Mit Survivalexperten unterwegs Überlebenstraining im Gehn als Geburtstagsgeschenk

Von Carolin Harmeier


char Bramsche. Eine Nacht im Wald - über dieses Geburtstagsgeschenk haben sich Jan Zimmermann (13) aus Bramsche und Odilo Raude (14) aus Hesepe riesig gefreut. Denn sie waren dabei mit dem Survival-Experten Richard Vincent unterwegs.

Es muss nicht immer eine Wanderung durch den Amazonas oder die Dschungel Afrikas sein, auch in unseren heimischen Wäldern kann man ganz allein sein. Weit und breit ist keine Hilfe in Sicht und das Handy hat kein Signal. Da wissen die meisten Menschen nicht, was zu tun ist, oder wie sie – notfalls tagelang – im Wald überleben können. Wie sich das Beste aus dieser Situation machen lässt, haben Jan und Odilo im Gehn in der Nähe von Ueffeln gelernt. Richard Vincent von GO! Survival aus Bramsche hat sie begleitet. Der gebürtige Brite gibt seit 2004 regelmäßig Überlebenskurse und fühlt sich im Wald wie Zuhause.

Wald statt England

Da Odilo und Jan sehr viel Zeit draußen im Grünen verbringen, sind ihre Mütter auf die Idee gekommen, ihnen ein Survivaltraining zum Geburtstag zu schenken. Um das eigentliche Geschenk zu verheimlichen, haben sie ihren Jungs jedoch erzählt, sie würden eine Sprachreise nach England machen – eine Aussicht, die den Teenagern so gar nicht gefiel. Als dann herauskam, dass sie einen ganzen Tag inklusive Übernachtung mit einem Profi im Wald verbringen würden, war die Freude riesengroß. Doch viel Hilfe war gar nicht nötig, meint Outdoor-Experte Vincent: „Sie kennen sich wirklich gut aus und wissen was sie tun müssen, da muss ich kaum noch was erklären.“ So überprüfen die Schüler regelmäßig, ob sich wieder Zecken in ihrer Kleidung verfangen haben oder ob Gefahren durch andere Tiere, wie Hornissen oder Wespen, lauern.

Die große Expedition

Um den Lernprozess so realistisch wie möglich zu machen, hat Vincent sich ein Szenario überlegt: „Stell dir vor du bist im Wald unterwegs, alle deine Sachen wurden weggeschwemmt und dir bleibt zum Überleben nur die Natur.“ Da ist es wichtig, sich erst einmal einen Überblick über die nähere Umgebung zu verschaffen. Bei der Erkundungstour lassen sich dann auch oft geeignete Wasser- und Feuerstellen oder essbare Pflanzen finden. Dabei haben die Teenager auch gelernt, sich an der Sonne zu orientieren oder Tierspuren zu lesen.

Ist dann ein Schlafplatz gefunden, geht es an den Aufbau eines improvisierten Zeltes. Das lässt sich entweder aus Naturmaterialien, wie Ästen und Laub, oder wie beim Survival-Training aus einer wasserdichten Plane bauen. Dafür haben Jan und Odilo zunächst je eine lange Schnur zwischen zwei Bäumen gespannt, diese dann mit zwei Astgabeln stabilisiert und zum Schluss aus der Plane eine Art Dach gebaut.

Nach dem Abendessen und ein paar Nachtspielen, war es dann auch schon Zeit zum Schlafen, denn nach dem Frühsport wartete auf die Jugendlichen noch eine Überraschung: Der Überlebenscoach wurde von einer Schlange gebissen! Der Biss war zwar nur vorgespielt, aber es ist trotzdem wichtig, auch im Notfall ruhig zu bleiben und zu wissen, wie einem Verletzten geholfen werden kann oder wie sich eine vermisste Person aufspüren lässt.

Lernen fürs Leben

Anders als die beiden Schüler finden sich viele Menschen nicht so einfach im Wald zurecht. Egal ob Schulklassen, Soldaten, oder eine Firmenbelegschaft, Richard Vincent hat sie alle schon sicher durch den Wald gebracht. Der 60-jährige war früher Berufssoldat und hat immer wieder bei Überlebenstrainings mitgemacht. Er weiß wie wichtig es ist, den Menschen die Angst vor dem Wald zu nehmen. Doch das ist nur ein Ziel des Trainings. „Es ist wichtig die Tür zu öffnen und den Menschen zu zeigen, was sie von der Natur lernen können“, sagt der Profi. Außerdem sei es wichtig, den Kurs an das Level und die Erfahrung der Teilnehmer anzupassen und nur Hilfestellungen zu geben, damit die Lösungen nicht vorweggenommen werden. Hier gelte der Grundsatz Vertrauen schafft Selbstvertrauen.

Müde und zufrieden

Als das Training dann gegen 10 Uhr am Sonntag zu Ende ging, waren die Jungen zwar sehr müde, aber auch sehr zufrieden. Obwohl sie vorher schon einiges übers Feuermachen und Zelten wussten, haben sie auch viel Neues über Pflanzen und Navigation gelernt. Auch der Experte war mit dem Verlauf des Survival-Trainings sehr zufrieden: „Die Jungs sind schnelle Lerner, das war ganz leicht mit ihnen.“

Es muss aber nicht immer gleich ein 24-stündiges Training mit Übernachtung sein. Zum Einstieg bietet Richard Vincent auch „Schnupperkurse“ an, die etwa sechs bis acht Stunden dauern.


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