Erklärung zum „Tag gegen Menschenhandel“ Frauenbeauftragte aus Bramscher Umland für Nordisches Modell

Prostitution und Menschenhandel sind nicht zu trennen, kritisieren die Frauenbeauftragten aus den Nordkreis-Kommunen des Osnabrücker Landes. Foto: Andreas Arnold/dpaProstitution und Menschenhandel sind nicht zu trennen, kritisieren die Frauenbeauftragten aus den Nordkreis-Kommunen des Osnabrücker Landes. Foto: Andreas Arnold/dpa

pm/wek Bramsche. Am heutigen Montag, 30. Juli, rufen die Vereinten Nationen weltweit zum fünften internationalen Tag gegen Menschenhandel auf. Die Frauenbeauftragten der Gemeinden im Nordkreis Osnabrück – darunter auch die Bramscher Frauenbeauftragte Maria Stuckenberg – machen sich dabei gemeinsam mit der Hilfsorganisation Solwodi e.V. in einer Mitteilung für das Nordische Modell stark.

In dem Text weisen die Frauenbeauftragten unter anderem auf die Brisanz einer „globalen, aber oft gering geschätzten Tragödie“ hin. Schätzungen zufolge leiden weltweit insgesamt über 20 Millionen Menschen unter den Folgen. Einer der häufigsten Gründe ist der Zwang zur Prostitution.

In Deutschland bewegten sich im Jahr 2015 rund 88 Prozent der Fälle von Menschenhandel im Bereich der Prostitution, heißt es in der Mitteilung weiter. 98 Prozent der Opfer waren Frauen und Mädchen. Oft fielen Migrantinnen aus wirtschaftlicher Not und Perspektivlosigkeit in ausbeuterische Hände. Doch rund ein Viertel der hierzulande von Menschenhandel Betroffenen seien Deutsche. Beinahe jedes fünfte Opfer sei minderjährig.

Die Frauenbeauftragten kritisieren, die hohe Nachfrage nach käuflichem Sex mache Prostitution und das Sexgewerbe in Deutschland zu einem florierenden Geschäft mit über 14 Milliarden Euro Umsatz jährlich. Möglich mache das ein Gesetz aus dem Jahr 2002. Seitdem blühe der Menschenhandel in unserem Land. Je liberaler die Prostitutionsgesetzgebung, desto mehr Menschen würden von kriminellen Banden ins Land geschmuggelt.

Nordisches Modell aus skandinavischen Ländern als Vorbild

Nach Ansicht der Frauenbeauftragten machen Länder wie Schweden, Norwegen oder Island vor, dass es auch anders geht. Beim sogenannten „nordischen Modell“ stehe das Kaufen von Sex unter Strafe und den Freiern drohen Geld- oder gar Gefängnisstrafen von bis zu einem Jahr. In Schweden kämen deshalb laut einer Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation viermal weniger Opfer von Menschenhandel an als im benachbarten und deutlich kleineren Dänemark, wo Prostitution legal ist.

In der Mitteilung der Frauenbeauftragten heißt es weiter, Deutschland gehe mit dem Prostituiertenschutzgesetzt aus dem Jahr 2017 einen anderen Weg und versuche, mithilfe einer Anmeldepflicht die Prostitution stärker zu regulieren. In Stadt und Landkreis Osnabrück habe sich allerdings bislang nur ein Bruchteil der Sexarbeiterinnen registrieren lassen. Zudem klammerten die Regelungen die Straßenprostitution in vielerlei Hinsicht aus. „Das Problem des Menschenhandels löst das Gesetz nicht“ unterstreichen die Verfasserinnen.

Auch die Osnabrücker Initiative Solwodi e.V. fordert die konsequente Umsetzung des nordischen Modells auch in Deutschland. „Die Liberalisierung der Prostitution, wie sie derzeit in Deutschland praktiziert wird, steht einer echten Gleichberechtigung der Geschlechter entgegen. Politik und Gesellschaft müssen sich grundsätzlich die Frage stellen, ob Prostitution zu unseren westlichen Werten und zum Grundgesetz Art. 1 passt. Wir müssen umdenken und uns Alternativen überlegen, wie z.B. das nordische Modell, und uns um Ausstiegsmöglichkeiten für die Frauen kümmern“, so Martina Niermann, Leiterin Solwodi Osnabrück. „Denn letztendlich kann das Prostituiertenschutzgesetz die Frauen, die den Schutz am meisten benötigen, nicht schützen, weil Prostitution für sie immer auch Gewalt und Ausbeutung bedeutet.“


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