Unabhängig von Öffnungszeiten Kitas: Nach acht Stunden müssen Bramscher Eltern zahlen

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Ob vom frühen Morgen an oder bis in den später Nachmittag - acht Stunden Kinderbetreuung sind ab 1. August 2018 für die Eltern kostenfrei. Archivfoto: Julian Stratenschulte/dpaOb vom frühen Morgen an oder bis in den später Nachmittag - acht Stunden Kinderbetreuung sind ab 1. August 2018 für die Eltern kostenfrei. Archivfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Bramsche. „Acht Stunden sind acht Stunden, ganz gleich in welchem Zeitfenster der Öffnungszeiten einer Einrichtung sie in Anspruch genommen werden“. Mit diesen Worten reagierte Bramsches Erster Stadtrat Ulrich Willems auf Unklarheiten bei der ab 1. August geltenden Beitragsfreiheit für Kindergartenkinder zwischen drei und sechs Jahren.

Regelöffnungszeiten, Sonderöffnungszeiten, das bedeutete bislang für Eltern einen erheblichen finanziellen Unterschied. In den Bramscher Kindertagesstätten schlugen vier Stunden mit 100 Euro zu Buche, sechs Stunden Betreuung mit 150 Euro, acht Stunden mit 170 Euro. Für Sonderöffnungszeiten jenseits der Regelöffnungszeiten fielen 12,50 Euro pro halbe Stunde an. Ein Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren kostet derrzeit und auch weiterhin 135 Euro, sechs Stunden 200 und acht Stunden 265 Euro. Darüber hinaus werden pro halbe Stunde 16,50 Euro fällig. Kostenfrei wird die Betreuung , wenn das Kind noch während der Krippenzeit drei Jahre alt wird, aber erst zum nächsten Kindergartenjahr in eine Regelgruppe wechselt.

Ein Beispiel: Eine Kindertagesstätte hat Sonderöffnungszeiten von 7 bis 8 Uhr, von 12 bis 13.30 Uhr und nachmittags bis 17 Uhr. Wird das mindestens drei Jahre alte Kind um 7 Uhr gebracht, sind ab 1. August die Stunden bis 15 Uhr kostenfrei. Für alles, was darüber hinaus geht, wären Zuzahlungen fällig.

„Das Recht auf einen Betreuungsplatz bezieht sich nach wie vor nur auf einen Halbtagsplatz“, stellte Willems klar. Allerdings gebe es kaum noch eine Einrichtung, wo nur vier Stunden Betreuung angeboten würden.

Auch für die Tagespflege

Die Beitragsfreiheit gilt im Übrigen auch für die Tagespflege, sei sie nun ersetzend, weil kein Platz in einer Kindertagesstätte frei ist oder ergänzend, wenn die Einrichtung - als Beispiel - nur sechs Stunden Betreuung anbieten, aber sieben oder acht Stunden benötigt werden. Vorrangig sei für den Gesetzgeber in jedem Fall die Betreuung in einer Kita, ergänzte der zuständige Fachbereichsleiter Wolfgang Furche.

Willems sieht durch die Neuregelung durchaus Probleme für die Kommunen. „Wir müssen jetzt versuchen zu verhindern, dass Ganztagsplätze über den eigentlichen Bedarf hinaus gebucht und dann möglicherweise in der Realität gar nicht in Anspruch genommen werden“. Auf die Kommunen entfalle bereits jetzt ein Großteil der Ausgaben für die Kinderbetreuung. Je häufiger lange Öffnungszeiten gebucht würden, desto höher seien nicht nur die Kosten für die pädagogischen Kräfte, sondern auch die für Mitarbeiterinnen beispielsweise für die Essensausgabe. Es müssten Vertretungskräfte vorgehalten werden, deren Kosten nicht vom Land bezuschusst würden. Ebenfalls nicht bezuschusst würden Stellen mit weniger als 19,5 Stunden. Auch die Ausgaben für die Ausstattung von Küchen, Schlafräumen etc. lägen bei den Kommunen. Die Stadt Bramsche könne wegen dieser Belastungen nicht, wie mancherorts gefordert, die Kosten für eine Betreuung über acht Stunden hinaus übernehmen.

Zahlreiche Kommunen im Landkreis Osnabrück, darunter auch Bramsche, bezweifeln, dass der vom Land Niedersachsen gebotene Ausgleich für die wegfallenden Einnahmen auskömmlich sein wird. Land und Kommunen hatten sich nach langen Verhandlungen darauf geeinigt, dass Hannover 55 Prozent der Personalkosten ab August übernimmt, obwohl die Kommunen im Kreis Osnabrück eine Erstattung von 62 Prozent der Personalkosten gefordert hatten.


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