Ex-Coach reist aus Ungarn an Bramscher Handballer feiern Landesliga-Titel

Von Sascha Knapek


Bramsche. Ein Punkt im letzten Spiel hat den Handballern des TuS Bramsche gereicht, um den Landesliga-Titel 2017/18 und den direkten Aufstieg in die Verbandsliga aus eigener Kraft zu schaffen. Für den Bramscher Handball ist der ganze Tag etwas Besonderes. Das hört man bei jeder eingefangenen Stimme heraus.

„Richtig geil!“, bringt Spielertrainer Christoph Müller es wenige Minuten nach dem Ende der Partie auf den Punkt. Kurz vorher lag sich der TuS-Routinier mit seinen Mannschaftskamerden, Trainerkollegen Maik Podszuweit und Ex-Coach Gábor Fehér noch jubelnd in den Armen.

Halle wird zum Tollhaus

Mit dem Ertönen des Schlusspfiffs verwandelte sich die Realschulhalle in ein Tollhaus. Müller war mittendrin und ob des Erfolgs, den die Mannschaft unter seiner und Podszuweits Leitung eingefahren hat, zeigt er sich nach dem ersten Freudentaumel fast schon ein wenig überwältigt: „Zu Saisonbeginn waren wir vom Titel weit entfernt. Unser Ziel war es, unter die ersten Vier zu kommen. Das hat sich auch nach der Hinrunde nicht geändert. Dass wir in der gesamten Rückrunde nur ein Spiel verloren haben, ist unglaublich.“

Apropos Gábor Fehér: Der Ungar hatte das Team in der Saison 2016/17 und zu Beginn dieser Spielzeit trainiert. Dann ging er aus persönlichen Gründen zurück in seine Heimat. 15 Stunden vor Spielbeginn setzte sich Fehér nachts um drei Uhr in Ungarn in sein Auto, fuhr alleine 1300 Kilometer und war pünktlich in Bramsche. „Warum ich das gemacht habe?“, fragt der Handballtrainer rhetorisch. „Weil es sich lohnt!“

Fehér: „Team fehlt mir“

Dass Fehér die Mannschaft sehr am Herzen liegt, sieht man während des Spiels ständig. Der Ungar geht mit und feuert leidenschaftlich an. Zwei Minuten vor dem Ende animiert er die Zuschauer, mehr Lärm zu machen. Nach Spielende feiert er ausgelassen mit seinen ehemaligen Schützlingen und sagt etwas wehmütig: „Diese Stimmung, dieses Team, das fehlt mir.“

Warum die Bramscher im letzten Spiel so lange zittern mussten, lag auch am starken Gegner. „Eicken hat gezeigt, dass sie eine Spitzenmannschaft sind“, sagt Christoph Müller über den Tabellendritten. Trainerkollege Maik Podszuweit fügt hinzu: „Es war das schwere Spiel, das ich erwartet hatte. Wir mussten bis zum Ende ackern. In der Schlussphase ging uns die Düse, das hat man gemerkt. Dennoch haben wir durchgezogen und das Unentschieden gesichert.“

400 Zuschauer feuern an

Erwähnenswert ist vor allem die für Bramscher Handballverhältnisse große Kulisse. 400 Zuschauer saßen auf den Rängen und waren Zeugen des Krimis. „Traumhaft, vor so einem großen Publikum um den Titel spielen zu dürfen“, gibt Trainer Maik Podszuweit diesbezüglich zu Protokoll. Und auch die Spieler sind überwältigt. „Eine überragende Kulisse“, schwärmt Alexander Brockmeyer. Sein Teamkollege Kai Golchert präzisiert: „Ich spiele seit 20 Jahren Handball in Bramsche. So viele Zuschauer und so eine Stimmung habe ich hier noch nie erlebt.“

Ihren Anteil am Erfolg hatten dabei sowohl die jungen Nachwuchskräfte, als auch die etablierten Routiniers des TuS. „Zuhause können wir jeden schlagen, das wussten wir. Unser Tempospiel und das schnelle Umschaltspiel waren heute, und über die gesamte Saison gesehen, die Schlüssel zum Sieg und zum Titel“, ist sich Youngster Christian Bergmann sicher.

Die andere Seite des Altersspektrums deckt Björn Engler ab. Der Außenspieler ist nach mehreren Jahren in der Ersten mittlerweile Teil der TuS-Reserve. Für das Saisonfinale wurde er jedoch als Ersatz für den verletzten Kai Gellermann ins Team berufen. Eine goldrichtige Entscheidung, wie Engler in der zweiten Hälfte bewies. Der Routinier erzielte die zweitmeisten Tore (fünf) aller TuS-Spieler und sorgte in der Schlussphase für Stabilität. „Wenn man so gut freigespielt wird, kann die Devise nur lauten, Kopf ausschalten und reinwerfen“, stapelt der Bramscher nach dem Schlusspfiff tief.

„Mission Klassenerhalt“

Ganz hin und weg war auch Abteilungsleiter Karsten Mühlmeier. „Christoph und Maik haben einen tollen Job gemacht. Den Titel haben sich die Jungs hart erarbeitet. So sieht eine richtige Mannschaft aus“, lobt Mühlmeier Team und Trainer, als vor der Halle die ersten Bierduschen bereits über die Bühne gegangen sind. Der Erfolg sei ein Beweis dafür, dass sich die Jugendarbeit des TuS auszahle, erklärt Mühlmeier auch im Hinblick darauf, dass zahlreiche Eigengewächse zu den Leistungsträgern gehören. Die Verbandsliga hat der Abteilungsleiter an diesem Abend schon im Hinterkopf. „Ab morgen beginnt die Mission Klassenerhalt“, sagt der TuS-Verantwortliche, bevor die Meisterschafts- und Aufstiegsparty weitergeht.