Kaum jemand weiß Bescheid Wer ist der gestrenge Herr auf der Bramscher Stele?

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Sie fanden die Lösung: Robert Bresch (rechts) und Siegbert Strunk von der Polensektion des Bramscher Partnerschaftsverein mit der Skultur des Slawen-Gottes Świętowit am Poggenpatt. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeSie fanden die Lösung: Robert Bresch (rechts) und Siegbert Strunk von der Polensektion des Bramscher Partnerschaftsverein mit der Skultur des Slawen-Gottes Świętowit am Poggenpatt. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Seit Anfang Juni 2018 weist eine hölzerne Stele mit einem markanten Kopf zwischen Hasesee und Rathaus den Bramschern den Weg in ihre Partnerstädte. Doch wen stellt die Statue dar? Allgemeine Ratlosigkeit bei der Stadt und zunächst sogar beim Partnerschaftsverein. Eine Spurensuche, die bei einer slawischen Gottheit endet.

Wir schreiben den 28. Mai 2018. Der Bramscher Partnerschaftsverein feiert sein 40-jähriges Bestehen. Delegierte aus Harfleur in der Normandie, dem israelischen Raanana aus Todmorden im Norden Englands und natürlich auch aus Bramsches jüngster Partnerstadt Biskupiec, früher Bischofsstadt, im polnischen Masuren werden im Rathaus empfangen. Anschließend begeben sich alle zum Hasesee, um feierlich die Aufstellung einer Stele zu würdigen, deren wie Pfeilspitzen gestaltete Wegweiser die Entfernung Bramsches zu den Metropolen der Welt und natürlich auch zu den Partnerstädten kundtun. Die Bildungseinrichtung „Die Brücke“ in Hesepe hat sie überarbeitet, gesäubert und die Wegweiser gestaltet. Es werden Reden gehalten, man freut sich über die engen Verbindungen zwischen der Tuchmacherstadt und ihren Partnerkommunen. Aber wer blickt da, in Holz geschnitzt, so streng auf den See und das Rathaus? Spöttische Gemüter fühlen sich später an einen „Stadt-Promi“ erinnert, andere an einen indianischen Totempfahl.

Geschenk aus Biskupiec

Wir bitten im Rathaus um Aufklärung. Erste Recherchen von Stadt-Pressesprecherin Dorit Barz ergeben keine Klärung. Niemand im Bramscher Rathaus weiß offenbar, was es mit dem Schnitzwerk auf sich hat. Nur soviel: „Gäste aus Biskupiec haben die Stele 2006 als Geschenk zur Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages mitgebracht“, sagt Barz. Damals wurde die Stele am Tuchmacher-Museum aufgestellt, einem geschichts- und symbolträchtigen Ort für Bramsche, wo sie allerdings über die Jahre ein wenig in Vergessenheit geriet. Ein Zustand, der besonders der Polensektion des Partnerschaftsvereins nicht gefiel, weshalb man beschloss, ihr am Hasesee einen prominenteren Platz zukommen zu lassen. Ohne allerdings zu wissen, wen man da aufstellte.

Auch Menschen, die sich mit Bramscher Lokalgeschichte im Allgemeinen gut auskennen, zuckten die Schultern. Bürgermeister Pahlmann freute sich zwar über den neuen Wegweiser gefreut, musste aber ein paar Wochen später ebenfalls zugeben, dass er nicht wisse, wen die Statue, die täglich Hunderte von Schülern, Spaziergängern am Hasesee und Patienten des nahe gelegenen Krankenhauses passieren, darstellen soll.

„Vor meiner Zeit“

Sogar Partnerschaftsverein-Vorsitzender Ulrich Mönkemeyer musste passen. „Das war wohl vor meiner Zeit“. Also ein Anruf bei Robert Bresch, langjähriges Ortsratmitglied in Achmer und einer der „Väter“ der Polen-Partnerschaft, der sofort ins Schwärmen gerät über die polnische Handwerkskunst und die prachtvollen Schnitzereien, die dort viele Gebäude verzieren. Den langbärtigen und langhaarigen Gefährten auf der Stele kennt er zwar nicht, aber jemanden, der Auskunft geben könnte: Dariusz Marchlewski, ebenfalls ein Urgestein der Partnerschaft, der Reisen und Projekte akribisch dokumentierte und häufig auch als Dolmetscher fungierte. „Darek“, wie ihn alle nennen, antwortete umgehend auf Breschs Mail und lieferte endlich des Rätsels Lösung: Świętowit, ein slawischer Gott, dem die Legende einen Wohnsitz auf Kap Arcona auf der Insel Rügen zuschreibt. Świętowit wird meist mit vier Gesichtern dargestellt (in Bramsche sind es nur zwei). Der Legende nach führte er seine Anhänger zu Wohlstand und militärischem Erfolg. Klassische Darstellungen zeigen ihn mit einem weißen Pferd und einem Horn. Jedes Jahr wurde dieses Horn während der Ernte mit Wein gefüllt, blieb es voll, waren ein Jahr Wohlstand und Fülle gewährleistet, anderenfalls drohten Missernten. Auch vor Kriegszügen war Świętowit Rat gefragt. Man weihte ihm ein weißes Ross und trieb es über drei Reihen in den Boden gesteckter, gekreuzter Speere. Ging der Schimmel mit dem rechten Fuß voran, war der Kriegszug erfolgreich, schritt es mit dem linken Fuß voran, ließ man lieber die Finger davon..

Diese Fähigkeiten werden zum Glück in Bramsche nicht gebraucht. So genießt Świętowit seinen gemütlichen Götter-Ruhestand mit Blick auf den schönen Hasesee.


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