Planänderung beschlossen Neues Schleptruper Gewerbegebiet soll grüner werden

Von Björn Dieckmann

Zusätzliche ökologische Maßnahmen hat der Bramscher Stadtrats-Ausschuss für das geplante Industrie- und Gewerbegebiet Eiker Esch beschlossen. Archiv-Foto: Marcus AlwesZusätzliche ökologische Maßnahmen hat der Bramscher Stadtrats-Ausschuss für das geplante Industrie- und Gewerbegebiet Eiker Esch beschlossen. Archiv-Foto: Marcus Alwes

Bramsche. Der Bebauungsplan Nr. 164 „Industrie- und Gewerbegebiet Eiker Esch“ Schleptrup wird erneut öffentlich ausgelegt. Das hat der Stadtrats-Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt in einer Sitzung am Donnerstagabend beschlossen.

Ines Liebsch, Mitarbeiterin der Bauverwaltung, erklärte, der Plan habe bereits vom 3. April bis zum 7. Mai 2018 öffentlich ausgelegen. In dieser Zeit sei eine Arbeitsgemeinschaft aus

betroffenen Bürgern mit dem Wunsch an die Verwaltung herangetreten, zusätzliche Maßnahmen für eine ökologische Aufwertung in die Bauleitplanung aufzunehmen. Verständigt habe man sich auf eine intensivere Straßenraumbegrünung, die Anpflanzung von Blühstreifen und die Einrichtung einer Pufferzone entlang des Waldes im Südosten. „Das soll nun im Bebauungsplan festgesetzt werden und wäre damit rechtsverbindlich“, so Liebsch.

Die Verwaltung spreche sich allerdings dagegen aus, den Firmen, die sich im Eiker Esch ansiedeln wollen, auch eine Dach- und Fassadenbegrünung vorzuschreiben. Dagegen sprächen „die erheblichen finanziellen Mehrbelastungen für die Unternehmen, die neben den Investitions- und Pflegekosten auch mit höheren Baukosten zu rechnen haben, wenn die Gebäudestatik aufgrund höherer Traglasten verstärkt werden muss.“ Statt dessen schlage die Verwaltung vor, das Thema Begrünung im Rahmen der Grundstücksverkäufe mit den Firmen zu verhandeln.

Beratung zur Gebäudebegrünung

In letzterem Punkt wurde der Vorschlag allerdings durch die Mitglieder des Ausschusses abgeändert. Demnach soll eine entsprechende Beratung verbindlich vorgesehen und nicht lediglich angeboten werden. Ansonsten aber zeigte sich der Ausschuss zumindest in seiner deutlichen Mehrheit aber einverstanden mit den vorgesehenen Änderungen. Andreas Quebbemann (CDU) meinte, die Empfehlung der Verwaltung sei „der richtige Weg“. Er verwies darauf, dass zehn Prozent der Gesamtfläche im Gebiet Eiker Esch für Blüh- und Blumenwiesen vorgesehen seien. „Das haben wir sonst nirgends“, betonte Quebbemann. Es werde damit auch dem oft beklagten Insektensterben entgegengewirkt. Letztlich aber sei ein Gewerbegebiet dafür da, dass dort Gewerbe betrieben werden kann. Wenn Bürger sich in einem Gewerbegebiet noch mehr Begrünung wünschten, „kommen wir schnell dahin, dass wir an anderer Stelle weitere Flächen ausweisen müssen“, so Quebbemann.

Anette Staas-Niemeyer (FDP) fand, der Vorschlag der Verwaltung beinhalte „sehr sehr viele Maßnahmen – mehr, als meiner Meinung nach richtig ist.“ Auch sie erinnerte an die Funktion des Eiker Esch als Industrie- und Gewerbegebiet.

Oliver Neils (SPD) erklärte, seine Fraktion hätte gerne auch eine Begrünung von Dächern und Fassaden in Richtung der Bundesstraße 218 verbindlich vorgeschrieben. In dem Punkt „konnten wie uns aber nicht mit der FDP einigen“, so Neils. Mit den anderen vorgesehenen Maßnahmen gehe man dennoch „einen gewaltigen Schritt, der in ökologischer Hinsicht auch Vorbild sein kann für weitere Gebiete. Das sucht seinesgleichen“, betonte Neils.

Während CDU, SPD und FDP sich also gegen eine verpflichtende Begrünung von Dächern und Fassaden aussprachen, warben Linke und Grüne dafür. Bernhard Rohe (Linke) schlug vor, eine Begrünung von Gebäuden in Richtung B218 und westlichen Bereich zur Varusstraße hin vorzuschreiben. „An Freiwilligkeit glauben wir nicht“, sagte er, scheiterte mit seinem Antrag aber ebenso wie Barbara Pöppe (Grüne). Sie erklärte, Begrünungen würden Staub binden, Lebensraum für Vögel und Insekten bieten und das Klima im Industrie- und Gewerbegebiet verbessern. „Da arbeiten ja auch Menschen, an die wir denken müssen“, so Pöppe.

Diskussion um Kosten

Sie meinte auch, eine Dach- und Fassadenbegrünung sei nicht so teuer, wie es die Verwaltung darstelle. Von zehn bis 15 Euro pro Quadratmeter sei kürzlich bei einem Vortrag im Rathaus gesprochen worden. Baudirektor Hartmut Greife ging hingegen eher von bis zu 50 Euro pro Quadratmeter aus. Andreas Quebbemann fügte hinzu, der „Bundesverband Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung“ spreche von 35 Euro. Bei einer überbaubaren Fläche von 36.000 Quadratmetern komme man da auf mehr als eine Million Euro. „Da würde der finanzielle Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen“, fand Quebbemann.

Der veränderte Plan wird nun für zwei Wochen öffentlich ausgelegt. Bürger können Anregungen formulieren und Einwände vorbringen.


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