Zeitzeugen gesucht Bramscher Gedenksteine sollen „aktualisiert“ werden

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Bereits gesäubert  wurde der Gedenkstein für dei Kriegsgefangenen und Vermissten an der Alten Post. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeBereits gesäubert wurde der Gedenkstein für dei Kriegsgefangenen und Vermissten an der Alten Post. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Die Ehrenmale der Stadt wieder herrichten und durch erklärende Tafeln den geschichtlichen Kontext erklären, will eine Initiative, die aus dem Kirchenkreis-Ausschuss „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ entstanden ist. Zuerst wurde der Gedenkstein an der Alten Post freigelegt und gesäubert.

„Kriegsgefangene und Vermisste - wir vergessen euch nicht“, ließen die Spender des Gedenksteins seinerzeit in den Naturstein meißeln. Inzwischen ist die Schrift verblasst, Moos und Algen hatten sich auf den Findling gesetzt, Efeu ihn fast zugewuchert. „Wir möchten die Inschriften aktualisieren“, sagt der pensionierte evangelische Pastor Winfried Schiller, der vor ein paar Tagen mit dem Oberstleutnant der Reserve Uwe Schrader und der Bramscher Ratsfrau und CDU-Vorsitzenden Imke Märkl neben der Alten Post ans Werk machte.

Für Schiller geht es nicht nur darum, die Inschriften wieder herzurichten, sondern sie auch mit Infotafeln zu versehen, die die Mahnmale in einen geschichtlichen Kontext setzen. „ Wenn junge Menschen heute Sätze sehen wie ‚Kriegsgefangene und Vermisste - wir vergessen euch nicht‘ oder „Vergesst unsere ostdeutsche Heimat nicht‘ wie am Raschplatz können sie doch gar nicht mehr damit anfangen. Geschichtsvergessenheit können wir uns heute aber mehr denn je nicht leisten“, sagt Schiller, der auch im Gremium zum Umgang mit dem Nowotny-Denkmal mitarbeitete.

Verpflichtung, den Krieg zu ächten

Die Infotafel am Mahnmal neben der Alten Post sollte, so Schiller, darauf hinweisen, dass kurz nach dem Krieg noch unzählige Familien sehnsüchtig auf ihre Väter und Söhne warteten, die sich noch in westalliierter oder russischer Gefangenschaft befanden. 3,15 Millionen deutsche Soldaten gerieten damals allein in russische Gefangenschaft, 1,1 Millionen starben in den Lagern. „Dieser Gedenkstein ist für uns heute die unbedingte Verpflichtung, den Krieg zu ächten und uns für ein friedliches Mitarbeiter der Völker einzusetzen“ unterstrich der Pastor in Rente.

Auch der Schriftzug „Vergesst unsere ostdeutsche Heimat nicht“, wie sie auf dem Gedenkstein am Lutterdamm angebracht ist, sei heute erklärungsbedürftig, findet die Initiative. Hier könne eine Tafel darauf hinweisen, dass in Nieder- und Oberschlesien, Ost- und Westpreußen, Pommern und Ostbrandenburg bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges rund 12 Millionen Deutsche lebten und dass diese Gebiete durch völkerrechtliche Verträge inzwischen zum polnischen Staat gehören, dass die deutsche Bevölkerung zwangsweise umgesiedelt und vertrieben worden sei, aber auch, dass die polnische Westgrenze an Oder und Neiße von Deutschland als unstrittige Grenze anerkannt werde.

Die Inschriften sollen jetzt in Zusammenarbeit mit dem Bramscher Steinmetzunternehmen Tschörtner nachgearbeitet werden. Während von dem Gedenkstein im Raschpark am Lutterdamm bekannt ist, dass er am 22. September 1957 gesetzt wurde, gibt es noch immer kaum Fakten über den Stein neben der Alten Post. „Es wäre sehr hilfreich, wenn es noch Menschen gäbe, die uns mit ihrem Wissen weiterhelfen könnten“, sagt Schiller. Der Stein müsste vor 1955 aufgestellt worden sein, da der damalige Bundeskanzler Adenauer im September des Jahres die Freilassung der letzten Deutschen aus russischer Kriegsgefangenschaft erreichte. Wer Informationen besitzt, bestenfalls noch Zeitzeuge ist, kann sich bei Pastor Schiller (Tel: 05461/885041) oder bei den Bramscher Nachrichten (05461/ 930010) melden.


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