Wetter ist große Belastung Wie Bramscher Seniorenheime mit der Hitzewelle umgehen

Von Eva Voß

Im Schatten lässt es sich aushalten (von links): Dieter und Erika Christ, Petra Eilers (kommissarische Einrichtungsleiterin), Ulrike Rybak (stehend, Leitende Ergotherapeutin), Gerda Staas und Ruth Brüggemann lassen sich ein kühles Getränk schmecken. Foto: Eva VoßIm Schatten lässt es sich aushalten (von links): Dieter und Erika Christ, Petra Eilers (kommissarische Einrichtungsleiterin), Ulrike Rybak (stehend, Leitende Ergotherapeutin), Gerda Staas und Ruth Brüggemann lassen sich ein kühles Getränk schmecken. Foto: Eva Voß

Bramsche. 36 Grad und mehr zeigt das Thermometer in dieser Woche. Bei solchen Temperaturen sind vor allem ältere Menschen gefährdet. Wir haben in Bramscher Seniorenheimen nachgefragt, wie Personal und Bewohner mit der Hitze umgehen.

Während manche Bewohner noch frühstücken, sorgt ein Ventilator im Speisesaal des Pflegeheims St. Martinus in Bramsche für eine frische Brise. Die Fenster sind weit geöffnet. Jetzt, gegen 9.30 Uhr, beginnt die Temperatur wieder langsam zu steigen. Am Nachmittag wird sie 36 Grad Celsius erreicht haben. Auf Wunsch der Reporterin nimmt Bewohnerin Anni In der Stroth für das Foto neben dem Ventilator Platz: "Ich glaube, hier bleibe ich", sagt die Seniorin und lacht. 

Durch den Ventilator weht eine frische Brise durch das St. Martinus Pflegeheim in Bramsche: Pflegedienstleiterin Daniela Schmalkuche und Bewohnerin Anni In der Stroth haben es sich bequem gemacht. Foto: Eva Voß

Im Vorgarten des AWO-Seniorenzentrums in der Gartenstadt warten am späten Nachmittag bereits einige Bewohner auf den Start des gemeinsamen Grillfestes mit dem AWO-Ortsverein Bramsche. Durch kühle Getränke und leichten Wind ist die Stimmung gut. "Im Schatten lässt es sich aushalten", sagt Bewohnerin Ruth Brüggemann fröhlich.

Hitze ist große Belastung

Auf die leichte Schulter nimmt die kommissarische Einrichtungsleiterin Petra Eilers die Hitze trotzdem nicht: "Die Bewohner jammern zwar nicht, aber für viele ist dieses Wetter eine große Belastung. Übrigens auch für die Mitarbeiter." Für sie seien deshalb, genauso wie für die Mitarbeiter im Pflegeheim St. Martinus, die Bekleidungsvorschriften ein wenig gelockert worden. Oberbekleidung dürfe zwar weiterhin nicht ärmellos sein, aber zumindest die lange Jeans könne im Schrank bleiben. Zudem stehen kühle Getränke, Obst und Eis zur Erfrischung bereit.

 "Bei den Bewohnern achten wir im Moment noch mehr als sonst darauf, dass sie genug Flüssigkeit zu sich nehmen", sagt Petra Eilers. Um das sicherzustellen, stünden nun vermehrt Lebensmittel auf dem Speiseplan, die viel Flüssigkeit enthalten. So gebe es etwa Melone und Kaltschale am Nachmittag statt Kaffee und Kuchen. "Im Moment lassen wir die Gymnastik ausfallen und machen stattdessen Fingerübungen, um Schwellungen an den Gelenken entgegenzuwirken", sagt die leitende Ergotherapeutin der AWO-Einrichtung Ulrike Rybak.

Kühlende Waschlappen und erfrischende Fußbäder würden ebenfalls helfen, den Kreislauf ein wenig in Schwung zu bringen. "Außerdem machen wir alles, was man auch zu Hause macht, damit sich das Haus nicht so aufheizt", so Petra Eilers – etwa früh morgens durchlüften und anschließend die Räume verdunkeln.

Planschbecken auf der Terrasse

Ähnliches berichtet auch Daniela Schmalkuche, Pflegedienstleiterin im Seniorenheim St. Martinus. "Die Versorgung mit Flüssigkeit ist das allerwichtigste", betont sie. Manche Bewohner hätten auch kein richtiges Wärmeempfinden mehr und würden sich für die Witterung viel zu warm anziehen: "Die weisen wir natürlich daraufhin, dass sie die Jacke nicht brauchen, damit sie nicht überhitzen", so Schmalkuche. 

Bettlägerige Bewohner würden luftiger angezogen und erhielten ein Laken statt einer dicken Bettdecke. Bei fitteren Bewohnern müsse zudem auf den Sonnenschutz geachtet werden, ihnen würde außerdem von Spaziergängen am Nachmittag abgeraten. 

Auch die Gymnastikkurse würden derzeit ausfallen und durch Singen und Vorlesen ersetzt. Zur Abkühlung stünden für die Senioren darüberhinaus Planschbecken auf dem Balkon und der Terrasse bereit. "Die werden gerne als Fußbad genutzt", sagt Daniela Schmalkuche. 

Auch in St. Martinus werde der Witterung entsprechend die Ernährung ein wenig umgestellt: "Am Samstag gibt es bei uns immer einen deftigen Eintopf. Auf den verzichten wir im Moment. Sahniger Nachtisch wird zum Beispiel durch Götterspeise ersetzt, das bringt auch noch einmal ein bisschen Flüssigkeit", sagt die Pflegedienstleiterin. 

Für die kommende Woche werden in unserer Region zwar etwas niedrigere Temperaturen vorhergesagt, doch bei weiterhin fast 30 Grad gibt es für Bewohner und Mitarbeiter in Pflegeheimen noch keine Entwarnung.  


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