Sommerkultur einmal drinnen Beschwingte Salonmusik im Bramscher Alloheim

Von Holger Schulze

Zur Teestunde bei Familie Krause baten Salonsänger Daniel Malheur und Pianist Peter André Rodekuhr am Sonntag zur Mittagszeit im Alloheim. Foto: Holger SchulzeZur Teestunde bei Familie Krause baten Salonsänger Daniel Malheur und Pianist Peter André Rodekuhr am Sonntag zur Mittagszeit im Alloheim. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Salonmusik mit Tenor und Pianist wurde am Sonntagvormittag im Alloheim gegeben. Auf Wunsch der Seniorenresidenz fand dieses Konzert im Rahmen des Sommerkulturprogramms diesmal umsonst und drinnen in der Cafeteria statt.

Der Pianist und Sänger Peter André Rodekuhr eröffnete das Programm mit einer kurzen Soloeinlage. Im ersten Teil der Vorstellung eingekleidet mit rotem Zwirn, das Monokel auf dem linken Auge und ausgestattet mit einer dandynah zurück gekämmten Frisur sowie geschminkten Lippen trat der Solotenor Daniel Malheur anschließend hinter das nostalgisch anmutende Mikrofon. Von dort aus stellte er sich mit markigem Tonfall und betont akzentuierter Aussprache als Schnapsfabrikant a.D. Direktor Alois Krause vor, eine Rolle, die er die ganze Vorstellung über nicht mehr ablegte.

„Fünf-Uhr-Tee bei Familie Krause“ war das Programm betitelt worden. Die Texte der vorgetragenen Stücke rankten sich um die Begegnungen der verschiedensten Art mit dem weiblichen Geschlecht oder ließen phasenweise den „Tanz voller Eleganz und unterschwelliger Erotik“, so der Moderationshinweis, erklingen. Gemeint war hiermit der Tango.

Daniel Malheur gab gesanglich die Eindrücke von den Aktivitäten eines Spanners zur Nacht, das Werben des Mannes um die Gunst der Frau oder den Inhalt eines Liebesbriefes wieder. Auch ging es munter in der Bar zum Krokodil am Nil zwischen den Geschlechtern hin und her.

Frivolitäten

Eingebettet waren die einzelnen Stücke in szenische Dialoge des Pianisten mit seinem Direktor, die die Funktion einer Moderation ausfüllten. Daniel Malheur und Peter André Rodekuhr ließen mit ihrer Musik im Alloheim das Lebensgefühl und die dezenten Frivolitäten aus dem ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts wieder auferstehen.

Das Duo hatte bei der Programmzusammenstellung ganz überwiegend davon abgesehen, die Evergreens der damaligen Zeit aufzunehmen. Zwar wurde schon auch die Hand der Madame geküsst und von ihrem Mund geträumt. Meistens jedoch griffen die beiden Musiker auf Kompositionen zurück, die sich nicht zwangsläufig in das kollektive Gedächtnis der Zuhörer eingegraben hatten. Immer aber waren es beschwingte Melodien mit heiteren und charmanten Texten, die zu Gehör gebracht wurden.

Ratgeber für den Mann

Rezitationen aus „Die Frau an sich und im Speziellen“, einem Ratgeber für den Mann, lockerten die Abfolge der Musikstücke auf. Aus diesem Werk trug Peter André Rodekuhr die Erfahrungen eines Eintänzers oder Erläuterungen zu Rückschlüssen auf weibliches Kussverhalten aufgrund der jeweiligen Form des Mundes vor.

Das Publikum honorierte die sympathische Teestunde zur Mittagszeit mit deutlich vernehmbarem Schlussbeifall und dem erwartungsgemäßen Wunsch nach einer Zugabe. Daniel Malheur und Peter André Rodekuhr verabschiedeten sich mit der Entsorgungsmöglichkeit der nach 30 Jahren ungeliebt gewordenen Gattin Klara in der Sahara durch die dort lebenden wilden Tiere.


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