Unterstützung suchen Vortrag in Bramsche über Angebote bei Pflegebedürftigkeit

Von Judith Perez

Marianne Rahner (links) vom Pflegestützpunkt des Landkreises Osnabrück referiert darüber, was zu tun  ist, wenn jemand Pflege braucht. Foto: Judith PerezMarianne Rahner (links) vom Pflegestützpunkt des Landkreises Osnabrück referiert darüber, was zu tun ist, wenn jemand Pflege braucht. Foto: Judith Perez

jup Bramsche. Beim Senioren- und Pflegestützpunkt im Landkreis Osnabrück kann man sich unabhängig und kostenlos rund um da Thema Pflege beraten lassen. In der Reihe „Wissenswertes für Senioren“ stellte Marianne Rahner vom Pflegestützpunkt die Angebote der Beratungsstelle im gut gefüllten Forum Martinum der St. Martinus-Kirchengemeinde vor.

Pflegeversicherung, Pflegegrade, Tages- oder Kurzzeitpflege. Begriffe und Angebote sind vielfältig und nicht leicht zu durchschauen. „Schwierig wird es besonders dann, wenn man selbst in eine emotionale Schieflage gerät, weil der eigene Partner oder die eigene Mutter plötzlich Pflege benötigen. Deshalb, wenn Sie in diese Situation kommen, rufen Sie uns an“, ermunterte Pflegewissenschaftlerin Rahner gleich zu Beginn ihres anschaulichen Vortrags ihre Zuhörer. Der Pflegestützpunkt im Landkreis Osnabrück berät unabhängig und vor Ort. Ein Beratungsgespräch könne in der Einrichtung am Schölerberg in Osnabrück, telefonisch oder auch zuhause geführt werden.

MDK-Besuch vorbereiten

Der erste Schritt, so die Expertin, sei, sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe brauche. Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes könne in allen Lebensabschnitten, also nicht nur im Alter, eintreten. Schritt zwei sei, bei der Pflegekasse, die bei der Krankenkasse angesiedelt sei, einen Antrag auf Pflegedienstleistungen zu stellen. Die Höhe der Leistungen richte sich nach dem Pflegegrad, der in die Grade 1 bis 5 eingeteilt ist. Die Einstufung hänge davon ab, wie stark die Selbstständigkeit beeinträchtigt ist. An dieser Stelle erfolge dann der oft gefürchtete Besuch des Medizinischen Dienstes, kurz, MDK. In einem einstündigen Gespräch werde dabei geprüft, welchen Pflegegrad die Person erhält und in welcher Höhe die damit verbundenen Gelder fließen. „Auf dieses Gespräch müssen Sie sich unbedingt vorbereiten“, empfahl Rahner. „Rufen Sie uns an, wir geben Ihnen Tipps, worauf zu achten ist. Und nehmen Sie sich unbedingt eine weitere Person mit dazu. Dazu haben Sie das Recht“, so Rahner.

Vier Wochen Zeit für Widerspruch

Sei man mit der Entscheidung nicht einverstanden, könne man innerhalb von vier Wochen Einspruch einlegen, so die Fachfrau. Rahner, die sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema Tagespflege beschäftigt und eine Reihe von Einrichtungen besucht hat, appellierte an ihre Zuhörer, unbedingt die Tagespflegeeinrichtungen vor Ort in Anspruch zu nehmen. „Sie sind meist sehr gut, regelrecht familiär und bieten der pflegenden Person, aber auch dem Pflegebedürftigen eine gute Abwechslung. Bei Pflegegrad 2 reiche das Geld der Pflegekasse immerhin für zwei Tage pro Woche. Mit den Worten „denken Sie an sich selbst“, appellierte sie an die Pflegenden: „Suchen Sie immer nach kleinen Tricks, um dem anstrengenden Pflegealltag kurz zu entkommen.“ Das könne ein Kaffee mit der Nachbarin oder ein Angehörigengesprächskreis sein.

Am Ende ihres Vortrags ging die Referentin noch auf das Thema Demenz ein. „Wir werden immer älter, aber unser Gehirn macht zwischendurch schlapp“, so Rahner. „Am besten, Sie trainieren dieses Organ bereits vorbeugend, indem Sie schon jetzt Gewohnheiten ändern. „Setzen Sie sich einfach mal an einen anderen Platz am Mittagstisch oder essen Sie ihren Nachtisch zuerst“, gab sie einfache Tipps für den Alltag. Die Krankheit beeinträchtige emotionale und soziale Fähigkeiten. „Ihr geliebter Partner erkennt Sie plötzlich nicht mehr. Und das tut weh“, so Rahner. Manchmal könne es dann zu Aggressionen und sogar zu Gewalt kommen. Das sei völlig falsch, „aber es kann passieren.“ Auch hier sei ganz wichtig, darüber zu sprechen. „Rufen Sie uns an oder suchen Sie das Gespräch mit anderen Pflegenden – das ist ganz wichtig.“


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