Motto „In Bewegung“ Bramscher Museum: Mit neuem Konzept zu mehr Besuchern

Von Hildegard Wekenborg-Placke

„In Bewegung“ sind alle Maschinen im Erdgeschoss. Mit den Möglichkeiten der „augmented reality“ soll nun auch das Obergeschoss aufgewertet und an das Museumsmotto angepasst werden.  Archivfoto: Claas Hugenberg„In Bewegung“ sind alle Maschinen im Erdgeschoss. Mit den Möglichkeiten der „augmented reality“ soll nun auch das Obergeschoss aufgewertet und an das Museumsmotto angepasst werden. Archivfoto: Claas Hugenberg

Bramsche. Mit einem runderneuerten Konzept, das viele interaktive Module entfällt, will das Bramscher Tuchmachermuseum wieder mehr Besucher anziehen. Die Pläne, die Museumsleiterin Kerstin Schumann am Dienstagabend vor dem Ratsausschuss für Schule und Kultur präsentierte, entstanden in Zusammenarbeit dem Bereich Media- und Interactiondesign der Hochschule Osnabrück.

In der Februarsitzung des Ausschusses hatten die rückläufigen Besucherzahlen und das Missverhältnis zwischen Kosten und Einnahmen den Kommunalpolitiker Anlass zu kritischen Nachfragen gegeben. Quer durch die Fraktionen sah man Handlungsbedarf und regte an, das Thema zum Schwerpunkt einer der nächsten Sitzungen zu machen. Und so stand am Dienstag das Museum am Mühlenort als einziger namentlich genannter Punkt auf der Tagesordnung. Bei der Vorstellung des Konzeptes räumte Museumschefin Kerstin Schumann zunächst selbstkritisch ein, dass „wir uns in der Vergangenheit zu sehr als Gemischtwarenladen verkauft haben“. Das Museum müsse sein Alleinstellungsmerkmal, ein „lebendiges Museum“ zu sein, weiter ausbauen. Das Museumsmotto „In Bewegung“ umzusetzen, sei im Erdgeschoss bereits gut gelungen, das Obergeschoss falle dagegen allerdings ziemlich ab. Die in den „stummen Bereichen“ präsentierten Maschinen können nicht oder nur mit großem Aufwand in einen arbeitsfähigen Zustand versetzt werden. Bei den Zuschauern kommt das offenbar nicht gut an. Die Videos, die die Arbeitsweise erklären, seien zwar „inhaltlich noch in Ordnung“, von den technischen Möglichkeiten her aber ziemlich antiquiert. „Große Teile des Museums sind immer noch sehr attraktiv, andere sind in die Jahre gekommen und einzelne Bereiche müssen anders aufgestellt werden. Das wollen wir bis zum 25-jährigen Jubiläum 2022 geschafft haben“, fasste die Museumsleiterin zusammen.

Thema für Bachelor-Arbeiten

Hier kommt die Hochschule Osnabrück ins Spiel. Der Leiter des Fachbereichs Media- und Interaction Design, Johannes Nehls, konnte dafür gewonnen werden, das Tuchmacher-Museum als Praxisobjekt für seine Studenten zu akzeptieren und so machten sich sechs Studenten und eine Studentin im März im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ans Werk. Sie verschafften sich einen Überblick über Exponate und Struktur des Museums, befragten Besucher und entwickelten daraus ein Konzept. das Jonas Mai und Tom Janssens stellvertretend für ihre Kommilitonen Perihan Isik, Aljoscha Theil, Julian Ruthemeyer, Maximilian Berndt und Sebastian Winter in der Sitzung vorstellten. „Es war wichtig, einmal eine andere Perspektive, die des Besuchers von morgen einzunehmen“, sagte Schumann.“Im Foyer unten herrschte große Orientierungslosigkeit“, beschrieb Jonas Mai den ersten Eindruck der Studenten. Deshalb soll demnächst eine Installation im Erdgeschoss Neugierde wecken darauf, was sich in den anderen Bereichen des Museums tut. Im „stummen Bereich“ im Obergeschoss , wollen die Studenten die Besucher mit den Mitteln der „augmented (verbesserten) oder Virtual Reality anregen, selbst aktiv zu werden. Da die Maschinen nicht bewegt werden können, wollen die Studenten für eine Station vor dem Originalgerät einen Modell-Webstuhl bauen und ihn mit einem IPad verbinden. „Wenn ich am Modell ein Pedal bediene, bewegen sich auf dem Tablet die Elemente“, beschrieb Mai etwas vereinfacht die Wirkungsweise. Insgesamt sechs solcher Stationen sind geplant, die Station „Webstuhl“ werden die Studenten noch im Sommer realisieren. Das Projekt wird vom Förderverein des Museums finanziell unterstützt. Schumann zeigte sich optimistisch, auch die übrigen Stationen mithilfe von Fördergeldern realisieren zu können. Die Umsetzung des Leitsystems und die Anschaffung neuer Medienstationen sind für das kommende Jahr gedacht, sagte sie.

