Schluss nach 19 Jahren Letzte Fahrt des „Nachtschwärmers“ führt auch über Bramsche

Von Björn Thienenkamp

Rendezvous in Ankum: Die gelbe und die blaue Linie der Nachtschwärmer treffen sich am Neuen Markt in Ankum. Fotos: Björn ThienenkampRendezvous in Ankum: Die gelbe und die blaue Linie der Nachtschwärmer treffen sich am Neuen Markt in Ankum. Fotos: Björn Thienenkamp

In der Nacht von Samstag auf Sonntag, 4. auf 5. August 2018, drehten die Nachtschwärmer-Busse nach 19 Jahren ihre letzte Runde, weil die Fahrgastzahlen stark gesunken sind. Die treuen Stammgäste kamen nicht zum Abschied nehmen, sondern, weil sie nichts von der Einstellung wussten.

Für viele kam das Aus für die samstagnächtlichen Linienbusse überraschend. „Ich fahre stets nach Quakenbrück zum Holzi’s Inn im Flash und treffe da Leute“, sagt Heiko Frerichs um 22 Uhr am Neuen Markt in Ankum. „Um 3.30 Uhr fahre ich dann wieder nach Bippen“, erklärt der 57-Jährige. „Ja, das ist ein Stammgast, der fast jeden Samstag mitfährt“, bestätigt Busfahrer Jobst-Bruno Bergen von der Firma Heyer. „Für mich ist das traurig“, urteilt Frerichs über die Einstellung. Hat er eine Alternative? „Mal gucken.“

Andere Lösung suchen

Und auch Julia aus Neuenkirchen muss nun eine andere Lösung für ihr Freizeitverhalten suchen. „Fünf Jahre lang, im Alter von 18 bis 23 bin ich jedes Wochenende im Flash in Quakenbrück gewesen - das war mein zweites Zuhause“, blickt die 27-Jährige zurück, die seitdem eher das Tiffany in Bramsche oder das Virage in Osnabrück aufsucht. „Du gehst aber nicht in Rente?“, sorgt sie sich um Stefan Schulte von den Buchholz Sicherheitsdiensten. Beide kennen sich nicht privat, sondern vom Nachtschwärmer, begleitet der Sicherheitsmann die Busse doch seit nunmehr zehn Jahren.

„Die Haltestelle ist Marienhospital/Alando, ihr müsst auf der Brücke stehen“, beantwortet Schulte am Mobiltelefon einen Anruf auf der nächtlichen Hotline. Die dann Einsteigenden wissen nicht, dass dieses die letzte Fahrt ist. „Schon schade“, findet auch Axel Rose. „Ich fahre unregelmäßig, so ein Mal im Vierteljahr, um Freunde in Bramsche zu besuchen“, schildert der 42-Jährige, der in Bramsche geboren ist, seit einem Jahr aber in Osnabrück lebt.

Männer der letzten Stunde: Stefan Schulte von den Buchholz Sicherheitsdiensten, Jobst-Bruno Bergen von der Firma Heyer, Xhavit Trepca von der Firma Wieking und Bernd Geers von der Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn (von links).

Gegen 3.50 Uhr stehen Julian Schnieder und Patrick Meyer in Bersenbrück vor dem Reggae Jam Festival und werden eher zufällig zu Nachtschwärmern sowie den wohl letzten Käufern eines Tickets. In Ankum angekommen, riecht es nach frischen Brötchen. Die Bäckerei Josef Remke wird ihr Angebot weiterführen. Der Nachtschwärmer nicht.


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