Germanische Handwerker bei „Varus“ In Kalkriese wird wie vor rund 2000 Jahren „gewerkelt“

Von Holger Schulze


Am Pfingstsonntag sowie Pfingstmontag hatte sich auf dem Varusschlachtgelände in der Nähe des Aussichtsturmes ein kleines „Zeltlager“ gebildet.

hols Kalkriese. Dort hantierten altertümlich bekleidete Frauen mit dezent gefärbter Wolle. Ihnen gegenüber saßen vollbärtige Männer und schnitzten einen Bogen oder bearbeiteten an einem kleinen Feuer Metall. „Germanische Handwerker zu Gast in Kalkriese“ hieß dieses vom Museumspädagogen Ingo Petri organisierte Projekt.

Geboten wurden Einblicke in das germanische Handwerk von vor 2000 Jahren. Vorführungen von Textiltechniken, der Bogenherstellung, Erläuterungen über die Pfeilarten jener Zeit sowie Erklärungen zu Schmiedetechniken gehörten bei bestem Wetter zum Programm. „Wir wollen aber nicht nur die verschiedenen Arbeitsweisen von damals zeigen, sondern auch Antworten zu allen Aspekten des germanischen Lebens geben“, erläuterte Petri ein weiteres Anliegen der Veranstaltung.

Taktik der Bogenschützen ausführlich erklärt

Außerdem waren die Museumsbesucher in Kalkriese eingeladen, auch einmal selbst wie die Germanen zu „werkeln“. Glücksbringer aus Geweihstücken konnten dabei angefertigt werden. Beim Schmied bestand die Möglichkeit, Schmuckanhänger herzustellen. Und wer den Umgang mit weicher Wolle bevorzugte, der konnte sich einmal im Brettchenweben, im Umgang mit der Handspindel sowie der historischen Strickliesel versuchen.

Von durchdrungenen Kettenhemden und einem langsamen Verbluten eines getroffenen Gegners berichtete unterdessen Uwe Guardian – seines Zeichens Bogenschütze und Pfeilhersteller – dem Publikum. Im Rahmen seiner Vorführungen erläuterte er zudem die Taktiken der Bogenschützen während der früheren Schlachten und ließ den einen oder anderen Pfeil von der Hanfsehne aus im hohnen Bogen in den blauen Himmel steigen.

Dass auch bereits die Germanen ihre Kleidung mit Krapp färbten, berichtete dagegen Museumspädagogin Ulrike Hindermann, die den Besuchern in allen Fragen der farblichen Veredelung von Wolle fachkundig Rede und Antwort stand. Von ihr war auch zu erfahren, dass bei den Germanen neben Birkenblättern auch Schafgarbe oder Rainfarn den Kleidungsstücken eine gelbe Färbung verliehen. Grautöne wurden durch Gallapfel und Eisen erreicht. Und mit den Sauerampfersamen konnten Orangetöne erzeugt werden.

Kleidung wurde gefärbt – Techniken von früher erläutert

Für den Färbevorgang selbst wurde zunächst die Wolle mit einer speziellen Beize rund eine Stunde lang gekocht und so aufnahmefähig gemacht für die Farben. Eine weitere Stunde dauerte dann das Auskochen, beispielsweise der Birkenblätter, um den Färbesud zu erhalten.

Neben den diversen Techniken verdeutlichten die germanischen Handwerker aber auch Eigenschaften des damaligen Lebensstils vor 2000 Jahren. Ob beim Färben oder anderen Handarbeiten, stets ging es eher still zu – und mit einem völlig anderen Zeitmaß als bei heutigen Produktionsmethoden ans Werk.


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