„Bääärtold“ als Ankerfigur

Flexibler werden soll auch die Hauptausstellung. Im zweiten Obergeschoss könnte sich Schumann vorstellen, die gezeigte Technik durch Ausstellungen zur Firmengeschichte Bramscher Unternehmen zu ergänzen oder Themen mit aktuellem Bezug wie die Auswirkung der Globalisierung und Digitalisierung auf die Textilindustrie aufzugreifen. . Befragungen von Besuchern hätten ergeben, dass solche Themen ebenso vermisst würden wie Informationen über die Sozialgeschichte der Bramscher Tuchmacher oder die Geschichte einzelner Exponate. Auch im Museumsladen sollten die Produkte des Museums mehr in den Vordergrund gerückt werden.

Aktiver werden will das Museum auch in der Außendarstellung. Inzwischen hat das Museum einen Facebook-Auftritt, die Internetseite mit einem bewegten Intro und dem Museumsschaf „Bääärtold“ als Ankerfigur soll in einigen Tagen online gehen.

Ein Veranstaltungskonzept soll den Maßnahmenkatalog ergänzen. Neben dem bekannten Färbertag, dem Tuchmarkt, den Ausstellungen und Konzerten wird es am 10. Juni 2018 erstmals eine „Schafstag“ geben. Rund 100 Schafe kommen zum Museum. Es wird Schafschur- und Spinnvorführungen geben und einen kleinen Markt „rund ums Schaf“. Der Eintritt ist kostenlos. Die Reihe „Stadtgespräche“ soll ebenso wie die Kornmühlenkonzerte dazu beitragen, das Museum als kulturellen Mittelpunkt der Stadt zu etablieren.Außerdem sollen demnächst auch Einzelbesucher oder kleine Gruppen in den Genuss einer Führung kommen.

Begeisterte Ratsmitglieder

„Ich bin zuversichtlich, dass, wenn dies alles realisiert wird, einer guten Zukunft des Museums nichts mehr im Wege steht“, freute sich anschließend Anette Staas-Niemeyer (FDP). Begeistert zeigten sich auch Elisabeth Nagels (CDU) und Annegret Christ-Schneider (SPD) von den Plänen der Studenten,. aber auch von der Idee, einen „Roten Faden“ etwa vom Bahnhof aus zum Museum zu legen und Bramsche-Besuchern die Orientierung zu erleichtern. Man könne das Museum verstärkt in Programme für Betriebsfeiern oder Ähnliches einbinden, schlug Josef Riepe (Die Linke) vor. Dieter Sieksmeyer von den Grünen regte an, bei allen Lob dennoch zu überdenken, ob dem Bereich Forschen und Bewahren weiter so große Bedeutung beigemessen werden müsse wie bisher - ein Einwand, den Schumann kategorisch zurückwies. Ohne Forschung sei zudem eine Museumsregistrierung nicht möglich. „Das ist das, was für dei Gesellschaft bleibt, die Grundlage unserer Arbeit“.