Besuch in Flüchtlingsunterkunft Polat: LAB Hesepe ohne Ankerzentrum Pilotprojekt

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Renovierte Unterkünfte zeigte Klaus Dierker den Besucherinnen um Filiz Polat (links vorne) beim Rundgang. Foto: Heiner BeinkeRenovierte Unterkünfte zeigte Klaus Dierker den Besucherinnen um Filiz Polat (links vorne) beim Rundgang. Foto: Heiner Beinke

Hesepe. „Die LAB Bramsche-Hesepe taugt durchaus als Pilotprojekt für die Erstaufnahme von Flüchtlingen, aber so wie sie jetzt ist. Wir brauchen kein Ankerzentrum“. Mit diesen Worten bezog die Grünen-Bundestagsabgeordnete Filiz Polat am Freitag Stellung nach einem Besuch in Hesepe.

Sie hoffe, dass die niedersächsische SPD mit Innenminister Boris Pistorius sich schützend vor die Einrichtung in Hesepe in ihrer jetzigen Form stelle, meinte Polat, die vor dem Einzug in den Bundestag 13 Jahre im niedersächsischen Landtag gewesen ist und dort auch an der Ausrichtung der LAB in Hesepe als Ankunftszentrum mitgewirkt hat. „Es läuft ganz gut, so wie es jetzt läuft“, fasste sie ihren Eindruck zusammen.

Kein Konzept

Das würde sich in Ankerzentren, in denen auf Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive Druck aufgebaut werden solle, definitiv zum Schlechten ändern, ist sich die Bundestagsabgeordnete sicher. Wobei sie im Gespräch mit dem Leiter der LAB Hesepe, Klaus Dierker, und den Vertreterinnen des Kreisverbands der Grünen, Annette Specht und Felizitas Exner, noch einmal betonte, dass es überhaupt nichts Schriftliches zu den Ankerzentren gebe, die Bundesinnenminister Horst Seehofer einführen will. Diese Arbeitsweise wie die daraus resultierende Diskussion fand sie „schon sehr schräg“.

Auch Klaus Dierker betonte, es gebe keine einzige konkrete Ansage zu den Ankerzentren. Es gebe auch keine Informationen zu der Frage, wer Träger solcher Einrichtungen sein soll und wie die rechtlichen Voraussetzungen sein sollen. Inhaltlich allerdings gebe es nach dem, was bekannt ist, in Teilen Übereinstimmung: „Vieles von dem, was in Ankerzentren passieren soll, machen wir schon“ meinte Dierker mit Blick auf die enge Verzahnung der Abläufe im Verfahren mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

„Standzeiten“ ein Problem

Problematisch sei allerdings, dass Flüchtlinge ohne Perspektive dauerhaft in der Einrichtung verbleiben sollen, warf Polat ein. Längere „Standzeiten“ seien ein Problem, bekräftigte Dierker. Betroffen seien vor allem junge, alleinreisende Männer, mithin die Klientel, die ohnehin die meisten Sorgen mache. „Die brauchen wirklich sinnvolle Beschäftigung“, meinte Dierker, der eine intensive, begleitende Sozialarbeit für notwendig hält.

Genau die sei in Seehofers Plänen aber nicht vorgesehen, betonte Polat. Sie erinnerte daran, dass auch Hesepe unter dem CDU-Innenminister Schünemann schon einmal zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge ohne Perspektive gewesen sei. Damals habe es regelmäßige Proteste gegeben. Sie befürchtete, dass sich der Streit auf Bundesebene auch in der niedersächsischen großen Koalition fortsetzen werde.

Für ein akutes Problem der LAB-Hesepe sei dieser Streit aber wohl nicht verantwortlich: Die Entscheidung über den Ankauf der kompletten Immobilie in Hespe verzögere sich eher, weil die CDU die von der rot-grünen Regierung beschlossene Millioneninvestition scheue, vermutet Polat. Von dieser Kaufentscheidung hängt allerdings die Realisierung des umfassenden Modernisierungskonzeptes für den Standort ab. Dazu könne er nichts sagen, wehrte Klaus Dierker ab. Nur soviel: „Wir warten händeringend auf eine Entscheidung“


In der LAB Bramsche-Hesepe sind aktuell 750 Geflüchtete untergebracht. Die meisten von ihnen kommen nach Angaben von Klaus Dierker aus dem Irak, Syrien, Afghanistan, Türkei und Sudan. Insgesamt seien Menschen aus über 40 verschiedenen Herkunftsländern in der ehemaligen Kaserne versammelt.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN