Serie: Leben im Denkmal Familie Bührmann in Sögeln und ihr „Haus mit Seele“

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Gut 200 Jahre alt ist der Hof am Schwankhausweg in Sögeln, in dem Jan-Gerd und Petra Bührmann leben. Seit 1989 haben sie das denkmalgeschützte Gebäude detailgetreu und mit viel Wissen um die bäuerliche Wohnkultur renoviert. Sie wollten „die Seele des Hauses erhalten“. Aber beide unterstreichen: „Wir leben nicht in einem Museum“.

Landwirt Jan-Gerd Bührmann ist in dem Haus aufgewachsen, dessen Giebelinschrift noch die Namen Heinrich und Katharina Schwankhaus trägt. Gut 200 Jahre hat das klassische norddeutsche Zwei-Ständer-Haus bereits in den Balken. Vor rund 100 Jahren heiratete Bührmanns Großvater in die Hofstelle ein, entschied sich aber nicht, wie damals üblich, den Hofnamen anzunehmen. Heute erinnert deshalb nur noch der Name der Zufahrtsstraße an die Familie Schwankhaus.

Faszinierend klare Struktur

„Fenster, Türen, überhaupt die ganze Baustruktur sind typisch für das niedersächsische Hallenhaus“, erzählt Bührmann. Zwei längst angeordnete Ständerreihen, die mit dicken Eichenbalken verbunden sind, tragen das Dach. Das Innere wurde den in mehrere Gefache aufgeteilt. „Diese klare Struktur hat mich immer schon fasziniert“, sagt Bührmann. Schon als Jugendlicher befasste er sich mit Konstruktion, Materialien und Geschichte der bäuerlichen Wohnkultur. In den früheren Jahren dieser Hallenhäuser lebten Menschen und Tiere noch in einem Raum. Die Tiere lieferten zusätzliche Wärme. Unter dem gleichen Dach war auch die Ernte untergebracht. Offene Feuerstellen dienten zum Kochen, wobei es lange Jahre nicht einmal einen Schornstein gab. „Der Raum hat das Holz ebenso wie die Ernte konserviert. Gesund für die Menschen war das sicherlich nicht, aber das hat man so in Kauf genommen“, sagt der Hausbesitzer.

Bald wurden dann doch Abzüge eingebaut, die Bereiche für Wohnen und Vieh durch Mauern getrennt - was aber immer blieb war die Zweiständer-Konstruktion. Jan-Gerd Bührmann gerät ins Schwärmen, wenn er an die schlichte aber so durchdachte Bauweise denkt. Sie ermöglichte auch, dass Dachstuhl und Eindeckung während der Renovierungsarbeiten erhalten bleiben konnten, während unten nur noch das nackte Fachwerk stand. „Man konnte die Gefache einfach rausnehmen“, erinnert sich der Hofbesitzer. Ebenso konnten Wände eingezogen und später wieder entfernt werden , als nach dem Zweiten Weltkrieg Flüchtlinge untergebracht werden mussten.

Pläne neu angefertigt

Dass das Gebäude in seiner ursprünglichen Form die 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts überlebte, als Fachwerkbauten im ländlichen Bereich wenig wertgeschätzt wurden, ist eigentlich einem Zufall zu verdanken. „Mein Vater hatte damals die Gelegenheit, Flächen zu kaufen und damit den Betrieb zu erweitern. Für einen Neubau war deshalb einfach kein Geld mehr da“, schmunzelt Bührmann. Die Finanzen spielten natürlich auch eine Rolle, als es 1989 an die Renovierung des 13 mal 32 Meter großen Hallenhauses ging. „Holz ist nicht so billig“, sagt er. Außerdem gab es keine Baupläne mehr. Eine mit der Sanierung historischer Gebäude vertraute Architektin nahm alle Maße neu, bevor sie ihr Konzept vorlegte. Dann mussten Betriebe gefunden werden, die mit der traditionellen regionalen Handwerktechniken vertraut waren. „Da bekommt man keinen Kostenvoranschlag. Da wird nach Stunden abgerechnet“, sagt der Landwirt und fügt hinzu: „Stahl, Eisen und Beton haben in einem Fachwerkhaus nichts verloren. Es verändert den Charakter des Hauses. Es wird seelenlos“.

Unterschiedliche Auffassungen

Während der Sanierung waren Denkmalschutzbehörde und Hofbesitzer nicht immer einer Meinung. Das gibt Bührmann freimütig zu. Dennoch fand man letztlich immer zueinander. Nur beim Giebel nicht. Ein schlichtes Haus braucht einen schlichten Giebel, habe man ihm signalisiert. Der Besitzer selbst hätte ein weiter vorspringendes Dach aus Gründen des Wetterschutzes für den mit handgeschnitzten Holzschindeln verkleideten Giebel besser gefunden. Bei anderen Dingen war die Einigung leichter. Echte Sprossenfenster wurden eingebaut. „Früher waren die einfacher herzustellen und deshalb billiger“, erzählt Bührmann. Eine kurze, steile Treppe führt aus der Wohnhalle ein halbes Geschoss empor zur „Uppkamer“, wo früher die Mägde schliefen. An den Wänden wurde innen eine dicke Dämmschicht angebracht, die an den Fenstern abgeschrägt ist und somit mehr Licht ins Haus lässt.

Möbel, die schon seit Generationen zum Haus gehören, wie die Worpsweder Bank, der große Esstisch, Schrank und Truhe komplettieren den Gesamteindruck. „Es war mich zuerst nicht einfach, mit diesen Dingen zu leben“, sagt Petra Bührmann, die zwar auf einem Bauernhof aber nicht in einem derart historisch geprägtem Umfeld aufgewachsen ist. „Mit der Zeit habe ich aber Achtung und Respekt vor den Dingen unserer Vorfahren entwickelt. Sie passen einfach hierher“, meint die Lehrerin nachdenklich.

Eine handgeschnitzte Worpsweder Bank gehörte früher zur Aussteuer einer Bauerntochter.

Nachhaltigkeit prägt das Leben in einem Denkmal. Riesige Eichen schützen die Hofeinfahrt und dienen gleichzeitig als Blitzschutz. Sie werden dort stehen, so lange sie gesund sind. An anderer Stelle hat Bührmann allerdings schon vor einigen Jahren Holz geschlagen, dass jetzt trocknet für das nächste Renovierungsprojekt. Und wieder an anderer Stelle hat er junge Eichen gepflanzt.


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