Erfahrungen austauschen Holzbildhauerei-Profis im Kloster Malgarten

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Malgarten. Die im Kloster Malgarten arbeitende Künstlerin und Pädagogin Maria Breer-Dühnen hatte für die Woche vom 16. bis 20. Juli 2018 Kollegen zu einem „Holz.Camp“ auf dem idyllischen Gelände eingeladen. „Wir wollen uns austauschen über Erfahrungen, über Technik, wir wollen Ideen finden, miteinander arbeiten und voneinander lernen,“ sagt Breer-Dühnen.

Die Diplompädagogin, die seit Jahren im Klostergebäude den „Hestia-Werkraum“ betreibt, viel mit Holz und Ton arbeitet und gleichzeitig Kurse und Auszeiten anbietet, sieht sich dieses Mal in einer ganz anderen Rolle als gewöhnlich - nicht als Kursleiterin, sondern als quasi „Gleiche unter Gleichen“. Die drei Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bei der Premiere im idyllischen Obsthof dabei sind, haben alle bereits Erfahrungen mitder Holzbildhauerei. Sie nehmen vielerorts an Symposien und Werkstätten teil, arbeiten privat kreativ mit Holz und verkaufen teils auch ihre Arbeiten. Breer-Dühnen möchte diese Art Treffen (Arbeitstitel „Holzcamp“) gern zu einer jährlich wiederkehrenden Einrichtung machen, professionell und mit einem überschaubaren Teilnehmerkreis, um den gegenseitigen intensiven Austausch zu gewährleisten.

Mit Atemschutz und Arbeitshandschuhen

Hilde - hier duzen sich alle - ist im Alltag Dipl. Heilpädagogin. Mit Atemschutz und Arbeitshandschuhen arbeitet sie mit filigranem Gerät, aber dennoch lautstark vernehmbar, an einem Stamm, aus dem sich peu à peu eine organische, fließende Form entwickelt. Auf den ersten Blick erinnert das Werkstück an eine Tulpe. Nicht ganz falsch, meint Hilde, dreht das Werkstück. „Ich arbeite eher nicht gegenständlich“, meint Hilde. „Aber in diesem Fall ist etwas Florales nicht zu verkennen.“ Seit sechs Jahren hat sie die Holzbildhauerei als Hobby und Ausgleich zu ihrer anstrengenden Arbeit mit Kindern entdeckt.

„Hier. Kunst in sieben Minuten“. Helmut aus Hamburg, dort Leiter eines großen Kinder- und Familienzentrums und gleichzeitig Heilpraktiker für Psychotherapie., präsentiert seinen Mitstreitern mit einem schelmischen Grinsen ein „Objekt“.: Ein Stück verwitterter Mooreiche, verankert in einem Holzbrett, einfach, aber ziemlich dekorativ. Auf dem Gelände hat er bereits andere Arbeiten platziert, in die sehr viel mehr Zeit und viel seiner persönlichen Erlebnisse und beruflichen Begegnungen eingeflossen sind. Ein Gesicht, flach, grobschlächtig, vor Wut verzerrt, den Mund weit aufgerissen. Die angedeuteten Haare gleichen Flammen. „Lena. Mutter. Schuld“ hat Helmut die Skulptur getauft. Und er berichtet: Er hat die Geschichte einer jungen Frau verarbeitet, die sich in Behandlung begab, weil sie unter den ständigen Wutausbrüchen und ungerechten Anschuldigungen ihrer Mutter litt. Wenige Meter weiter eine Installation, die sofort alle Blicke auf sich zieht: Entstanden aus einem Stück Birkenholz erinnert sie an einen weiblichen Torso. Ein Astloch in der linken „Brust“ deutet ein Auge an. Ein rauer, spitz zulaufender, verwitterter dreieckiger Holzblock lehnt sich an den Torso an. Goldfarbe bildet einen krassen Kontrast. „My Two“, nennt Helmut die Installation. „Schon in Anlehnung an die „Me too“-Diskussion“, meint der Hamburger, der vor zehn Jahren seinen ersten Kurs bei dem Osnabrücker Holzbildhauer Franz Greife belegte.

Spannende Arbeit mit Holz

Eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist „die Anfängerin“ in der Runde. Ein Akazienast, hart und extrem schwer, deren Wuchs einen schlanken Korpus vorgibt, hat es ihr angetan. Zwei weitere Stelen hat sie bereits im Kreuzgang des Klosters aufgestellt. Sie dreht die Stücke ins Licht. Eine völlig andere Perspektive tut sich auf. „Das ist das Spannende an der Arbeit mit Holz“, freut sie sich.

Die Gastgeberin selbst arbeitet an einem Stammsegment, das vom Blitz getroffen wurde. In der Mitte durchgesägt, erinnert es an zwei Menschen, die sich gegenüber sitzen. Sie platziert beide Teile neu. Die Sitzenden wenden sich voneinander ab, die Kommunikation bricht ab. Die vom Blitz geschlagene Wunde im Holz zeigt sich in ganzer Härte. Welche Anordnung ist die Richtige? Gibt es die überhaupt? Oder spiegelt sie das „Innere Thema“ wider, das jeder Künstler mitbringt?

Frau, Mann - eine Installation.

2019 soll wieder ein derartiges „Profi-Holzcamp“ stattfinden. Hilde, Helmut und die Dame, die anonym bleiben möchte, wollen wiederkommen.


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