Bramscher Orgelsommer 2018 Bezaubernde Klänge in der Bramscher St. Martinskirche

Von Irina Doelitzsch-Kaufmann

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Mit Luigi Boccherinis „Introduktion und Fandango für Gitarre und Orgel“ fand dieses bunte Konzert seinen gelungenen Abschluss. Foto: Irina Doelitzsch-KaufmannMit Luigi Boccherinis „Introduktion und Fandango für Gitarre und Orgel“ fand dieses bunte Konzert seinen gelungenen Abschluss. Foto: Irina Doelitzsch-Kaufmann

idk Bramsche. Wieder einmal gab es ein Novum beim Orgelsommer 2018 in der St. Martinskirche. Zwar ist das Instrument selbst weder ungewöhnlich noch unbekannt. Doch noch nie gab es ein Konzert mit diesem Instrument beim Bramscher Orgelsommer: mit einer Gitarre.

Jeder kennt die Gitarre, wenige beherrschen sie wirklich gut. Anders die Gitarristin Nadja Kossinskaja, die ihrem Instrument bezaubernde Klänge entlockte. Zusammen mit der Organistin Ulrike Lausberg bestritten beide das dritte Konzert der Sommerreihe.

Zart und empfindsam sind die Adjektive, die dieses Konzert am besten zusammenfassen. Ein sehr abwechslungsreiches Programm präsentierten die Musikerinnen. Es reichte von Renaissancemusik über Barock, das 18. und 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Mal hörte man Gitarre und Orgel als Duo, mal das eine, mal das andere Instrument solistisch. Ausflüge in Volkslieder und folkloristische Musik sowie Sacropop ergänzten das Programm.

Heiter eröffnete das Duo mit Antonio Vivaldis „Konzert für Gitarre und Orgel in D-Dur“ (im Original für Gitarre und Streicher) den Abend. Eine angenehm dezente Registrierung wählte Lausberg für die Orgel, sodass der weiche Gitarrenklang stets gut hörbar blieb. Beide Spielerinnen harmonierten auffallend gut in Dynamik und Agogik.

Von Tielmann Susato, einem unbekannten Komponisten der Renaissance, war das erste Solostück für Orgel, für das Lausberg eine überraschend glanzlose Registrierung wählte. „Eine kleine Dankmusik“ von Susanne Kugelmeyer bot einen munteren Querschnitt durch verschiedene klassische Musikstücke. Der hier verarbeitete Gassenhauer „Danke für diesen guten Morgen“ fand sich hauptsächlich als mozartsche Nachtmusik wieder, gleichwohl das Original deutlich leichter und beschwingter daherkommt.

Wunderbare Töne

Eine Bearbeitung der berühmten Air aus Johann Sebastian Bachs „Orchestersuite D-Dur BWV 1068“ war das erste Solostück der Gitarristin, welches sie klanglich sehr einfühlsam darbot. Gänzlich anders der Ausdruck in der „Spanischen Romanze für Gitarre“ von einem anonymen Meister komponiert sowie „Asturiaz“ von Isaac Albénez. Beide Stücke klingen nach Flamenco, Kastagnetten und viel Temperament. Das ist insofern bemerkenswert, da „Asturiaz“ als Hommage an die nordspanische Region Asturien gemeint ist. Flamenco hingegen ist charakteristisch für das südspanische Andalusien. Kossinskaja überzeugte hier durch energisches und feuriges Spiel und vermochte der Gitarre wunderbare Töne zu entlocken.

Ein völlig neues Klangelement erhielt das Konzert, als Kossinskaja auch als Sängerin auftrat, von sich selbst an der Gitarre begleitend. Mit einer ausdrucksstarken, fast rauchigen Stimme bot sie den Zuhörern mit dem russischen Volkslied „Schwarze Augen“ ein ganz besonderes Hörerlebnis. Hatte sie bisher überwiegend gezupft gespielt, konnte sie jetzt alles zeigen, was man auf der Gitarre machen kann: zupfen, schlagen und sogar als Perkussionsinstrument kann sie eingesetzt werden. Mit sichtlicher Freude und viel Temperament nahm sie die Zuhörer mit. Schade war, dass alle Stücke von der Orgelempore aus gespielt wurden, sodass man die Spielerinnen nicht sehen konnte. Die flinken Finger und die Koordination zwischen rechter und linker Hand zu beobachten, wäre sicher ein Erlebnis gewesen.


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