Landschaftsökologe Schröder im Rathaus Biologische Vielfalt in urbanen Räumen wie Bramsche sichern

Von Sigrid Schüler-Juckenack


Bramsche. Brachflächen in städtischen Gebieten oder begrünte Dachflächen im städtischen Raum können Möglichkeiten eröffnen, gefährdeten Pflanzenarten einen Lebensraum zu bieten. Landschaftsökologe Dr. Roland Schröder von der Hochschule Osnabrück forscht auf diesem Gebiet.

Vom „Runden Tisch Natur“ war der Wissenschaftler jetzt ins Bramscher Rathaus zu einem Vortrag über sein Forschungsgebiet eingeladen worden. Mit einem Exkurs in die Wissenschaft erklärte Schröder seinen Zuhörern, dass es beim Naturschutz nicht nur um den Erhalt der Artenvielfalt geht.

Wichtig sei auch die Erkenntnis, dass eine Pflanzenart genetisch divers ist. Von ein und derselben Pflanzenart gebe es je nach Herkunft und Standort verschiedene Populationen, die sich auch in ihrem Erscheinungsbild voneinander unterscheiden können. Zum Erhalt der genetischen Diversität legt man heute Wert darauf, bei Wiederherstellung von Lebensräumen auf gebietseigenes Saatgut zurückzugreifen, damit regionale Unterschiede erhalten bleiben.

Beim Artenschutz und Erhalt der Biodiversität besteht allerdings hierzulande Handlungsbedarf. Schröder erklärte in seinem Vortrag klar, dass von 863 Biotoptypen 549 gefährdet sind, und in Niedersachsen von 2708 vorkommenden Gefäßpflanzen 30 Prozent in ihrem Bestand bedroht sind. Grund genug, um sich Gedanken darüber zu machen, ob es Flächen gibt, auf denen gefährdeten Pflanzen ein alternativer Standort angeboten werden kann. Gerade für Pflanzen von mageren Standorten wie Trockenrasen, Heide oder mageres Grünland, die zu den stark gefährdeten Biotoptypen zählen, könnte die Dachbegrünung eine Chance darstellen, so Schröder.

Derzeit laufen Versuche, in denen eine extensive Dachbegrünung mit heimischer Biodiversität getestet wird. Die Forscher beobachten über mehrere Jahre, ob sich die Pflanzengesellschaft in den Parzellen stabil hält und wie das Dach gepflegt werden muss. Dabei habe sich gezeigt, dass auch nach einer Trockenheit, in der viele Pflanzen abgestorben waren, sich ein Bestand regeneriert hätte, da die Arten zuvor hatten Samen bilden können. Ein positiver Nebeneffekt begrünter Dächer sei, dass sie Regenwasser stärker zurückhalten und dass sie klimaregulierend wirken, die Luftqualität in den Städten verbessern und Insekten einen Lebensraum bieten, so Schröder weiter.

Auch die Begrünung urbaner Brachflächen biete Möglichkeiten für die bedrohte Pflanzenwelt. Auf einem ein Hektar großen Areal der ehemaligen Scharnhorstkaserne in Osnabrück testeten die Experten zwei Wildpflanzenmischungen. Ziel war eine schnelle Begrünung, die bei den Anliegern Akzeptanz findet und die eine Habitatfunktion für Insekten hat. „Viele Ziele“, gab Schröder zu, aber beide Saatmischungen seien erfolgreich gewesen. Aber: Auch ohne Einssaat sei es auf dem Kontrollareal zur Begrünung gekommen. Und das bedeute nichts anders, als dass sich auf Brachland auch allein wichtige, das heißt schützenswerte Pflanzen ansiedeln können.

Wichtig bei solchen Projekten sei aber, dass die Anwohner „mitgenommen werden“, denn nicht immer empfänden Anlieger diese Art von Begrünung schön. Viele Menschen mögen es nach Schröders Worten „aufgeräumt“. Klärt man die Menschen auf und bindet man sie in Begrünungsprojekte ein, so erhöhe sich Verständnis und Akzeptanz. Die Empfehlung Schröders an Kommunen, die biodiverse Flächen anlegen wollen: Unbedingt einen Experten hinzuziehen, und dafür sorgen, dass die Pflege langfristig sichergestellt ist. Ohne das funktioniere es nicht.

Der nächste Vortrag mit dem Thema „Lebensqualität im Siedlungsraum: worauf es ankommt“ findet übrigens am 4. Juni statt, ebenfalls im Bramscher Rathaus.