Serie: Leben im Denkmal Bramscher Architekt machte aus „Rattenburg“ eine Perle


Bramsche . Traum und Lebensziel für die einen, teurer Horror für die anderen: Am Leben in einem denkmalgeschützten Haus scheiden sich die Geister. Was macht den Reiz alter Häuser aus? In der Serie „Leben im Denkmal“ wollen wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Heute besuchen wir den Architekten Dieter Kemp.

Baudenkmäler begleiten Dieter Kemp durch sein ganzes Berufsleben. Seine Examensarbeit im Studium schrieb der Architekt über das Kloster Malgarten, damals noch im Besitz des Landkreises Osnabrück. Später entstand eine regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Besitzer des Klosters, Andreas Wilhelm. Baufällige, aber erhaltenswerte Immobilien wieder fachgerecht herzurichten ist zu einer Spezialität seines Büros geworden. Da ist es kein Wunder, dass Kemp in einem denkmalgeschützten Haus wohnt und in einem anderen arbeitet.

Platz für Büro gesucht

Früher war auch das Büro von Dieter Kemp in seinem Wohnhaus an der Bahnhofstraße. Die Villa steht mit den anderen an dieser Straße unter Ensembleschutz, keines der geschichtsträchtigen Häuser darf von außen verändert oder gar abgerissen werden. Das Büro dort wurde mit der Zeit zu klein und so hielt Kemp Ausschau nach einem anderen Standort. So stieß er auf das Haus am Brückenort 17, das er von der Stadt gekauft und bis 1995 „komplett saniert“ hat.

„Rattenburg“ hieß das leerstehende Haus in Bramsche. Das lässt ahnen, in welchem Zustand sich das einstige Heuerhaus zum Meyerhof befand. Damals lag es „am Ende der Welt“und „sah gruselig aus“, wie Kemp sich erinnert. Man braucht schon Phantasie, sich das heute vorzustellen: Am Brückenort war Bramsche damals zu Ende, die Hemker Straße mitsamt der Bebauung in diesem Abschnitt vor dem Brückenort-Kreisel gab es damals nicht. „Da haben wir als Kinder in den Wiesen gespielt“, erzählt Kemp.

Restauratoren aus der Slowakei

Die aufwendige Restaurierung des Hauses ließ sich unter anderem deshalb finanziell darstellen, weil es im städtischen Sanierungsgebiet lag. Eine große Hilfe waren die Experten einer slowakischen Restaurationsfirma, mit denen Kemp auch beim Kloster Malgarten zusammenarbeitet. So wurde aus der einstigen „Rattenburg“ eine kleine Perle, die gleichzeitig auch eine Visitenkarte für das Architekturbüro ist. Im Erdgeschoss haben Kemp und seine neun Mitarbeiter ausreichend Platz, der sich auf verschiedene Ebenen verteilt. Zu Kemps Büro und den Besprechungsraum führen ein paar Stufen hinauf, zwei Kolleginnen haben ihre Schreibtische auf einer Art Empore, während der Rest an den großen Fenstern Platz findet. Unterteilt wird das Erdgeschoss durch die freigelegten Holzbalken, Wände gibt es nicht zwischen den Schreibtischen. Trotz der urigen Atmosphäre sind die Büros auf verschiedenen Ebenen lichterfüllt, ganz wie es sich für den Arbeitsplatz eines Architekten gehört.

Keine Zuschüsse

„So etwas lohnt sich nur, wenn man es geschäftsmäßig macht“, räumt Kemp ein. Zuschüsse von der Denkmalpflege gibt es nicht, die fließen höchstens mal für Projekte von besonderer Bedeutung, wie etwa beim Gut Sögeln. „Nicht zu unterschätzen“ sei allerdings die Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit. Die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege findet er unproblematisch. „Das ist ein Geben und Nehmen“, beschreibt er das Ringen um Kompromisse zwischen bauhistorischer Authenzität und modernen Ansprüchen an die Wohnlichkeit.

„Jeder Altbau ist völlig anders“, hat Dieter Kemp im Laufe der Jahre und Projekte festgestellt. Unverändert reizvoll ist es für ihn, den besonderen und oftmals verborgenen Charme alter Häuser zu entdecken und zu betonen. Das führe zu individuellen Lösungen. Ein weiterer Faktor, der Altbauten für viele attraktiv macht: Sie befinden sich eigentlich immer in bester Lage, sei es in der Innenstadt oder als Kotten auf dem Land. Wie die einstige Bramscher „Rattenburg“, die vom „Ende der Welt“ an den Rand der Innenstadt gerückt ist.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN