Hochkarätiges Chorkonzert Schwedisches Vokalensemble zu Gast in Bramsche

Von Holger Schulze

Das „Danderyds Vokalensemble“ mit seinem Leiter Rikard Karlsson (rechts) vor der Bramscher Kirche St. Martin. Foto: Holger SchulzeDas „Danderyds Vokalensemble“ mit seinem Leiter Rikard Karlsson (rechts) vor der Bramscher Kirche St. Martin. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Das „Danderyds Vokalensemble“, ein A-capella-Chor aus Stockholm, war am frühen Samstagabend in der St.-Martin-Kirche zu Gast.

Zu dessen weiteren Auftrittsorten in Deutschland zählen Hamburg und Düsseldorf. Private Beziehungen der Familie Gronemann machten das Konzert in Bramsche möglich. Mitgebracht hatte das 18 Mitglieder zählende Ensemble überwiegend Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Das Lob Gottes in den Höhen des Himmels sowie ein Bekenntnis „Der Herr ist mein Hirte“ von Alice Tegnér eröffneten das Konzert. Kraftvolle, klare Stimmen und ein ausgeglichenes Verhältnis der Männer- und Frauenstimmen zeichnen den Chor aus. Entsprechend der geistlichen Inhalte der einzelnen Kompositionen bestand das Programm insgesamt aus einer wohltuenden gefälligen Zusammenstellung sakraler Stimmungen, ohne zu viel hervorgehobener Dramatik. Der Gesang des „Danderyds Vokalensemble“ zeichnete sich durch eine durchweg sensibel abgestimmte Intonationssicherheit aus. Die melodische Sprachstruktur des Schwedischen schaffte in der Kirche zudem ein Hörerlebnis der sympathisch ungewohnten Art.

Der auf Deutsch gesungene Gruß an das Gastgeberland wurde mit einem Werk von Heinrich Schütz, „Unser Wandel ist im Himmel“, sechsstimmig vorgetragen.

Nicht nur hier zeigte sich die Präzision des Ensembles. A-cappella auf hohem Niveau bekam das Publikum zu hören. Auch die anspruchsvoll mäandernden Passagen der Schütz-Komposition, bei denen schnell mal etwas auseinander driften kann, meisterten die schwedischen Sängerinnen und Sängern souverän. Welchen hohen Grad diese Souveränität besitzt, konnte daran ermessen werden, dass Chorleiter Rikard Karlsson die Einstimmung auf die kommenden Stücke oftmals lediglich mit einem einzigen Ton vom Klavier aus vorgab. Allzeit wurde im Konzert deutlich: Rikard Karlsson arbeitet mit handverlesenen und geschulten Sängern.

Zeitgenössische Chorliteratur

Mit zwei Kompositionen des im letzten Jahren verstorbenen Ingvar Lidholm griff das Ensemble die zeitgenössische Chorliteratur auf. Dissonant begann dieser Programmteil, um sich beim zweiten Stück dann in die 12-Ton-Gesangsakrobatik hinauf zu steigern. Bei beiden Stücken zeigte die Chorgemeinschaft erneut ihre Qualität, ein Klanggebilde aus einem Guss und ohne Schwachstellen zu präsentieren. Etwas sanfter in den Dissonanzen formuliert erklangen anschließend zwei weitere Werke, ebenfalls aus dem 20. Jahrhundert. Sven Eric Bäck, „ vielleicht der schwedische Bach “, wie Chorleiter Rikard Karlsson scherzhaft das Publikum wissen ließ, hatte den Gang nach Jerusalem sowie die Hoffnungsverheißung „Bittet, so wird euch gegeben. Suchet, so werdet ihr finden und klopfet an, so wird euch aufgetan“ in Töne umgesetzt.

Eine kurze Atempause, vermittelt durch die von Eva Gronemann gespielte Orgel, erhielt das A-cappella-Ensemble durch Auszüge aus den „Meditationes religiosas“ von Louis James Alfred Lefébure-Wély. Der leicht schnippische Beginn mit einem Andante wurde schließlich von einem wachrüttelnd-dynamischen Marsch beendet.

Der zweite Programmteil setzte sich aus der 2014 entstandenen Missa brevis von Staffan Isbäck sowie aus einem Mendelssohn zusammen. Mendelssohns zweiter Psalm „Warum toben die Heiden“ mit seinen expressiven Verdichtungen bis hin zu dramatischen Passagen, füllte die Kirche nochmals Dank der stimmlichen Kraft und Ausdrucksstärke des „Danderyds Vokalensemble“ bis in die letzte Reihe. Mit intensivem Beifall, nach der Zugabe sogar im Stehen gespendet, bedankte sich das Publikum für das Konzert einer Chorgemeinschaft, die einen hochkarätigen aber auch sympathisch entspannten Eindruck in der St.-Martin-Kirche hinterließ.