Mädchen bleiben draußen Jungen lernen in der Kita Hesepe faires Kämpfen

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Wer ist der Stärkste? Auf der Matte ist voller Einsatz von den Jungen gefragt. Fotos: Hildegard Wekenborg-PlackeWer ist der Stärkste? Auf der Matte ist voller Einsatz von den Jungen gefragt. Fotos: Hildegard Wekenborg-Placke

Hesepe. Einmal nach Herzenslust kämpfen und rangeln - und das, ohne dafür ausgeschimpft zu werden. In der Kindertagesstätte Hesepe wurde dieser Traum vieler kleiner Jungs in den vergangenen Monaten wahr, aber immer fair und nach klaren Regeln.

„Pfiffige Jungs - echte Kerle“, heißt das Projekt, das Jan Sempt von „Pfiff e. V. und Daniel Wegner von der Awo in den letzten Monaten in der Kita mit Familienzentrum angeboten haben. So sind auch nur funf- bis sechsjährigen Jungs angesprochen. Mädchen hatten in dieser Runde einmal nichts verloren, und darauf hätten die Teilnehmer auch immer bestanden, erzählt TrainerSempt. Nicht einmal Kita-Leiterin Sabine Stein durfte einen Blick riskieren, wenn es mal wieder darum ging, den stärksten, geschicktesten oder schlausten Kämpfer zu ermitteln. „Die Mädchen waren lange auf dem Vormarsch. Es hat ganz viele Angebote für sie gegeben“, erklärt er weiter.

Deshalb sind jetzt einmal die Jungen dran. Viele haben einen hohen Bewegungsdrang oder einfach viel Power. Andererseits mangele es während der Kindergarten- und dere Grundschulzeit „und manchmal auch zuhause“ an männlichen Identifikations- oder auch Autoritätspersonen, ergänzt Wegner. In diesem Kurs sind sie da, in Gestalt von Sempt und Wegner, die mal als Trainer und Anleiter, mal als Psycho-Coach und auch mal als Schiedsrichter gefragt sind. Beide arbeiten nach dem Konzept der Kampfspiele von Josef Riederle, eines Sozialpädagogen, der sich besonders der geschlechtsspezifischen Arbeit mit Jungen und Männern verschrieben hat.

Harter Fight um die „Eisscholle“

„Beißen, kratzen, treten, gibt es nicht“, wiederholt Sempt noch einmal, bevor die kleinen Heseper sich einen harten Fight um den letzten Platz auf der Eisscholle, die in diesem Fall eine dicke Turnmatte ist, liefern. Die Spiele folgen strikten Regeln und Fairnessritualen. Sempt und Wegner erklären: Bevor es auf die Matte geht, begrüßen sich die Kinder mit geöffneten Händen, bilden dann mit ihren Trainern einen Kreis, fragen sich gegenseitig, ob sie kämpfen möchten. Ein Nein wird dabei ebenso ohne Murren akzeptiert wie ein Ja. Dann versprechen sie sich reihum, fair zu sein. Und fragen nach dem Kampf ebenso, ob sie fair gekämpft haben. „Die strengen Rituale bringen die Jungen dazu, nachzudenken über das, was sie gleich tun werden. Unsere Hoffnung ist, dass sich diese Strukturen soweit einprägen, dass sie vielleicht das nächste Mal, wenn sie geschubst werden, nicht gleich zurück hauen“, meint Wegner.

Stolz präsentieren die Nachwuchskämpfer Urkunden und Süßigkeiten. Immer mit dabei Daniel Wegner von der Awo (links) und Jan Sempt (Pfeff e.V.)

Insgesamt neun Jungen haben an dem aktuellen Kurs teilgenommen, der mit sogenannten FUA- Mitteln (fallunabhängige Mittel) durch den Sozialraum 3 mit seinem Leiter Jörg Röls gefördert wurde. Jetzt erhielten sie ihre Urkunden, und was sie nicht weniger freute, eine gut gefüllte Tüte mit Süßigkeiten. Anschließend ging es zum Abschluss und zur Belohnung für die fairen Kämpfe ins Spieleparadies Bullermeck am Alfsee.


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