Eichenprozessionsspinner Bramsche: Giftige Raupen halten Experten auf Trab

Von Heiner Beinke


Bramsche. Die Eichenprozessionsspinner haben Bramsche im Griff. Täglich gehen im Rathaus neue Meldungen mit Sichtungen der giftigen Raupen ein. Der städtische Umweltexperte Johannes Fünfzig hat in den letzten zwei Tagen „nichts anderes gemacht“, als EPS-Nester zu begutachten.

EPS, das ist das Kürzel, das Profis wie Hubert Potthast für den Eichenprozessionsspinner verwenden. Als Mitarbeiter einer Schädlingsbekämpfungsfirma hat auch er jetzt regelmäßig mit den Raupen und ihren giftigen Brennhaaren zu tun. „Das ist kein Spaß. Wenn wir da rangehen, dann nur mit Schutzanzug und Vollmaske“, weiß er um die heftigen allergischen Reaktionen, die die Berührung mit den feien Brennhaaren des Spinners auslösen kann. Mit einem Befall in den jetzigen Dimensionen habe in dieser Region „niemand gerechnet“, sagt der Experte. Wobei Bramsche noch besser dran sei als zum Beispiel der Nordkreis oder der Raum Ibbenbüren.

Einsatz in Sögeln

Im Bramscher Stadtgebiet ist Sögeln ein Brennpunkt. Dort waren am Mittwoch die Anlieger erleichtert, als die Straßenmeisterei Fürstenau in Begleitung von Kollegen von Potthast auftauchten. Ausgerüstet mit Hubsteiger, weißen Schutzanzügen und Vollmasken fuhren sie von Eiche zu Eiche und saugten die Nester, in denen sich die Raupen tagsüber sammeln, mit einem Industriestaubsauber ab. „Industriestaubsauger muss sein, weil mit einem normalen Hausstaubsauger würde man die Härchen nur weiter verteilen“, erklärt Potthast. Die abgesaugten Nester werden verbrannt.

Die Anlieger an der Riester Straße sind erleichtert. „Hier wohnen Familien mit Kindern, einige sind Allergiker“, schildert Gabi Stedtfeld die Sorgen der letzten Tage. Die Warnhinweise entlang des Radwegs, den die Kinder üblicherweise nutzen, trugen da nicht zur Beruhigung bei. Auf Stedtfelds Grundstück steht auch eine befallene Eiche. Dafür hat sie selbst eine Spezialfirma beauftragt, die ebenfalls am Mittwoch kam.

Eigentumsfrage klären

Um diese Trennung zwischen privatem und öffentlichem Eigentum geht es unter anderem, wenn Johannes Fünfzig für die Stadt Bramsche ausrückt, um EPS-Nester zu inspizieren. Stehen die Bäume auf städtischem Grund, versucht er, Schädlingsbekämpfer für den Auftrag zu gewinnen. Was im Moment nicht so leicht ist bei der Vielzahl der Fälle. „Die setzen natürlich auch ihre Prioritäten. Wenn da zum Beispiel auf einem Dorfplatz ein Nest in einem Baum ist, an dem täglich viele Menschen vorbei gehen, dann rücken die sofort aus“. Umgekehrt kann es dann eben bei Fällen, in denen nicht vielen Menschen die Gefahr droht, länger dauern. Auch bei einem Befall vor dem Ueffelner Freibad sei prompt reagiert worden.

Nester entfernen

Auch Privatpersonen, die eine befallene Eiche auf ihrem Grundstück haben, rät Fünfzig dringend, die Nester entfernen zu lassen. „Allein schon damit sich der Eichenspinner nicht im nächsten Jahr noch weiter ausbreitet“. Auf alle Fälle sollte die Beseitigung aber ein Fachmann vornehmen. Außerdem bleiben die Härchen, wenn sie denn in den Nestern verbleiben, noch über Jahre giftig. Und mit jedem Hautkontakt wächst die Empfindlichkeit“, warnt ein Flugblatt des niedersächsischen Gesundheitsministeriums zum EPS. Besonders empfindlich reagieren demnach auch Haustiere, die die Härchen zudem im Fell weiter transportieren können.

Bäume melden

Die Stadt Bramsche bittet darum, weiterhin verdächtige Bäume unter der Telefonnummer 05461/83131 zu melden. Außerhalb der Öffnungszeiten der Bramscher Stadtverwaltung können Bäume per E-Mail an matthias.hintz@stadt-bramsche.de gemeldet werden.


  • Wie schütze ich mich vor EPS? Das niedersächsische Gesundheitsministerium rät, Bereiche zu meiden, in denen Warnhinweisschilder stehen. Weitere Tipps des Ministeriums:
  • Raupen und Nester niemals berühren.
  • Wer mit den Härchen in Kontakt kommt, sollte zum Arzt gehen und ihm mitteilen, dass wahrscheinlich Kontakt mit den Haaren des EPS bestand.
  • Bei starkem Juckreiz können Antihistaminika helfen, Kratzen treibt die Gifthaare nur tiefer in die Haut.
  • Bei schweren allergischen Reaktionen mit Asthma und Atemnot sofort den Rettungsdienst rufen.
  • Kontaminierte Kleidung schnell wechseln und bei mindestens 60°C waschen.
  • Duschen und Haare waschen. Kaltes Wasser lindert Juckreiz! Augen mit viel Wasser spülen.

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