgenommen

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Bramsche. Die Freie Hofschule Pente hat am Montag in Bramsche den Betrieb aufgenommen. 13 Jungen und Mädchen versammelten sich zum Schulstart in der Jurte auf dem CSA-Hof Pente.

Insgesamt sind bis jetzt 18 Kinder für die neue Grundschule angemeldet, berichtet Projektinitiator Tobias Hartkemeyer. Die anderen fehlten wegen Krankheit beziehungsweise Umzug. Der Hofherr ist auch Mitglied des „multiprofessionellen Kompetenzteams“, das für nachhaltige Bildung auf einem Bauernhof als Lernort sorgen soll. Zum „erweiterten Kompetenzteam“ zählen folgerichtig die Friesen Bella und Diego sowie Schafe, Hühner, Rinder und all die anderen Tiere, die zum Hof gehören.

Begrüßung in der Jurte

„Das fühlt sich am Ende des ersten Tages schon richtig gut an,“, sich am Mittag Ulrike Linnemann, die als Waldorflehrerin ihre Erfahrungen mit in das Konzept eingebracht hat. Nach der Begrüßung in der Jurte hatten die Schüler erst einmal ihr neues Lernumfeld erkundet: Die Schmiede, die Feuerstelle, die weiden mit den Tieren und die anderen Räume. Die Sechs- bis Neunjährigen hätten dann gleich „eine Burg und ein Gefängnis gebaut, was man eben so braucht im Leben“, erzählte Linnemann. Eine andere Gruppe versorgte die Schweine mit Fallobst. Spielerisches Lernen in einem intakten Umfeld ist ein wichtiger Teil des Schulkonzeptes.

Tobias Hartkemeyer atmete am Montag erst einmal durch. Ob der Start tatsächlich schon jetzt zum Schuljahresbeginn erfolgen konnte, war letzte Woche noch nicht sicher. Am Donnerstag hatte Bürgermeister Heiner Pahlmann den Verwaltungsausschuss der Stadt Bramsche über den Schulstart informiert. „Im Moment ist das eine Interimslösung“ stellt auf Nachfrage der Erste Stadtrat Ulrich Willems klar, dass weitere Fragen unter anderem im gerade erst begonnenen Bebauungsplanverfahren zu klären seien.

Unterstützung

Tobias Hartkemeyer freute sich am Montag jedenfalls über „eine ganze Menge an Unterstützung von allen Seiten“. Eine Schulgründung zehn Monate nach den ersten Gesprächen mit der Landesschulbehörde sei „unglaublich schnell“, habe er auch von vielen anderen Initiativen gehört. Nun gelte es, das zarte Pflänzchen mit Augenmaß weiter zu entwickeln. Die Schule müsse groß genug sein, um sich finanziell zu tragen, aber nicht so groß, dass das pädagogische Konzept nicht mehr funktioniert, beschreibt er den Spielraum. Da es für Schulen in Gründung keine Finanzierung gebe, sei die Hofschule auf Bürgschaftskredite angewiesen. „Wenn genug Leute daran glauben, kommt das Geld zusammen“, setzt er auf die Hofgemeinschaft, die auch die solidarische Landwirtschaft trägt.

Feier am Sonntag

Bereits am Sonntag hatte die Freie Hofschule den Schulanfang auf dem CSA-Hof in Pente gefeiert. Unter weißem Sonnensegel zwischen prallen Obstbäumen sangen und musizierten über hundert Gäste den Beginn des neuen Schuljahres. Die Eröffnungsansprache hielt Dr. Peter Guttenhöfer, der die Waldorflehrerausbildung an der Pädagogischen Forschungsstelle Kassel begründete und heute weltweit Schulgründungen berät. Ein möglichst vielfältiger Bauernhof könne ein spannendes Lernfeld für Kinder bieten, um die Grundlagen des Lebens aus erster Hand kennen zu lernen und darin verantwortungsbewusst aufzuwachsen. Die Welt brauche nicht noch mehr Egomanen, sondern Menschen, für die das reale Mitweltbewusstsein eine Selbstverständlichkeit sei, so Guttenhöfer.

Dieser Hintergrund sei auch der Grund für die positive Unterstützung durch die Landesschulbehörde, die dringend für die Umsetzung der durch die UNO beschlossenen Umweltziele wirbt, glaubt Hartemeyer. Auch die Verantwortlichen des Landkreises für die Weiterentwicklung des Natur- und Geoparks „terra vita“ argumentierten in die gleiche Richtung und hatten ihre Unterstützung zugesagt.

Lehrerteam stellt sich vor

Das neue Lehrerteam, oder wie sich selbst sehen, „Team der Lernbegleitenden“, stellte sich am Sonntag der erwartungsvollen Schulgemeinschaft vor. Es besteht aus dem erfahrenen Pädagogen Joachim Kuchenbecker, den Theater- und Erlebnispädagogen Clara und Felix Bach, die bereits in England einige Jahre bei einer ähnlichen Schulinitiative mitgewirkt haben, sowie Ulrike Linnemann, die international in der Lehrerfortbildung arbeitet.

Der Einzug in die neuen Schulräume wurde vom Märchen „Hans im Glück“ begleitet. Ein Menschenspalier mit leuchtenden Sonnenblumen zeigte den Kindern den Weg zum kalten Buffet, das viele Eltern und Hofesleute köstlich angerichtet hatten. Selbst der Auszubildende Djaba aus Afghanistan hatte ein Nationalgericht aus seiner Heimat zubereitet, das in Windeseile verputzt war.


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