Dersa-Fankurve für 1500 Besucher Public Viewing: Was Damme anders macht als Bramsche

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Auf dem Kirchplatz in Damme finden unter einem großen Dach bis zu 1500 Fußball-Fans zum Public Viewing Platz. Foto: Dersa KinoAuf dem Kirchplatz in Damme finden unter einem großen Dach bis zu 1500 Fußball-Fans zum Public Viewing Platz. Foto: Dersa Kino

Bramsche. In Bramsche gibt es zur Fußball-WM 2018 kein größeres Public Viewing. Anders in Damme: Mitten in der Stadt können dort bis zu 1500 Besucher die Partien in der „Dersa-Fankurve“ gemeinsam schauen. Warum klappt das in Damme, in Bramsche aber nicht? Wir haben nachgefragt.

Erinnern wir uns zurück: 2014, Fußball-WM in Brasilien. Die deutsche Mannschaft absolviert recht souverän die Gruppenphase, wackelt im Achtelfinale gegen Algerien, überzeugt im Viertelfinale gegen Frankreich, sorgt für eine Sternstunde beim 7:1-Halbfinalsieg gegen Brasilien und holt sich letztlich gegen Argentinien den WM-Titel. Ein traumhafter Sommer – auch für viele Fußballfans in Bramsche: Hunderte Besucher kommen auf den Marktplatz, feiern dort ausgelassene, aber rundum friedliche Feste zu den Spielen der deutschen Elf, die dort auf einer 20 Quadratmeter großen LED-Wand gezeigt werden.

Das damalige Public Viewing war das erste dieser Größenordnung – und bis heute auch das letzte. Dabei wäre es fast nicht einmal zu der Premiere gekommen. Die Stadt Bramsche hatte zunächst erhebliche Bedenken, die von den Schaustellern Roman Heyn und Ralf Müller zusammen mit Vanessa Urner (Catering) geplanten Veranstaltungen zu genehmigen, insbesondere wegen möglicher Überschreitungen des zulässigen Lärmpegels. Die Entscheidung pro Public Viewing fiel erst „kurz vor knapp“.

Hinterher war man – anders als in Bramsche oft behauptet wird – auch bei der Stadt ganz angetan. Bürgermeister Heiner Pahlmann fragte sogar vor der Europameisterschaft 2016 bei Roman Heyn an, ob der nicht erneut ein Public Viewing veranstalten wolle. Doch Heyn wollte und konnte auch nicht: Er hatte alle seine LED-Wände bereits vermietet. Genauso wie auch jetzt zur WM 2018. Einzig eine Reserve-Leinwand hatte Heyn noch in der Hinterhand. Die konnte er einen Tag lang für „Die Stadt in Kinderhand“ zur Verfügung stellen. Aber nicht damit eine Vier-Wochen-Veranstaltung auf dem Bramscher Marktplatz bestreiten. Denn die LED-Wand muss verfügbar bleiben, falls einer der vermieteten Großbildschirme ausfallen sollte.

Hohe Kosten für LED-Wand

Die Miete einer einer solchen LED-Wand kann über einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen übrigens mit einer Summe im mittleren fünfstelligen Bereich zu buche Schlagen. Dies könnte ein Grund sein, dass sich nie mehr andere potenzielle Veranstalter im Bramscher Rathaus gemeldet haben. Das ist dann auch der erste gravierende Unterschied zu Damme, wo Public Viewing zu einem großen Event geworden ist mit der Dersa-Fankurve. „Die Initiative ging von Veranstaltern aus, die in der Vergangenheit Public Viewings in kleinerem Rahmen organisiert hatten“, teilt die Stadt Damme auf Anfrage mit. Das waren im Jahr 2006 Alexander Thye (Dersa Kino) am Dersa Kino und im Jahr 2010 Alexander Thye und Franz-Bernd Dorenkamp (Getränkehaus Dorenkamp) im Getränkehaus Dorenkamp an der Lindenstraße. „Damals entstand die Idee, eine solche Veranstaltung auf dem Kirchplatz zu veranstalten. 2014 fand ein Public Viewing in der Scheune Leiber statt. Für das Jahr 2016 kam von Seiten der Kirchengemeinde das Signal, dass der Kirchplatz für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt werde. Das Stadtmarketing war an den Gesprächen dazu beteiligt“, skizziert Sprecherin Sigrid Schüler die Entwicklung hin zur „Dersa-Fankurve“, die heute bis zu 1500 Fans Platz bietet, wetterunabhängig unter einem Paragu, also einem großen Dach. Als Veranstalter tritt die Thye & Kettler Event GmbH auf.

15 Sponsoren in Damme

Die Sorge, dass die deutsche Mannschaft frühzeitig ausscheidet, dürfte auch in Damme vorhanden sein. Denn bei nur drei Spielen statt möglicher sieben werden die Einnahmen aus Getränke- und Speisenverkauf erheblich niedriger ausfallen. Allerdings wird die „Dersa-Fankurve“ von gleich 15 Sponsoren getragen, die das wirtschaftliche Risiko deutlich senken dürften. Und auch die Stadt Damme „engagiert sich finanziell über das Stadtmarketing“, nennt die dortige Sprecherin Sigrid Schüler einen weiteren Unterschied zu Bramsche, ohne allerdings eine konkrete Summe zu beziffern. 2016 zur EM hatte die Stadt Damme zudem für die Sponsorenakquise „auf Wunsch der damaligen Veranstalter gezielt einige Betriebe angesprochen, um ein positives Signal zu setzen“, so Schüler weiter.

So eine große Unterstützung hat es in Bramsche seitens der Stadt 2014 nicht gegeben. Auch in der Folge wurde über mögliche finanzielle Anreize für ein Public Viewing nicht gesprochen – zumindest nicht in öffentlichen Sitzungen der Kommunalpolitik. Das Grundproblem aber war und ist auch 2018, dass es keinen Veranstalter gibt, der ein Public Viewing in Bramsche ausrichten will. Anders als in Damme.


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