Hinweis auf Brut- und Setzzeit Pente: Rehkitz durch freilaufenden Hund in Kanal getrieben?

Von Henning Stricker

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In Pente ist am Mittwoch offenbar ein Rehkitz im Mittellandkanal ertrunken. Feuerwehrleute, aber auch der Bundesförster können sich vorstellen, dass es vor einem freilaufenden Hund geflüchtet ist. Symobolfoto: Patrick Seeger/dpaIn Pente ist am Mittwoch offenbar ein Rehkitz im Mittellandkanal ertrunken. Feuerwehrleute, aber auch der Bundesförster können sich vorstellen, dass es vor einem freilaufenden Hund geflüchtet ist. Symobolfoto: Patrick Seeger/dpa

Pente. In Pente ist am Mittwoch vermutlich ein Reh im Mittellandkanal ertrunken. Feuerwehrleute vermuten, dass eventuell ein nicht angeleinter Hund das Kitz aufgescheucht hat und es deswegen ins Wasser gesprungen ist.

Die Ortsfeuerwehr Pente wurde am Mittwoch zu einer Tierrettung am Mittellandkanal alarmiert. Die einige Minuten später eintreffenden ehrenamtlichen Feuerwehrleute konnten aber weder das im Wasser schwimmende Rehkitz ausfindig machen noch den Anrufer antreffen, der die Rettungsleitstelle in Osnabrück darüber informiert hatte. „Wir haben den Bereich zwischen der B68-Brücke und dem Sperrtor nach dem Rehkitz abgesucht, konnten es aber nicht entdecken“, berichtet Ortsbrandmeister Rolf Stückemann. Was wir jedoch bemerkt haben, ist, dass einige Menschen mit ihren Hunden am Kanal spazieren gehen und diese trotz Brut- und Setzzeit nicht angeleint waren“, so Stückemann weiter.

Die Feuerwehrleute vermuten, dass eventuell ein nicht angeleinter Hund das Rehkitz aufgescheucht hat und es deswegen in den Kanal gesprungen ist. „In diesem Bereich ist das Ufer des Kanals mit einer Spundwand versehen. Wenn ein Tier dort im Wasser ist, kommt es von alleine nicht mehr heraus“.

Brut- und Setzzeit bis 15. Juli

Der für den Bereich des Mittellandkanals und den ehemaligen Truppenübungsplatz in Achmer und Westerkappeln zuständige Bundesförster, Rainer Schmidt von der Bundesforstverwaltung, teilt die Vermutung der Feuerwehr. „Rehe springen nicht freiwillig in den Kanal. Wenn es dann passiert ist, dann können sie sich vielleicht 20 Minuten über Wasser halten. Sollten sie es dann nicht an das Ufer geschafft haben, ertrinken sie“, so Schmidt. In diesem Zusammenhang weist Schmidt darauf hin, das jährlich in der Brut und Setzzeit vom 1. April bis zum 15. Juli ein genereller Leinenzwang besteht. „Ich fahre ja selber des Öfteren mit dem Fahrrad am Kanal entlang nach Bramsche und habe oft plötzlich nicht angeleinte Hunde neben mir laufen.“ Auch auf dem Truppenübungsplatz in Achmer treffe er gelegentlich Hundehalter, die ihre Hunde dort freilaufen lassen. „Gerade jetzt in der Brut und Setzzeit sind auf dem Truppenübungsplatz seltene Vögel wie die Feldlerche am Brüten, und für die ist ein freilaufender Hund eine große Störung“, so Schmidt weiter. „Wenn man sie auf ihr Fehlverhalten anspricht, dann bekomme ich zu hören, dass man am Kanal seinen Hund nicht freilaufen lassen kann, dort lassen schon viele andere Mitbürger ihre Hunde frei laufen und dann kommt es zu Rangeleien unter den Tieren“, schildert Schmidt.

Eine Nachfrage bei dem Außenbezirk 1 des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Minden in Bramsche bestätigt Schmidts Aussage. „Als Eigentümer der Grundstücke, auf denen der Betriebsweg am Mittellandkanal verläuft, ist das Wasserstraßen-und Schifffahrtsamt wie jeder andere Grundstückseigentümer dem Niedersächsischen Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) sowie dem Landesforstgesetz für NRW verpflichtet. Diese Gesetze besagen, dass in der freien Landschaft jede Person verpflichtet ist, in der Brut- und Setzzeit unter ihrer Aufsicht stehende Hunde an der Leine zu führen. Der Begriff freie Landschaft umfasst dabei sämtliche für die Öffentlichkeit frei zugänglichen Landschaften und gilt somit auch für die frei zugänglichen Landschaften am Mittellandkanal und Stichkanal“, so Heike Schröder vom Außenbezirk Bramsche des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Minden.

Verordnung der Stadt Bramsche

Ähnlich sieht es auch Georg Tramontin, Pressesprecher der Wasserschutzpolizeiinspektion Oldenburg. Er weist zudem darauf hin, dass auch Paragraph 33 des Gesetzes anwendbar könnte. „Dieser verpflichtet jeden Hundehalter dafür zu sorgen, dass sein Hund nicht streunert oder wildert, unabhängig von der Brut- und Setzzeit. Zusätzlich sei erwähnt: Wenn an das Gewässer ein Jagdgebiet angrenzt, dann könnten hier auch Jagdbestimmungen greifen. Dies könnte bedeuten, dass Jagdpächter freilaufende Hund erschießen könnten“, erklärt Tramontin.

Wo der besondere Schutz wegen der Brut- und Setzzeit nicht gilt, greift zudem die „Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit“ der Stadt Bramsche. Diese besagt, dass Hunde das ganze Jahr über auf Straßen und in Anlagen an einer kurzen Leine zu führen sind. Für die Überwachung der Leinenpflicht – sei es nach dem NWaldLG oder nach der Verordnung, ist die Stadt Bramsche zuständig. Sie kann bei Nicht-Einhaltung Bußgelder verhängen – und die sind nicht niedrig“, betonen Schmidt und Tramontin zum Abschluss.


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