Nyendo-Netzwerk Evinghausen: Schülerfirma unterstützt Kenia-Projekt

Von Holger Schulze

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Nyendo heißt auf Kishuaeli Bewegung. Einige Teilnehmer am Nyendo-Netzwerk bewegten sich nun erstmals mit zwei Angeboten ihrer Schülerfirma bei dem schulinternen Sommerfest in Evinghausen in einer breiteren Öffentlichkeit. Foto: Holger SchulzeNyendo heißt auf Kishuaeli Bewegung. Einige Teilnehmer am Nyendo-Netzwerk bewegten sich nun erstmals mit zwei Angeboten ihrer Schülerfirma bei dem schulinternen Sommerfest in Evinghausen in einer breiteren Öffentlichkeit. Foto: Holger Schulze

Evinghausen. Die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern der Waldorfschule Evinghausen am Hilfsprojekt „Nyendo-Netzwerk“ nimmt Gestalt an. Das Netzwerk stellte sich nun erstmals im Rahmen des schulinternen Sommerfestes mit seinen aktuellen Aktivitäten vor.

Nyendo bedeutet auf Kishuaeli Bewegung. Das Netzwerk ist als Schülerfirma konzipiert. „Nyendo lernen – Hand in Hand“, so die etwas bildhaftere Überschrift der Initiative, wurde in Evinghausen im Oktober 2017 an den Start gebracht. Bundesweit gehören gegenwärtig fünf Schulen diesem Netzwerk an. Federführend in die Hand genommen hatten diesen Start an der hiesigen Waldorfschule Alexander Piecha und Regine Meyer zu Strohe aufgrund persönlicher Eindrücke von den Lebensverhältnissen in Kenia, insbesondere in den Slums von Nairobi.

Dort verdient ein Lehrer in den Slumschulen umgerechnet 50 Euro im Monat, bei mit dem Niveau von Deutschland vergleichbaren Lebensmittelpreisen in den Supermärkten. Dies aber auch nur zehn Monate pro Jahr , denn in den Ferien gibt es kein Geld für die Lehrer, wie Piecha berichtete. Und wenn dann noch Präsidentschaftswahlen oder Unruhen anstehen, bleiben die Schulen kurzerhand zusätzlich geschlossen. Diese Gehaltslücke zu überbrücken half die Waldorfschule Evinghausen bereits mit 7500 Euro, erwirtschaftet beim letzten Basar und durch Spenden.

20 Schüler aktiv

Nun aber greifen rund 20 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen neun bis 11 aktiv in das Geschehen mit dem Aufbau ihrer Schülerfirma ein. Der Verkauf von Schulkleidung, das Aufstellen von Sammeltonnen für Pfandflaschen auf dem Schulgelände, das Catering bei Schulveranstaltungen wie den Präsentationen der Facharbeiten, Schulentlassfeiern, Klassenspielen, den „Künstlerischen Abschlüssen“ und etliche Ideen mehr sind vorhanden und sollen in die Tat umgesetzt werden. Ein erster Schritt hierzu war der Verkauf von afrikanischem Fingerfood, Sweat- und T-Shirts, Turnbeuteln und Frühstücksdosen beim Schulfest.

Auch die Waldorfschule selbst unterstützt das Projekt mit 3000 Euro, von denen der organisatorische Unterbau der Initiative gesichert wird. So steht zum Beispiel in den Herbstferien der Besuch aus Afrika bei den Waldorfschulen in Schwerin, Ottersberg, Melle, Kakentorf und Hannover an, um dort für einen Beitritt zum Netzwerk zu werben. Dies alles kostet Geld und wird von der Waldorfschule Evinghausen finanziell unterstützt. Denn das Ziel, für die bereits 14 in Afrika im Netzwerk zusammengeschlossenen Schulen mindestens einen Partner in Deutschland zu finden, ist noch nicht erreicht.

„Helfen, die Armut und den Hunger in Kenia, einer der ärmsten Regionen der Welt zu reduzieren“, das ist das Anliegen des Nyendo-Netzwerkes. Aber der ehrenamtliche Einsatz der Schüler für die Partnerschule bringt auch in Deutschland etwas in Bewegung. Wer in Evinghausen am Netzwerk mitarbeitet, lernt nebenbei, wie eine Unternehmensgründung funktioniert, wie ein Finanzierungsplan aussehen kann, wie Bankgespräche geführt und Vertriebsstrategien entwickelt werden. Außerdem haben die Nyendo-Netzwerker in der 12 Klasse die Möglichkeit, auf Wunsch das zum Ende der Schulzeit in Evinghausen obligatorische Praktikum in einer sozialen Einrichtung in Afrika wahrzunehmen.

Unternehmertum als Wahlfach

Und auch im Stundenplan der Schule selbst wird es eine Weiterentwicklung im Zusammenhang mit dem Projekt geben. „Im nächsten Schuljahr haben wir Nyendo unter der Überschrift „Entrepreneurship“ für die Zwölftklässler als Wahlfach im Unterrichtsangebot. Unternehmertum als Schulfach ist in Deutschland noch ein ziemlich neues Thema, in anderen Ländern aber schon etablierter. Mal sehen, was sich daraus für Evinghausen ergibt“, so Waldorflehrer Alexander Piecha.


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