Veranstaltung im Rathaus Vortrag in Bramsche zur Dach- und Fassadenbegrünung

Von Lina Kruse

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Bramsche. „Ökologisch orientierte Gestaltungsansätze: Dach- und Fassadenbegrünung“ war der Titel eines Vortrags im Rathaus der Stadt Bramsche.

Im großen Sitzungssaal hatten sich etwa 30 Zuhörer eingefunden, um von der Landschaftsarchitektin Prof. Dr.-Ing. Nicole Pfoser einen Überblick über verschiedene Begrünungsmöglichkeiten zu erhalten. Bürgermeister Heiner Pahlmann, der zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte, erläuterte, dass man sich bezüglich der Thematik informieren wolle. So solle, wenn möglich, das geplante Gewerbegebiet „Eiker Esch“ attraktiver gestaltet werden. Ziel sei es, die Akzeptanz des Gebietes in der Bürgerschaft zu erhöhen. Das „Eiker Esch“ liegt direkt neben dem bestehenden Industrie- und Gewerbegebiet in Schleptrup, in dem derzeit die Firmen Amazone und Elos bauen.

In ihrem Vortrag erläuterte Pfoser, Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, die verschiedenen Leistungsfaktoren zur Gebäudeoptimierung und Umfeldverbesserung. Am Beispiel anderer Vorzeigeprojekte drei verschiedener Städte zeigte sie deutlich und klar verständlich die Vorteile der Begrünungsvariationen.

Durch immer stärker werdende Wetterextreme, zunehmenden Lärm und Kohlendioxid-Ausstoß stehe auch die Industrie in Zukunft vor neuen Herausforderungen, so Pfoser. Die prognostizierten Folgeschäden, beispielsweise durch Unwetterereignisse, könnten laut der Referentin durch Begrünung stark vermindert werden. „Die Pflanzen mindern vor allem die Folgen von Starkregen, sie absorbieren Schall und Licht, binden eine große Menge CO2 und nebenbei steigern sie noch enorm die Lebensqualität vor Ort“, erklärte die Landschaftsarchitektin.

Doch nicht nur einen groben Überblick der Vorteile einer Begrünung wurden erläutert, sondern auch konkrete Bepflanzungsformen vorgestellt und Tipps an den Mann und die Frau gebracht. So konnten Pahlmann und die anderen Zuhörer eine genaue Idee von Wand- und Dachbegrünung, voraussichtlichen Kosten und unterschiedlichen Möglichkeiten erhalten. Pfoser betonte ein hohes Begrünungspotential. Vor allem in Gebwerbe- und Industriegebieten würden häufig besonders gut begrünbare Hochdächer verbaut. „Wenn wir 60 Prozent Begrünung in Städten erreichen würden, könnten wir sie bis zu 1,2 Grad abkühlen. In Relation gesehen also eine ganze Menge“, so die Referentin. „Dabei darf man den wirtschaftlichen Faktor nicht außer Acht lassen. Durch die steigende Hitze wird es zwangsläufig zu einer Reduktion der Arbeitsleistung kommen. Eine Bepflanzung ergibt also vor allem in Gewerbegebieten, in denen so viel täglich geleistet wird, eine Menge Sinn“, schlussfolgerte sie. Das aktuelle Problem sei allerdings vor allem die flächendeckende Versiegelung, die in solchen Gebieten stattfinde. „Da kann so nicht viel leben“, stellte die Expertin klar.

Konkrete Tipps genannt

Um auch Unternehmer, Firmen und Bürger für die Begrünung zu erwärmen, gab es sogar konkrete Tipps und verschiedene Maßnahmen. „Es ist wichtig, den Bürger mitzunehmen“ stellte sich als Grundgedanken heraus.

Nach dem 90-minütigen Vortrag war ein gemeinsames Gespräch zwischen den Zuhörern und der Fachfrau geplant. Bürgermeister Pahlmann zeigte sich anfänglich jedoch relativ sprachlos aufgrund der großen Informationsflut. „Da haben wir noch einiges an Arbeit vor uns“, meinte er. Die anwesenden Bürger waren geteilter Meinung. Vor allem die Frage nach der Finanzierung beschäftigte die Anwesenden. Die potenziellen Unternehmen sollten nicht durch Zusatzkosten belastet werden.

Pfoser empfahl es, sich mit den Firmen zusammenzusetzen und spezielle Beratungen anzubieten. Zusatzkosten könnten so mit Hilfe gut durchdachter Planung teilweise vermieden werden. Wichtig sei es, die Menschen im Vorfeld mitzunehmen, zu überzeugen und ihre Zweifel gemeinsam zu entkräften. „Die Zeit ist oft eher das Problem als der Wille. Es ist vor allem wichtig, dass Verwaltungswege kurz gehalten werden. Da zeigt sich der Vorteil einer Kleinstadt deutlich“, war sich die Landschaftsarchitektin sicher. Auch die Möglichkeit, sich Tipps aus anderen ähnlich großen Städten einzuholen, wurde von den Anwesenden als positiv aufgenommen. Außerdem steht die Möglichkeit einer kostenfreien professionellen Beratung offen.

Die Entscheidung seitens der Stadt zwischen schneller Vermarktung und langer, aber gut durchdachter Planung wurde zunehmend deutlicher. Pahlmann kam zu dem Schluss, dass es sinnvoll sei, in diesem Sommer vorerst Grundlagenarbeit zu leisten. „Wir haben noch viel Bedarf zum Nachdenken“, so der Bürgermeister, der um einige Informationen und Inspirationen reicher den Abend beendete.


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