Varus-Forscher vorsichtig optimistisch Mögliche Bodenschicht des Kampfplatzes in Kalkriese entdeckt


Kalkriese. Die Bodenkunde und Bodenanalysen gewinnen auf dem wahrscheinlichen Gelände der Varusschlacht in Kalkriese/Niewedde in diesen Wochen immer mehr an Bedeutung. Das hat der Wissenschaftliche Leiter des Grabungsprojektes, Prof. Dr. Salvatore Ortisi, betont.

„Mit der jetzigen Kampagne versuchen wir den Schlachtverlauf, den Ort und die Landschaft besser zu verstehen, um so das Bild über die Geschehnisse vor 2000 Jahren besser fassen zu können“, erklärte der Forscher anlässlich eines Ortstermines. „Wir betrachten hier 15000 Jahre Landschaftsgeschichte und wollen ein Ereignis fassen, das zwei oder drei Tage gedauert hat. Das ist eine wirkliche Herausforderung, die aber auch die Bedeutung des antiken Schlachtfelds von Kalkriese zeigt. Hier können wir ein Zeitereignis eingrenzen und fassen – ähnlich wie in Pompeji oder auf dem Schlachtfeld am Harzhorn“, so Ortisi.

Der Wissenschaftler äußerte vorsichtig die Hoffnung, durch die jüngsten Grabungsschnitte, Bodenuntersuchungen und Funde eben jene Ebene im Erdreich entdeckt zu haben, auf der einst im Jahre 9 nach Christus die Varusschlacht zwischen Römer und Germanen stattgefunden habe. Ortisi sprach von einer „durchgängigen Ansicht der Bodenschichten des Kampfplatzes“, die sich vor den Archäologen und dem Forscherteam zunehmend abzeichne. Die Grabungen 2018, die im April begonnen haben, laufen noch bis Mitte Juni weiter. Mit an Bord sind dabei auch Prof. Dr. Achim Härtling und das Institut für Geographie der Universität Osnabrück , das durch geoarchäologische Untersuchungen die Landschaftsgeschichte in Kalkriese/Niewedde besser zu verstehen hilft. „Hier arbeiten unterschiedliche Fachdisziplinen zusammen und tragen dazu bei, diesen Teil der Geschichte zu erschließen – für die Forschung, aber auch für ein interessiertes Publikum vor Ort im Museum“, so Prof. Dr. Thomas Bals, Vizepräsident der Uni Osnabrück.

Noch bis Mitte Juni werden die diesjährigen Ausgrabungen in Kalkriese andauern. Foto: Marcus Alwes

Auch eine Reihe von weiteren römischen Funden haben die Archäologen bei ihren diesjährigen Ausgrabungen auf dem Gelände am Stadtrand von Bramsche entdeckt. Darunter einen Schlüssel an einem römischen Fingerring, eine Distelfibel, ein kleines Kästchen aus dünnem Bronzeblech sowie Fragmente von römischen Ausrüstungsgegenständen aus dem militärischen und zivilen Bereich. Beispielsweise Schwertscheidenringe, Münzen, Knoten- und Kugelfibeln. Ein Teil dieser Funde wurde inzwischen „im Block“, also zusammen mit dem umgebenden Erdreich geborgen, und zu ersten computertomographischen Untersuchungen nach Münster geschickt. Dies diene, so Varusschlacht-Geschäftsführer Dr. Joseph Rottmann, dem Schutz komplexer Fundzusammenhänge und solle eine spätere, fachgerechte Freilegung gewährleisten.


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